Markenhersteller versuchen erneut ein Austarieren ihrer Marktstärke zu verhindern

Als Reaktion auf die Forderung der multinationalen Markenlobbygruppe AIM nach einer EU-Marktuntersuchung von Einzelhandelsallianzen haben EuroCommerce-Generaldirektor Christian Verschueren und Independent Retail Europe-Generaldirektorin Else Groen die folgende gemeinsame Erklärung abgegeben:

Europas Einzel- und Großhändler operieren in einer begrenzten Anzahl von Ländern und in einem hart umkämpften Markt, mit hohen Fixkosten und niedrigen Margen von 1-3%. Einzelhandelsallianzen helfen bei der Schaffung von Effizienzen und Synergien bei der Beschaffung im Binnenmarkt, wenn sie es mit mächtigen multinationalen Markenlieferanten zu tun haben, die auf der ganzen Welt operieren und deren Margen etwa zehnmal höher sind als die der Einzelhändler. Diese Lieferanten präsentieren den Einzelhändlern ständig Preiserhöhungen, die wenig mit dem Produkt oder den Produktionskosten zu tun haben. Einzelhandelsallianzen tragen auch dazu bei, die negativen Auswirkungen der von großen Markenlieferanten auferlegten territorialen Lieferbeschränkungen abzumildern, die den Binnenmarkt fragmentieren und zu oft erheblichen und ungerechtfertigten Preisunterschieden in Europa führen. Alle europäischen Einzelhandelsallianzen unterliegen klaren Governance-Prinzipien, um die Einhaltung der EU- und nationalen Vorschriften, einschließlich der Wettbewerbsregeln, zu gewährleisten.

Letztes Jahr hat die Gemeinsame Forschungsstelle der Kommission als Reaktion auf eine Aufforderung des Europäischen Parlaments einen Bericht mit sehr eindeutigen Ergebnissen erstellt – dass Einzelhandelsallianzen den Wettbewerb fördern können, indem sie Effizienzgewinne generieren und eine Gegenmacht zu großen Markenherstellern bilden und somit zu niedrigeren Verbraucherpreisen führen. Im November 2019 hat die Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission, Margrethe Vestager, die wettbewerbsfördernde Wirkung von europäischen Einzel- und Großhandelsallianzen unmissverständlich anerkannt: „Einkaufsallianzen zwischen Einzelhändlern sind zu einer Schlüsselkomponente der Lebensmittelversorgungsketten geworden. Sie können den Verbrauchern niedrigere Preise für Lebensmittel- und Körperpflegemarken bringen, die sie täglich kaufen.“

Die Verbraucher haben eine Vielzahl konkurrierender Optionen, wenn sie ihre Einkäufe tätigen. Sie werden dort einkaufen, wo Preis, Komfort und Verfügbarkeit der Produkte für sie am sinnvollsten sind – sei es online oder offline. Einzelhändler können daher nicht als „Torwächter“ betrachtet werden, die den Zugang zu den Märkten, in denen sie tätig sind, kontrollieren: In einem hart umkämpften Markt riskiert ein Einzelhändler, der ein Produkt nicht in seinem Regal hat, dass der Kunde einfach zu einem Konkurrenten geht. Dies gilt insbesondere für die „Must-have“-Produkte, die von zunehmend konzentrierten multinationalen Markenanbietern geliefert werden. Sie werben stark für diese Produkte und verkaufen ihre Produkte zunehmend direkt an die Verbraucher in Konkurrenz zu den Einzelhändlern.

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