Münchner Startups sind zufrieden mit ihrem Standort – wünschen sich aber mehr Unterstützung in der Krise

In der bayerischen Hauptstadt finden Gründer:innen optimale Bedingungen: 68 Prozent der Jungunternehmer:innen bewerten das Startup-Ökosystem in München als gut. Das sind 7 Prozentpunkte mehr als im bundesweiten Schnitt und 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die besonderen Stärken Münchens liegen in der Nähe zu wichtigen Personengruppen, hervorragenden Universitäten und der hohen Attraktivität des Großraums für Fachkräfte. Auf die Stimmung der Gründer:innen schlagen die derzeit schwierige Kapitalbeschaffung und die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt. Und auch beim Thema Diversität gibt es in München Aufholbedarf: Nur 11 Prozent der Startups an der Isar wurden von Frauen gegründet (Vorjahr: 14 Prozent). Bundesweit liegt der Frauenanteil unter den Startup-Gründer:innen mit 16 Prozent deutlich höher.

Zu diesen Ergebnissen kommt der 8. Deutsche Startup Monitor, den PwC und der Bundesverband Deutsche Startups e. V. in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt, darunter 127 aus dem Großraum München.

„Dank der starken technischen Hochschulen in München ist ein vielversprechendes Startup-Ökosystem entstanden, das vom Austausch mit den etablierten Unternehmen in der Region profitiert, die auch immer häufiger im Rahmen von Corporate Venture Capital in die aufstrebenden Unternehmen investieren. Besonders Startups, die sich auf innovative, digitale Lösungen für Firmenkunden spezialisiert haben, sind aktuell bei Investoren heiß begehrt.“ Sandra Zölch, PwC-Partnerin am Standort München und Mitglied der PwC-Startup-Initiative NextLevel für die Region Süd

München kann bei Talenten punkten

Zudem zieht München als Stadt mit hoher Lebensqualität viele qualifizierte Fachkräfte an. „Das ist ein wichtiger Standportvorteil für die hiesige Startup-Szene, die auch im laufenden Jahr – trotz Krise – weiter einstellen und wachsen will“, so Sandra Zölch weiter. Die Startups in der bayerischen Hauptstadt beschäftigen mit 34 Mitarbeiter:innen bereits doppelt so viel Personal wie im Bundesschnitt (17) – und sie engagieren sich aktiv dafür, die Mitarbeitenden bei der Stange zu halten. So fordern rund vier von zehn Entscheider:innen in Münchner Startups eine Vereinfachung der Möglichkeiten zur Mitarbeiterbeteiligung. Das sind deutlich mehr als im bundesweiten Schnitt, wo nur 27 Prozent diese Erwartung an die Politik haben.

Deutlich verbessert hat sich aus Sicht der Befragten die Verfügbarkeit von Personal vor Ort: Im Vorjahr waren nur 37 Prozent mit der Lage auf dem Bewerbermarkt zufrieden, bei der aktuellen Umfrage sind es 65 Prozent. Das sind gute Neuigkeiten für die Münchner Gründer:innen, die in den kommenden 12 Monaten im Schnitt neun neue Kolleg:innen einstellen wollen (Bundesschnitt: sechs). Im Vorjahr waren allerdings noch 15 Neueinstellungen geplant. Und auch nicht jede:r Gründer:in kann in der aktuellen Lage weiter einstellen. Im Gegenteil: Jedes fünfte Münchner Startup (19 Prozent) sieht sich aufgrund der Corona-Krise gezwungen, Personal abzubauen, um Kosten zu sparen. Bundesweit plant dies nur jeder Zehnte (11 Prozent).

Auch Münchner Startups bekommen Corona-Krise deutlich zu spüren

Auch an anderen Stellen wird deutlich: Die Corona-Krise geht nicht spurlos an den Startups vorüber. 78 Prozent geben an, dass die Pandemie ihre Geschäfte negativ beeinträchtigt hat (bundesweit: 74 Prozent). Dabei leiden die Startups etwa unter dem Ausfall von Veranstaltungen, verzögerten Auftragsvergaben und Umsatzrückgängen. Der Vertrieb und die Kundenentwicklung sind aktuell die größten Herausforderungen – und im Vergleich zum Vorjahr noch komplizierter geworden. Zudem fällt es den Münchner Jungunternehmer:innen zunehmend schwer, an Kapital zu kommen: Jedes zweite Startup gibt an, dass die Kapitalbeschaffung derzeit eine der größten Hürden ist. 2019 lag dieser Wert bei 31 Prozent. Vier von zehn Befragten beklagen zudem die ausbleibende Finanzierung über Venture Capital (bundesweit: 32 Prozent).

