Kryptowährungen als Bezahlmöglichkeit im Onlineshop einführen: Ja oder nein?

Kryptowährungen nehmen einen immer höheren Stellenwert ein – und das nicht länger in den bloßen Riegen der Webfans, Spekulanten und Nerds. Auch in der allgemeinen Masse erhalten sie stets größeren Zuspruch und die meisten Menschen können wohl wenigstens eine Kryptowährung aufzählen – oder besitzen sie gar. Nach und nach werden sie sogar zu einem echten Zahlungsmittel. Wie sollten Onlinehändler darauf reagieren? Ist es sinnvoll, Kryptowährungen als Zahlungsmittel im Shop aufzunehmen?

Abbildung 1: Kryptowährungen als Zahlungsmittel im eigenen Online-Shop – es gibt Argumente dafür und auch dagegen. Bildquelle: @ Dmitry Demidko / Unsplash.com

Wie verbreitet sind Kryptowährungen als Zahlungsmittel?

Experten sind durchaus gespalten. Die einen sind davon überzeugt, dass Kryptos das Zahlungsmittel der Zukunft sind, die anderen hingegen behaupten, dass sich Kryptos nie durchsetzen würden. Fakt ist: Die Wahrheit wird irgendwo zwischen den Polen liegen. Kryptowährungen sind in den letzten Jahren weitaus bekannter geworden und wohl nur wenige bringen mit ihnen ausschließlich die dunklen Seiten des Webs in Verbindung, meist auf Kriminalfilme gemünzt. Stattdessen breitet sich die Akzeptanz immer weiter aus, was natürlich mit daran liegt, dass Kreditkartenanbieter, Wallets und auch PayPal Kryptowährungen fortan akzeptieren.

Für Onlinehändler stellt sich nun die wichtige Frage, ob auch sie das Zahlungsmittel in ihre Shops aufnehmen sollen. Doch wie sieht es auf dem Gebiet aus?

  • Onlineshops – es gibt durchaus schon namhafte Shops, die Kryptos als Zahlungsmittel akzeptieren. Die Voraussetzung dafür ist natürlich ein Krypto-Wallet, welches als digitale Geldbörse für den Zahlungsvorgang fungiert.
  • Spieleseiten – die Plattform Steam akzeptiert Bitcoin. Auch bei vielen Online-Buchmachern und Online-Casinos kann der Spieler mit Bitcoin bezahlen.
  • Dienstleistungen – hier ist das Feld recht groß. Große Essenslieferdienste sind ebenso dabei wie Online-Druckereien, Reiseportale und viele mehr.

Weltweit gesehen sind es natürlich mehr, in dieser Liste werden überwiegend Anbieter aus Deutschland gelistet.

Zusätzlich erfreuen sich Kryptowährungen natürlich als Anlageoption sehr großer Beliebtheit. Wer den Bitcoin Kurs und seine Kapriolen in der letzten zeit verfolgt hat, weiß, dass sehr viele Anleger große Hoffnungen in Kryptowährungen setzen.

Wie lässt sich das Ganze einführen?

Die Integration in das Zahlungssystem funktioniert über ein Plug-in. Im Großen und Ganzen ist es also nicht komplizierter, Kryptowährungen als zusätzliches Zahlungsmittel anzubieten, als beispielsweise eine zweite Sofortüberweisung oder einen digitalen Zahlungsdienst. Grundsätzlich gibt es mehrere Wege, die von dem eigenen Shopaufbau abhängen:

  • WordPress – für Seiten, die auf WordPress basieren, gibt es spezielle Themes, die den Einbau praktisch übernehmen. Zugleich lassen sich Plug-ins installieren.
  • Eigener Aufbau – wer seinen Onlineshop oder seine Webseite eigenständig hat aufbauen lassen, der muss auf Plug-ins zurückgreifen, die mit der Programmierung harmonieren. Hier ist es die beste Option, den Webdesigner zu fragen und ihn mit der Einbindung zu beauftragen.
  • Baukastenshops – gerade Händler mit kleinerem Onlineshop setzen auf die sogenannten Baukastensysteme. Der Shop lässt sich ebenso leicht erstellen wie die Webseite. Händler müssen nun prüfen, ob der Anbieter des Systems schon ein entsprechendes Plug-in hat, alternativ muss ein Plug-in von Dritten genutzt werden.

