Hamburger Startups: Finanzierung gerät ins Stocken, die Wachstumsambitionen nicht

Die COVID-19-Pandemie hat auch die Startup-Szene hart getroffen: 78 Prozent der Hamburger Gründerinnen und Gründer berichten, dass sie ihre Geschäfte negativ beeinträchtigt hat. Dabei sind 7 von 10 Startups in der Hansestadt von Umsatzrückgängen betroffen (bundesweit: 60 Prozent). Überdurchschnittlich häufig berichten sie von einer ausbleibenden Finanzierung durch Wagniskapital. Darunter leidet derzeit jede:r zweite Startup-Entscheider:in an Elbe und Alster, bundesweit ist es nur jede Dritte. Das ist sicherlich ein Grund, warum die Hamburger Entrepreneure in 2020 überdurchschnittlich häufig staatliche Hilfen in Anspruch genommen haben: Zwei von drei Umfrage-Teilnehmer:innen haben Maßnahmen wie die Corona-Soforthilfen und das Kurzarbeitergeld genutzt (bundesweit: 55 Prozent).

Zu diesen Ergebnissen kommt der 8. Deutsche Startup Monitor, den PwC in Kooperation mit dem Bundesverband Deutsche Startups e. V. und der Universität Duisburg-Essen erstellt hat. An der Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt, darunter 113 aus Hamburg.

Hamburger Startups wollen wachsen – dafür brauchen sie Kapital

„Hamburger Startups sind im bundesweiten Vergleich häufig erfahrener und weiter in ihrer Entwicklung. Sie sind auf Wachstum und Wertsteigerung fokussiert und wollen expandieren – auch international. Da trifft sie die gegenwärtige schwierige Situation besonders empfindlich. Gerade in dieser Phase, in der sie verstärkt Kapital für die Umsetzung ihrer Wachstumspläne brauchen, fließt das Geld von Risikokapitalgebern und Business Angels nicht mehr so einfach.“ Thorsten Dzulko, Standortleiter von PwC in Hamburg

Laut Studie befinden sich vier von zehn Hamburger Startups bereits in der Wachstumsphase (bundesweit sind es nur 23 Prozent) – und strecken ihre Fühler verstärkt Richtung Ausland aus. Fast drei Viertel (73 Prozent) planen den Ausbau ihrer internationalen Aktivitäten – und damit deutlich mehr als bundesweit (66 Prozent).

Business Angels sind überdurchschnittlich engagiert

Dass die Gründer:innen in der Hansestadt vergleichsweise erfahren und stärker auf Wachstum und Wertsteigerung fokussiert sind, zeigt sich auch beim Thema Finanzierung: Sie greifen bereits deutlich häufiger auf externes Kapital zurück (80 Prozent versus 63 Prozent bundesweit). Zudem spielen Business Angels eine bedeutende Rolle im Hamburger Ökosystem: Jedes zweite Startup finanziert sich über diesen Weg, bundesweit ist es nur jedes dritte. Zugang zu Risikokapital hat immerhin fast jede:r vierte:r Hamburger Jungunternehmer:in (22 Prozent vs. 19 Prozent deutschlandweit).

Zufriedenheit der Startup-Szene mit dem Hamburger Ökosystem sinkt

Die Bedingungen an ihrem Standort bewerten die Hamburger Startups allerdings kritischer als im Vorjahr: Nur noch 38 Prozent der Startups geben dem Startup-Ökosystem vor Ort gute Noten. Das sind deutlich weniger als 2019, als sich noch gut jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) zufrieden zeigte – und auch bedeutend weniger als im bundesweiten Vergleich, wo 61 Prozent der Startup-Entscheider:innen die Bedingungen an ihrem Standort für gut befinden. 43 Prozent sind dem Standort gegenüber neutral eingestellt (bundesweit: 24 Prozent). Besonders beim Zugang zu Kapital und Investitionen sehen die Hamburger Gründer:innen Luft nach oben: 42 Prozent geben der Hansestadt bei diesem Thema schlechte Noten.

Dennoch gibt es bei den Hamburger Startups viel Optimismus und Tatendrang – so nehmen es die Koordinatoren der PwC Startup-Initiative NextLevel, Jannis Grube und Christoph Haß wahr: „In der Phase des zweiten Lockdowns beobachten wir eine steigende Widerstandsfähigkeit und Kreativität bei den Gründerinnen und Gründern. Sie passen beispielsweise ihre Geschäftsmodelle auf die aktuelle Lage an, organisieren digitale Networking-Events und unterstützen sich gegenseitig.“ Aber es gibt nun einmal kein Licht ohne Schatten, so die Startup-Experten: „Gleichzeitig spüren wir auch einen großen Unterstützungsbedarf, insbesondere in Hinblick auf die finanzielle Situation von Startups in der Wachstumsphase. Hier braucht es dringend positive Signale.“

Hamburgs Anziehungskraft für Talente von außerhalb ist hoch

Die Umfrage belegt aber auch die vielen positiven Seiten Hamburgs, von denen die Unternehmer:innen profitieren. Die besonderen Stärken der Stadt sehen die Befragten in der Erreichbarkeit wichtiger Personengruppen: 78 Prozent schätzen die Nähe zu Universitäten, 62 Prozent bezeichnen das Netzwerk zu anderen Startup-Gründer:innen als gut. Deutlich besser als noch im Vorjahr bewerten die Befragten die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal vor Ort: Damit ist mittlerweile jedes zweite Startup (51 Prozent; bundesweit: 54 Prozent) zufrieden, vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 35 Prozent. Auch die Anziehungskraft der Hansestadt für Talente von außerhalb kommt sehr gut weg: 69 Prozent der Entscheider:innen bewerten diese als positiv. Deutschlandweit liegt dieser Wert nur bei 48 Prozent.

Sechs Neueinstellungen geplant – digitale Expertise gefragt

Das ist ein wichtiger Vorteil für die Hamburger Gründer:innen, die bereits heute mit 21 Beschäftigten deutlich größer sind als Startups im bundesweiten Schnitt (17 Mitarbeitende) und auch in den kommenden Monaten weiter einstellen wollen: Im Schnitt sollen sechs neue Kolleginnen und Kollegen dazu kommen. Gefragt sind dabei vor allem Expertinnen und Experten mit digitaler Expertise.

„Die Zahl der Beschäftigten und die Tatsache, dass sie zudem neue Arbeitsplätze schaffen wollen, zeigen, dass Startups sich immer mehr als relevante Arbeitgeber in Hamburg entwickeln. Sie stehen für Innovation und treiben mit ihren Angeboten die Digitalisierung voran. Nun ist nicht nur der Bund, sondern auch die Stadt gefragt, den Gründerinnen und Gründern weiterhin gezielt unter die Arme zu greifen, damit sie gut durch die Krise kommen und auch in Zukunft zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Hansestadt beitragen können.“ Thorsten Dzulko, Standortleiter von PwC in Hamburg

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