Wagniskapital und Business Angels sind wichtige Finanzierungsquellen

„Die Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung in Folge der Krise treten bei den Münchner Startups auch deshalb so prominent zutage, weil sie bereits deutlich stärker auf externe Finanzierungsquellen zurückgreifen als der bundesweite Durchschnitt – und sich diese Quellen im Zuge der Krise nicht mehr so leicht anzapfen lassen.“ Sandra Zölch, PwC-Partnerin am Standort München und Mitglied der PwC-Startup-Initiative NextLevel für die Region Süd

So nehmen Münchner Startups im Vergleich zum Bundesdurchschnitt deutlich häufiger externes Kapital auf (76 Prozent vs. 63 Prozent). Auch Business Angels sind im Münchner Startup-Ökosystem ein wichtiger Finanzgeber: 54 Prozent – und damit deutlich mehr als bundesweit (32 Prozent) – sammeln auf diesem Weg Geld ein. Und immerhin 29 Prozent der Münchner Startup-Entscheider:innen finanzieren sich über Wagniskapital. Bundesweit liegt dieser Anteil mit 19 Prozent deutlich tiefer.

Allerdings hat längst nicht jedes Münchner Startup, das sich das wünscht, Zugriff auf Risikokapital: Jeder Zweite (53 Prozent) hätte gerne eine Finanzspritze über Venture Capital – und sieht auch die Politik in der Verantwortung, dies zu fördern: 44 Prozent der Münchner Startups erachten den Ausbau der staatlichen VC-Finanzierungsangebote als besonders wichtige politische Maßnahmen.

Gründer:innen fordern mehr Unterstützung seitens der Politik

Um gut durch die Krise zu kommen, sind die Münchner Startups nicht nur auf private Investoren, sondern auch auf staatliche Unterstützung angewiesen: Zwei Drittel haben solche Unterstützungsmaßnahmen bereits in Anspruch genommen. Dabei nutzten die Münchner Jungunternehmer:innen vor allem die Corona-Soforthilfen (40 Prozent) und das Kurzarbeitergeld (33 Prozent). Dennoch sehen sie bei den wirtschaftspolitischen Maßnahmen Luft nach oben: Die Angebote zur Bewältigung der Corona-Krise speziell für Startups bewerten die Befragten durchschnittlich nur mit der Note 4,1 – und damit schlechter als bundesweit (3,7).

„Die Botschaft aus der Münchner Startup-Szene ist klar: Die Bedingungen in München sind grundsätzlich gut. Um unbeschadet durch diese Jahrhundertkrise zu kommen, sind Startups jedoch auf Unterstützung angewiesen. Hier ist jetzt nicht nur der Bund, sondern auch die Stadt gefragt, der Startup-Szene mit gezielten Angeboten unter die Arme zu greifen.“ Sandra Zölch, PwC-Partnerin am Standort München und Mitglied der PwC-Startup-Initiative NextLevel für die Region Süd

Fünf weitere spannende Fakten über Münchner Startups

  • Die Lage auf dem Immobilienmarkt bleibt angespannt: Kritisch sehen die Gründer:innen die Verfügbarkeit bezahlbarer Büroimmobilien. Drei von vier Münchner Startups halten diese für schlecht oder sogar sehr schlecht.
  • Künstliche Intelligenz wird immer wichtiger: 53 Prozent der Münchner Startups geben an, dass KI großen Einfluss auf die Entwicklung ihres Geschäftsmodells hat. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als bundesweit und plus 14 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
  • Expansion ins Ausland: Knapp acht von zehn Startups in München (79 Prozent) – und damit deutlich mehr als der Bundesschnitt von 66 Prozent – planen den Ausbau ihrer internationalen Aktivitäten.
  • Münchner Startup-Teams sind international: Ein gutes Drittel der Beschäftigten (36 Prozent) kommt ursprünglich nicht aus Deutschland. Damit sind Münchner Startups internationaler als im bundesweiten Schnitt, wo nur 27 Prozent der Mitarbeiter:innen aus dem Ausland stammen.
  • We speak English: Die hohe Internationalität macht sich auch an der Arbeitssprache in Münchner Startups bemerkbar: In 42 Prozent der Unternehmen dominiert das Englische. Bundesweit wird nur in 30 Prozent der Startups überwiegend Englisch gesprochen.

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