Venture Capital Marktstudie 2021 sieht positive Entwicklung für das deutsche Startup-Ökosystem

Venture Capital Marktstudie 2021 sieht positive Entwicklung für das deutsche Startup-Ökosystem. pixabay.com ©geralt (Creative Commons CC0)

Nach welchen Kriterien bewerten Investoren Startups? Welche Trends gibt es bei der Gestaltung von Finanzierungsrunden? Und welche Rolle spielen Aspekte rund um den Themenkomplex Umwelt, Soziales und Governance (Environment, Social, Governance – kurz ESG)? Antworten auf diese Fragen gibt die Venture Capital Marktstudie 2021 von PwC Deutschland in Kooperation mit Prof. Dr. Dirk Honold von der Technischen Hochschule Nürnberg und der Venture Analytics GmbH. Sie zeichnet im zweiten Jahr erneut ein umfassendes Bild des deutschen Risikokapital-Ökosystems, gibt Einblicke in Bewertungspraktiken sowie rechtliche Vereinbarungen, und erlaubt Rückschlüsse auf Verhandlungsprozesse und die Motivationen der Risikokapitalgeber.

„Wir sehen eine positive Entwicklung des Risikokapital-Ökosystems, von dem vor allem die Startups in Deutschland profitieren. So steigt unter anderem das durchschnittliche Transaktionsvolumen, während die erwartete Internal Rate of Return (IRR) sinkt und vertragliche Regelungen der Beteiligungsdokumentation meist eine gründerfreundlichere Ausgestaltung erhalten.“ Enrico Reiche, Director bei PwC Deutschland

Prof. Dr. Dirk Honold von der Technischen Hochschule Nürnberg, die Ventury Analytics GmbH und PwC haben erneut Investoren befragt, die sich auf den deutschen Markt fokussieren oder Deals in Deutschland getätigt haben. Das von den Studienteilnehmer:innen abgedeckte rechnerische Gesamtinvestitionsvolumen beträgt mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr bei mehr als 360 jährlich finanzierten Deals.

Höhere Bewertung, niedrigere Renditeanforderung

Im Vergleich zum Vorjahr ist das durchschnittliche Transaktionsvolumen je Finanzierungsrunde von 5,2 Millionen Euro auf 5,8 Millionen Euro gestiegen. In Hinblick auf die Renditeanforderungen gibt es Unterschiede zwischen klassischen Venture Capital (VC) und Corporate Venture Capital (CVC) Gesellschaften. VCs erwarten in der Frühphase eine durchschnittliche Rendite von 38 Prozent, während für CVCs 21 Prozent ausreichend sind. Insgesamt sind die erwarteten Renditen in allen Phasen niedriger als im Vorjahr.

Während die Investoren vergangenes Jahr vor allem Startups rund um den Themenkomplex Industrie 4.0 im Blick hatten, verlagerte sich das Interesse nun auch auf das Segment BioTech.

Verhandlungsbereitschaft bei der Ausgestaltung und Bewertung der Finanzierung

In Bezug auf Bewertung, Investmentvolumen und die Ausgestaltung von Mitarbeiterbeteiligungen sind Investoren häufig verhandlungsbereit. Hier eröffnen sich Spielräume für die Gründerteams.

Im Rahmen der vertraglichen Gestaltung von Finanzierungsrunden bestehen Investoren in den meisten Fällen weiterhin auf einer Liquidationspräferenz. Lediglich in der Spätphase tritt diese Gestaltung nur in etwa 50 Prozent der Fälle auf.

Verwässerungsschutzklauseln kommen in drei Viertel bis zwei Drittel der Fälle zum Einsatz. Der Anteil nimmt in den verschiedenen Phasen ab. Es wird überwiegend eine gründerfreundliche Klausel nach der Broad-Based Weighted-Average Methode gewählt. Am zweithäufigsten kommen Verwässerungsschutzklauseln nach der Full Ratchet Methode zum Einsatz.

„Der gewachsene Reifegrad des VC-Ökosystems mit immer professioneller strukturierten Startup-Finanzierungen in Deutschland wird zudem durch immer mehr Relevanz von ESG-Kriterien ergänzt. Entscheidend für den Erfolg wird auch es sein, dass auch der Pull-Effekt durch den Exit der Investoren mit europäischen Trade Sales und IPOs gestärkt wird: Nur so kann ein nachhaltiges StartUp-Ökosystem zum volkswirtschaftlichen Nutzen entstehen.“ Prof. Dr. Dirk Honold, Technische Hochschule Nürnberg

Steigende Bedeutung von ESG-Kriterien und geringe Erwartung in Zukunftsfonds

Mehr als 60 Prozent der befragten Investoren berücksichtigen mittlerweile ESG-Kriterien in ihrem Anlageprozess. Von den übrigen Befragten planen mehr als 60 Prozent solche Kriterien in Zukunft zu berücksichtigen. Fast 80 Prozent der Studienteilnehmer:innen nutzen bislang noch keinen standardisierten Screening-Prozess für den Themenkomplex Umwelt, Soziales und Governance (ESG).

Nur ein Viertel der Teilnehmenden berücksichtigt die ESG-Compliance bei der Erstbewertung und der Gesellschaftervereinbarung. Drei Viertel der Investoren haben bereits ESG-KPIs in ihr Fondsreporting aufgenommen oder planen dies.

Der von der Bundesregierung initiierte Zukunftsfonds, der vorrangig Startups in der Wachstumsphase unterstützen soll, ist nach Ansicht der befragten Investoren kein Game Changer. Über 70 Prozent der Teilnehmenden sehen nur eine geringe Auswirkung des Zukunftsfonds auf das Startup-Ökosystem.

PwC
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