Die Corona-Pandemie setzt den stationären Schuhhandel massiv unter Druck

Die Corona-Pandemie mit Geschäftsschließungen und zahlreichen Einschränkungen hat den Einzelhandel schwer getroffen und auch tiefe Spuren im Schuhsegment hinterlassen. Das Geschäft ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr massiv eingebrochen. Eine Erholung auf Vorkrisenniveau ist erst ab 2022 realistisch, wobei der stationäre Anteil auch langfristig unter dem Niveau von 2019 bleiben wird. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland zum deutschen Schuheinzelhandel.

Die Corona-Pandemie setzt den stationären Schuhhandel massiv unter Druck. pixabay.com ©TJFREE (Creative Commons CC0)

„Vor allem der stationäre Markt für Schuhe in Deutschland schrumpft schon seit längerem. Das zeigt sich auch an der sinkenden Anzahl der Schuheinzelhändler und Filialen in den Innenstädten. Gleichzeitig steigt der Online-Anteil – beschleunigt durch die Pandemie – kontinuierlich weiter an.“ Patrick Ziechmann, Partner bei PwC Deutschland und Experte für Handel und Konsumgüterindustrie

Das Geschäft bricht 2020 massiv ein

Die COVID-19-Pandemie und die daraus folgenden Schließungen der stationären Flächen in den Lockdown-Phasen haben 2020 zu einem starken Umsatzrückgang im Schuhhandel geführt: Das Geschäft ist 2020 im Vergleich zu 2019 um rund 17 Prozent eingebrochen – von 12,1 auf zehn Milliarden Euro. Zwischen 2016 und 2019 lag das jährliche Wachstum noch bei knapp zwei Prozent.

„Insbesondere die angeordneten Schließungen des stationären Handels im Frühling 2020 haben das Geschäft belastet. Aber auch die Kontaktbeschränkungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten der Folgemonate dämpften die Umsätze in diesem Segment.“ Stefan Schwertel, Director bei PwC Deutschland und Experte für Handel und Konsumgüterindustrie

Dabei sind nicht nur die Umsätze im Sinkflug, auch die Anzahl der Schuheinzelhändler und Geschäfte ist rückläufig. Dies allerdings nicht erst seit der Pandemie: 2019 gab es noch 3.800 Betriebe – rund ein Drittel weniger als 2010. Auch die Anzahl der Schuhgeschäfte sinkt seit Jahren. 2011 waren es noch 13.400 Filialen, 2020 nur noch 10.000. Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist die Verschiebung zum Online-Geschäft.

Der Online-Anteil steigt auf 38 Prozent

Während der stationäre Schuhfachhandel signifikante Umsatzrückgänge verzeichnete, hat die Corona-Krise den Trend zum Online-Shopping von Schuhen beschleunigt. Als direkte Folge auf die Filialschließungen im Frühjahr 2020 und die geringere Besucherfrequenz in Innenstädten und Einkaufszentren im gesamten Jahr 2020 stiegen die Umsätze im Online-Handel stark an. Der Online-Anteil am Gesamtmarkt für Schuhe kletterte 2020 um zwölf Prozentpunkte auf 38 Prozent.

„Der Shutdown hat die bereits zuvor stattfindende Kanalverschiebung von offline zu online weiter beschleunigt. Konsument:innen kaufen ihre Schuhe immer häufiger im Internet. Diese Entwicklung wird anhalten und den Einzelhandel auch in Zukunft nachhaltig prägen.“ Stefan Schwertel, Director bei PwC Deutschland und Experte für Handel und Konsumgüterindustrie

Markterholung erst für 2022 erwartet

Mit einer Erholung des Schuhhandels auf Vorkrisenniveau rechnen die PwC-Experten erst ab 2022. Dann werde der Schuheinzelhandel voraussichtlich den langfristigen Entwicklungstrend von rund zwei Prozent Wachstum pro Jahr wieder aufnehmen.

„Der stationäre Anteil wird auch langfristig unter dem Niveau von 2019 verharren und weiter schrumpfen. Auch nach der Pandemie werden die Konsument:innen vermehrt die Online-Kanäle zum Kauf von Schuhen nutzen.“ Patrick Ziechmann, Partner bei PwC Deutschland und Experte für Handel und Konsumgüterindustrie

Konsolidierungstendenzen verstärken sich

Gleichzeitig bleibt der Wettbewerbsdruck hoch. Das Wettbewerbsumfeld im deutschen Schuheinzelhandel ist sehr intensiv, vor allem im mittleren Preissegment. Das könnte die Zahl der Insolvenzen und Konsolidierungen im Markt weiter vorantreiben. Bereits seit Jahren zeichnet sich eine wachsende Konsolidierungstendenz ab: Große Anbieter konnten Marktanteile gewinnen, während kleinere Player immer häufiger unter Druck geraten.

Strategische Neupositionierung gefragt

Im aktuell schwierigen Marktumfeld müssen sich die Händler nun einerseits auf die kurzfristigen Entwicklungen – etwa die Auswirkungen der vierten Corona-Welle – vorbereiten, sich aber auch langfristig strategisch positionieren. Dabei spielen die veränderten Erwartungen der Konsument:innen eine zentrale Rolle, etwa die zunehmende Nachfrage nach nachhaltigen und individualisierten Produkten.

„Während der Pandemie haben viele Konsument:innen ihre Präferenzen überdacht. Sie fordern mehr denn je Nachhaltigkeit von Mode- und Schuhunternehmen ein“, berichtet Patrick Ziechmann. Dabei gehe es aber längst nicht mehr nur um Umweltfragen. „Die Generation Z erwartet von Unternehmen, dass sie sich auch mit sozialen Fragen auseinandersetzen. Green- und Social Awareness müssen somit Teil der Unternehmensstrategie werden. Denn Greenwashing nehmen junge Konsument:innen wahr – und strafen es ab“, warnt der PwC-Experte.

Fest steht:

„Für die Unternehmen ist es höchste Zeit, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Existenzentscheidend sind dabei eine erfolgreiche Digitalisierung und die permanente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells im Einklang mit den veränderten Erwartungen der Konsument:innen.“ Patrick Ziechmann, Partner bei PwC Deutschland und Experte für Handel und Konsumgüterindustrie

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