Der Aufwand hält sich somit im Rahmen. Natürlich kann die Einbindung eines neuen Elements wiederum zu Verschiebungen führen, doch ist das praktisch mit jeder Änderung auf einer Webseite möglich.

Wann lohnt sich das?

Die große Frage ist natürlich, ob und wann sich die Einbindung von Kryptowährungen lohnt. Kryptos haben ihre Zielgruppe in jüngeren und technisch affinen Menschen, weniger hingegen in der älteren Bevölkerung. Wobei es natürlich Ausnahmen in beide Richtungen gibt. Da Nutzer  jedoch nur mit E-Wallets zum Beispiel Bitcoin kaufen können, dürften unter denjenigen, die mit handelsüblichen Überweisungen arbeiten, nur wenige Interessenten sein. Die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, muss der Händler somit selbst beantworten:

  • Zielgruppenanalyse – wer kauft überwiegend im Shop ein oder nutzt die zur Verfügung gestellten Dienstleistungen? Onlinehändler führen im Rahmen des CRM ausführliche Analysen und diese können schon einen gewissen Aufschluss geben: Sind die Kunden meist älter als fünfzig Jahre, sinken die Chancen.
  • Umfrage – wer als Händler bereits eine gute Kommunikation zu den Kunden unterhält, der kann diese auch diesbezüglich nutzen. Eine entsprechende Fragestellung in den sozialen Netzwerken schafft nebenbei gleich noch Interaktion, die wiederum für die Sichtbarkeit der entsprechenden Seite gut ist.

Natürlich kann ein Händler es auch einfach versuchen und Kryptos zusätzlich als Zahlungsmethode aufnehmen. Wobei Händler daran denken müssen, dass die Währungen oft größeren Schwankungen unterliegen. Zudem ist es für den Händler einfacher, wenn er einen entsprechenden Treuhandanbieter dazwischenschaltet, der die Umrechnung in die gewünschte Währung übernimmt und das Geld anschließend überweist. Doch hat das System für einen Händler auch Nachteile?

  • Arbeitsaufwand – die Integration von Kryptos als Zahlungsmittel ist nicht schwer, auch die Einschaltung eines Treuhänders nicht. Dennoch ist es natürlich ein weiterer Punkt auf der Agenda, der bearbeitet werden muss. Zahlungen müssen nun noch aus einer weiteren Quelle kontrolliert, gebucht und gemeldet werden.
  • Image – dieser Punkt dürfte für die meisten Händler unerheblich sein. Doch gibt es durchaus Menschen, die weiterhin Kryptowährungen mit illegalen Geschäften und Betrug in Verbindung bringen. Es könnte sein, dass diese Kunden den Shop aufgrund der Zahlungsmöglichkeit meiden, selbst wenn es diverse andere Zahlungswege gibt. Diese Auffassung entbehrt zwar der Grundlage, doch wissen Onlinehändler genau, wie sich Meinungen im Internet halten.

Größtenteils steht und fällt die Entscheidung ohnehin mit der Zielgruppe. Der Blumenshop für den Umkreis von 100 Kilometer rund um die eigene Gärtnerei wird sich vermutlich nicht an die Krypto-Zielgruppe richten. Der Dienstleister für hochwertige Softwares, VPN und Sicherheitsdienste könnte mit der Integration hingegen wieder neue Kunden erschließen.

Abbildung 2: Ob und welche Kryptowährungen akzeptiert werden sollten, hängt immer von den Gegebenheiten ab. Bildquelle: @ Bermix Studio / Unsplash.com

Fazit – der Onlinehändler entscheidet allein

Kryptowährungen werden vermehrt als Zahlungsmöglichkeit angeboten und sie werden sich weiter ausbreiten. Die Einbindung in den eigenen Shop ist relativ simpel, wer einen Treuhänder zum Umtausch in die eigene Währung nutzt, der hat es noch einfacher. Trotzdem kann nicht pauschal jedem Onlinehändler oder Onlinedienstleister zu Kryptos geraten werden. Die Akzeptanz hängt ganz von der eigenen Zielgruppe und Käuferschaft ab, wie auch von dem eigenen Angebot. Natürlich kann die Einbindung immer ausprobiert werden. Besteht kein Interesse, wird wohl kein Kunde mit Kryptos bezahlen, nur könnten in sehr konservativen Kreisen einige Kunden skeptisch reagieren.

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