CFO Survey: Anlauf für den Aufschwung

Trotz der COVID-19-Pandemie und andauernder Beschränkungen bleiben die Finanzvorstände von Großunternehmen in Deutschland wie auch in Europa überwiegend optimistisch und setzen damit die positive Tendenz des CFO Survey vom Herbst 2020 fort. Sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone erholen sich die Geschäftsaussichten weiter – fast die Hälfte der über 1500 befragten Großunternehmen in 19 europäischen Ländern sehen die Geschäftslage optimistischer als noch vor drei Monaten, nur 13 Prozent sind pessimistischer.

„Insgesamt sehen wir eine erstaunlich schnelle Wiederbelebung der wirtschaftlichen Stimmung in Deutschland wie auch in Europa, mit zum Teil rekordverdächtigen Werten“, sagt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom Deloitte. „Alles deutet derzeit darauf hin, dass sich die Mehrheit der Großunternehmen bis zum Ende des Jahres von der Krise erholt haben wird.“

Die wichtigsten Ergebnisse und Werte des deutschen CFO Survey auf einen Blick

  • Knapp die Hälfte der CFOs sieht eine Verbesserung ihrer Geschäftsaussichten, nur zehn Prozent eine Verschlechterung.
  • Bereits 43 Prozent der befragten Unternehmen haben schon wieder das Vorkrisen-Umsatzniveau erreicht; weitere 23 Prozent erwarten dies für das laufende Jahr.
  • Fast 70 Prozent der Finanzvorstände legen den Fokus für die Post-COVID-19-Zeit auf Umsatzwachstum durch Produktinnovationen und einen erhöhten Kundenfokus.
  • Nahezu zwei Drittel der Finanzfunktionen haben die Cashflow-basierte Steuerung während der COVID-19-Krise gestärkt.
  • Neben der digitalen Transformation und Remote Working steht vor allem das Thema Nachhaltigkeit auf der Agenda

Unsicherheit fällt auf Normalmaß

Trotz der weiterhin bestehenden Corona-Einschränkungen erkennen die deutschen Finanzvorstände einen starken Aufwärtstrend für die Konjunkturaussichten in Deutschland, USA und China. Die eigenen Geschäftsaussichten sinken zwar etwas im Vergleich zum Herbst, bleiben aber im rekordverdächtig hohen Bereich. Viele Unternehmen erwarten entsprechend, ihr Vorkrisen-Umsatzniveau noch 2021 zu erreichen. Damit einher geht eine steigende Investitions- und Einstellungsbereitschaft. Die wahrgenommene Unsicherheit im ökonomischen und finanziellen Umfeld sinkt auf ein Normalmaß – ein Zeichen, dass die CFOs ein baldiges Ende der Krise erwarten.

Inlandsnachfrage und Rohstoffpreise bleiben risikobehaftet

Einige Risiken bleiben jedoch bestehen: Ein Nachlassen der Inlandsnachfrage sehen die Finanzvorstände als größte Gefahr für die Konjunktur. Hinzu kommen neue Gefahren, etwa steigende Rohstoffkosten, die Unternehmen wohl auch noch in den nächsten zwölf Monaten begleiten werden. Für die Zeit nach der Pandemie setzen die deutschen CFOs klar auf Wachstum über Produktinnovationen, Kundenfokus und digitale Transformation. Dafür passen sie bereits jetzt ihre Strategien an – zwar liegt die Priorität weiterhin auf Kostensenkungen, aber der Fokus rückt definitiv in Richtung expansiverer Strategien. Hinzu kommt das Thema Nachhaltigkeitsreporting, das zunehmend seinen Weg auf die Agenden deutscher wie auch europäischer Finanzvorstände gerückt ist.

Erholung auch in Europa

Ein ähnliches Bild bietet sich in der Eurozone: Fast alle großen europäischen Länder sind optimistischer eingestellt als im Herbst 2020. Hier fällt vor allem Großbritannien auf, wo aufgrund der schnell voranschreitenden Impfkampagne wieder Optimismus vorherrscht: Knapp 80 Prozent der britischen CFOs beurteilen die derzeitigen Geschäftsaussichten positiver im Vergleich zu vor drei Monaten. Insgesamt fokussieren sich in Europa bereits zwei Drittel der Finanzvorstände auf die Zeit nach der Pandemie; lediglich 16 Prozent befinden sich noch in der Erholungsphase und nur 14 Prozent sind weiterhin im Krisenmodus.  Deutsche Unternehmen stehen somit der eigenen Einschätzung nach etwas positiver da als der europäische Durchschnitt. Das spiegelt sich auch in den Umsatzerwartungen der CFOs wider: Während zwei Drittel der deutschen Finanzvorstände die Rückkehr zum Vorkrisenniveau bereits für 2021 erwarten, sind es in Spanien und Italien jeweils nur rund die Hälfte.

Positive Signale bei europäischer Einstellungs- und Investitionsbereitschaft

Die generell guten Geschäftsaussichten in Europa zeigen sich auch in der Investitions- und Einstellungsbereitschaft, die in allen 19 Ländern in den nächsten zwölf Monaten optimistisch gesehen wird. Positive Nachrichten auch für die europäischen Arbeitsmärkte: Knapp 40 Prozent der befragten Großunternehmen in der Eurozone wollen in den nächsten zwölf Monaten mehr Beschäftige einstellen, nur knapp ein Fünftel der CFOs plant mit Beschäftigungsrückgängen. Außerhalb der Eurozone wollen vor allem CFOs im Vereinigten Königreich auf Grundlage der besonders positiven Geschäftsaussichten in den kommenden zwölf Monaten mehr investieren und die Beschäftigung erhöhen.

Viele Finanzvorstände nutzen Krise für Neuausrichtung und Digitalisierung

Die Pandemie war im letzten Jahr das beherrschende Thema in Deutschland und der Welt, und die Auswirkungen trafen nicht alle Unternehmen und Sektoren mit gleicher Wucht. Während einige Branchen vor beispiellosen Herausforderungen stehen und die betroffenen Unternehmen ihre Geschäftsmodelle grundlegend überarbeiten müssen, sind andere weit weniger betroffen oder profitieren sogar von der neuen Lage. Wie also hat sich die Corona-Krise auf die CFO-Agenda und die Finanzfunktion ausgewirkt? Die Antworten der befragten CFOs zeigen, dass bei den meisten Unternehmen Priorität auf die Neuausrichtung des Steuerungssystems und die Optimierung der Planungs- und Forecasting-Prozesse gelegt haben; knapp zwei Drittel der Finanzfunktionen etwa haben die Cashflow-basierte Steuerung erfolgreich gestärkt.

„Ein gutes Drittel der Finanzfunktionen hat die Gelegenheit genutzt, um sich gegenüber den Geschäftsbereichen stärker zu positionieren, sei es bei der Akzeptanz als Partner in der Krise oder auch bei der Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Gesamtunternehmens“, sagt Rolf Epstein, Partner Deloitte und Leiter des CFO Program. „Sehr bemerkenswert ist, dass ein gutes Drittel der Studienteilnehmer angibt, die Digitalisierung der eigenen Funktion signifikant vorangetrieben zu haben. Nur wenige Unternehmen waren in der Krise gezwungen, die Kosten der Finanzfunktion in erheblichem Umfang zu reduzieren. Es hat uns überrascht zu sehen, dass die überwiegende Mehrheit der befragten CFOs im Rahmen der Unternehmensplanung nicht stärker auf einen Zero-based-Ansatz umgestellt hat.“

Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter Research bei Deloitte.

Deloitte
Beitrag teilen: