Preistreiber Regularien: Rund ein Drittel der Onlinehändler in Deutschland gibt Mehraufwand an Kunden weiter

Regularien bestimmen zunehmend den Onlinehandel – und sorgen für immer größeren Aufwand bei Onlinehändlern. Dazu zählte 2021 etwa die große Umsatzsteuerreform, die Händlern durch den sogenannten One-Stop-Shop (OSS) als zentrales Element der Reform eigentlich Erleichterung statt Mehraufwand bringen sollte. 2022 stehen weitere Veränderungen an, beispielsweise beim Verpackungsrecht, beim Verbraucherrecht oder mit der Omnibusrichtlinie. Viele Onlinehändler geben den Mehraufwand, der dadurch entsteht, in Form von Preiserhöhungen an die Kunden weiter, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Das ergab eine im November durchgeführte Händlerbefragung zum Thema “Internationalisierung und Einfluss von Regularien auf den E-Commerce” der Hamburger Compliance-Plattform Taxdoo in Zusammenarbeit mit dem IFH Köln. Befragt wurden 260 Händler u.a. zu ihren ersten Erfahrungen und Herausforderungen seit dem Inkrafttreten der EU-weiten Umsatzsteuerreform im Juni 2021.

Stolze 78 Prozent der Onlinehändler gaben an, dass neue Regularien deutliche Auswirkungen auf Aufwand und Kosten haben. Rund 41 Prozent der Onlinehändler verzichten zwar zugunsten ihrer Kunden auf Preiserhöhungen und tragen die Kosten für Mehraufwand durch Regularien selbst. Ganze 37 Prozent der Onlinehändler haben allerdings auch aufgrund des entstandenen Mehraufwandes die Preise erhöht und Kosten damit direkt an ihre Kunden weitergegeben.

©Taxdoo 2022

Entwickeln sich Regularien langfristig zu einem Preistreiber im Handel?

Für die Mehrheit der Händler ist der Trend hin zu einer weiteren Zunahme bei den Regularien eindeutig: So schätzen knapp 67 Prozent der Händler den Einfluss durch Regularien früher noch als sehr gering oder eher gering ein, aktuell sehen sich bereits 64 Prozent mit einem eher hohen oder sogar sehr hohen Aufwand konfrontiert. 68 Prozent der Onlinehändler erwarten auch für die Zukunft einen hohen Aufwand durch Regularien und sehen künftig keine größeren Erleichterungen.

“Die stetig zunehmenden regulatorischen Anforderungen führen bei der großen Mehrheit der Onlinehändler zu finanziellem Mehraufwand und damit Druck auf ihre Margen. Das stellt sie vor die schwierige Entscheidung, entweder ihre Mehrkosten mittels Preiserhöhungen an Kunden weiterzugeben oder selbst die Kosten zu tragen”, kommentiert Dr. Moritz Lukas, Vice President Sales bei Taxdoo, die Umfrageergebnisse.

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Trotz des Empfindens, dass regulatorische Hürden immer größer werden, blickt der Großteil der Onlinehändler jedoch weiterhin positiv in die Zukunft: 76 Prozent stehen den kommenden 12 Monaten sehr positiv bis überwiegend positiv gegenüber.

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Unterstützungsbedarf bei steuerlicher Abwicklung steigt

Im Zuge steigender regulatorischer Anforderungen wächst bei Onlinehändlern der Bedarf an externer fachlicher Unterstützung: 15 Prozent der Onlinehändler beschäftigen explizit seit der Umsatzsteuerreform Mitte 2021 einen externen Steuerexperten, 55 Prozent taten dies schon vorher. Von den  29 Prozent, die  aktuell noch keinen Steuerfachmann für die Abwicklung der Umsatzsteuer beschäftigen, möchte mit 82 Prozent die große Mehrheit jedoch künftig auf die Unterstützung durch Experten zurückgreifen. Daneben rücken auch technologische Lösungen stärker in den Fokus: Mit 35 Prozent würde rund jeder dritte Onlinehändler eine automatisierte digitale steuerliche Lösung bevorzugen.

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“Das Beispiel Umsatzsteuerreform zeigt deutlich: Was als Vereinfachung für Händler gedacht war, entpuppt sich als komplexes Konstrukt mit viel bürokratischem Mehraufwand. In den nächsten Jahren stehen viele weitere regulatorische Veränderungen an, was zu noch mehr Aufwand und Unsicherheit bei Händlern führen wird”, erklärt Dr. Moritz Lukas von Taxdoo. Rechtskonformes Handeln werde damit zum erfolgskritischen Faktor im Onlinehandel. Auf der einen Seite dürfte dies die Nachfrage nach versierten Steuerberatern, die mit internationalen Steuerregeln vertraut sind, treiben. Auf der anderen Seite werde der Bedarf an automatisierten Lösungen massiv steigen, um den Aufwand zu bewältigen. “Vor allem die Backend-Prozesse hinken im E-Commerce leider oft noch hinterher. Dabei können Technologie und Automatisierung gerade die vielen komplexen Prozesse im Onlinehandel deutlich vereinfachen”, sagt Dr. Moritz Lukas.

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