Digital Markets Act könnte ungewollt die Chancen kleiner und mittelstaendischer Unternehmen beeinträchtigen

Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene „Digital Markets Act“ (DMA), zur Eindämmung der Marktmacht internationaler Digitalkonzerne, könnte ungewollt kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) in Europa schaden. Die Folgen und Verbesserungsvorschläge des DMA haben Experten bei einem Roundtable diskutiert, der auch die Resultate des Digitally Driven Europe-Berichts des Connected Commerce Council (3C) bestätigt.

Digital Markets Act koennte ungewollt die Chancen kleiner und mittelstaendischer Unternehmen beeintraechtigen. pixabay.com ©robinsonk26 (Creative Commons CC0)

Der 3C-Studie zufolge nutzen 42 Prozent der europäischen KMUs und damit über 10 Millionen Unternehmen digitale Tools als integralen Bestandteil ihres Geschäfts, zum Beispiel durch kostenlose oder kostengünstige Dienstleistungen für Kommunikation, digitales Marketing, Werbung, Websites oder E-Commerce und Online-Zahlungen. Die Vorteile vieler digitalen Tools liegen in ihrer intuitiven Handhabung und der Interoperabilität, die sie anbieten. So ist es Unternehmen beispielsweise möglich, mit einem Login Werbung auf unterschiedlichen Plattformen zu schalten und gezielt auszuspielen. Der Digital Market Acts könnte diese und andere Anwendungen zukünftig verhindern oder erschweren. Weil diese Tools für fast die Hälfe der europäischen KMUs essenziell sind und erheblich zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg beitragen, sollten KMUs einen Platz am Verhandlungstisch haben und ihre Interessen vertreten sehen. Gerade in der Corona-Krise haben sich die digitalen Tools bewährt, wie der Report „Digitally Driven: Europe“ zeigt. Demnach hat eine starke Digitalisierung in Unternehmen zu 60 Prozent mehr Umsatz, 40 Prozent höherer Kundenbindung und dreimal mehr Neueinstellungen geführt. Insbesondere jetzt, wo sich viele Unternehmen von den Folgen der Krise erholen, wäre ein tiefer Einschnitt in Unternehmensprozesse deshalb besonders schädlich.

„Europäische KMUs könnten Kollateralschäden erleiden, wenn der Digital Marktets Act falsch umgesetzt wird“, sagte Dr. Mark Drapeau, Partner und Chief Research Officer von Catalyst Research. „Die EU-Datenschutz-Grundverordnung ist dafür ein gutes Beispiel. Die Regelung mag den Datenschutz für Privatpersonen verbessern, aber es hat vor allem sehr viel Arbeit für Anwälte und Berater geschaffen und kleinen Unternehmen, die immer noch mit der Umsetzung kämpfen, mehr Kosten und Komplexität als Nutzen gebracht.“

„Kleine und mittlere Unternehmen machen 99 Prozent der europäischen Unternehmen aus und sind für mehr als die Hälfte der europäischen Wirtschaftsleistung verantwortlich. Die meisten von ihnen agieren nicht an der digitalen Spitze und das sollten wir auch nicht erwarten“, sagte Dr. Joakim Wernberg, Forschungsdirektor für Digitalisierung und Tech-Politik beim Swedish Entrepreneurship Forum. „Anstatt ihre eigenen Lösungen zu entwickeln, nutzen sie vorhandene Angebote. Für viele KMUs bieten die großen Digitalplattformen einen effizienten Marktzugang als Dienstleistung an. Eine Beschränkung der Plattformunternehmen zum Schutz kleinerer Unternehmen könnte stattdessen dazu führen, dass deren Marktzugang unnötig erschwert wird.“

„Millionen europäischer KMUs arbeiten mit den Software-, Medien-, Werbe- und Commerce-Tools der digitalen Großkonzerne und verlassen sich auf diese“, ergänzt Dr. Maksim Belitski, Associate Professor in Entrepreneurship and Innovation an der Henley Business School in Großbritannien. „Sie sind auf Internet-Plattformen vor allem wegen ihrer Größe und Skalierung angewiesen, weil sie ihnen ermöglichen, ihre Zielgruppen präzise zu erreichen.“

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