Vier Sparten als große Gewinner in der Steigerung der Online-Umsätze 2010

Der Online- und Versandhandel boomte auch in 2010. Das belegen Zahlen, die auf der repräsentativen Verbraucherstudie „Distanzhandel in Deutschland – Die Entwicklung des interaktiven Handels B2C im Jahr 2010“ basieren und vom Forschungsinstitut TNS Infratest zum fünften Mal im Auftrag des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (bvh) durchgeführt wurde.

Erstmals durchbrach die Branche mit einem Gesamtumsatz von 30,3 Milliarden Euro die 30 Milliarden-Grenze und steigerte sich noch einmal um 1,2 Milliarden Euro und damit um 4,1% zum Jahr 2009. Auch der Anteil am Einzelhandel stieg auf den neuen Spitzenwert von 7,8% Prozent (Vorjahr 7,4%). Das Besondere an diesen hervorragenden Resultaten: Innerhalb der Branche gibt es praktisch keine Verlierer.

Besonders stark entwickelte sich das Internet-Business: Es konnten allein von 2009 zu 2010 im E-Commerce-Bereich Umsatzsteigerungen von 2,8 Milliarden Euro auf 18,3 Milliarden Euro beobachtet werden. Bei den Bestellmedien rangiert das Internet eindeutig ganz weit vorn – mit weiter steigender Tendenz. Lag 2009 der Umsatzanteil hier noch bei 53,3%, sind es nur ein Jahr später schon 60,4%. Beschleunigt wird diese Entwicklung durch eine stärkere Breitbanddurchdringung und eine ansteigende Internetaffinität aller Altersklassen.

Der schwungvoll wachsende Smartphone-Markt und die damit verbesserten Zugangsmöglichkeiten ins mobile Internet macht das Einkaufen online nun von überall und jederzeit möglich, was den Trend ebenfalls verstärkt.

Bei der Kundenbetrachtung repräsentieren Frauen mit einem Anteil von 58% gegenüber den männlichen Kunden mit einem Anteil von 42% das starke Versandhandels-Geschlecht. Sie stehen für einen Jahresumsatz von 18,6 Milliarden Euro. Männer bringen es auf 11,2 Milliarden Euro.

Im Jahr 2010 gab es 4 klare Sparten-Gewinner die ihre Online-Umsätze im zweistelligen Bereich steigerten. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Herstellerversender, sie legten 2010 gegenüber dem Vorjahr um 42,6% zu, gefolgt von den Apothekenversendern. Diese punkteten mit einem Wachstum um plus 33,3%.

Auch die Internet-Pure-Player, also die Händler, die als einzigen Vertriebsweg über das Internet verkaufen, konnten ihr Online-Geschäft um 27,9 Prozentpunkte ausbauen – auf 5,73 Milliarden Euro Umsatzvolumen. Das entspricht knapp einem Drittel des Online-Handelsvolumens von insgesamt 18,3 Milliarden Euro in 2010.

Die Multichannel-Anbieter generierten im vergangenen Jahr online ebenfalls höhere Umsätze – nämlich ein Plus von 14,7%. Anders ausgedrückt stieg ihr digitales Umsatzvolumen auf 6,7 Milliarden Euro und liegt damit über dem Online-Handels-Gesamtvolumen der Internet-Pure-Player.

Der größte Umsatzbringer im Online-Handel waren auch im Jahr 2010 Bekleidung, Textilien und Schuhe. Deren Umsatzvolumen im Versandhandels-Geschäft ist 2010 zwar um 5,5% gegenüber dem Vorjahr rückläufig, trotzdem liegt der Umsatz hier noch bei insgesamt 12,65 Milliarden Euro. Platz 2 nehmen Medien, Bild- und Tonträger ein. Aber auch sie verzeichnen einem leichten Rückgang im Jahresvergleich um minus 3,9% auf 2,95 Milliarden Euro. Rang 3 belegt die Unterhaltungselektronik und E-Artikel mit 2,65 Milliarden Euro Umsatz. Der Umsatzanteil kletterte 2010 hier um starke 44%.

Im Jahr 2010 wurden nicht nur Waren im Wert von 18,3 Milliarden Euro geordert, sondern auch digitale Dienstleistungen wie Eintrittskarten für Veranstaltungen, Fahrkarten oder Entertainment im Wert von 7 Milliarden Euro (2009: 6,2 Milliarden Euro). Damit ergab sich 2010 für die Dienstleistungen eine Umsatzsteigerung von rund 13%. Betrachtet man die gesamten Ausgaben der Kunden im Internet 2010 kommt man auf die beachtliche Zahl von 25,3 Milliarden Euro (2009: 21,7 Milliarden Euro).

Social Media ist verstärkt seit dem Jahr 2010 in aller Munde. Welche Interessen Händler verfolgen, die Social-Media-Aktivitäten nachgehen, ist mit Verstärkereffekten und einem vereinfachteren Kundendialog erklärt. Die Händler bekommen zügige Rückkoppelungen und können schneller und konkreter auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden eingehen.

In der Studie 2010 wurde erstmals nach der Wahrnehmung der Kunden gegenüber Social Media gefragt. Schon während des vergangenen Jahres sind 20% aller befragten Personen auf Offerten von Online-Händlern in sozialen Netzwerken aufmerksam geworden und nehmen die Aktivitäten der Händler positiv wahr.

Der Erfolg des Jahres 2010 wird sich auch im Jahr 2011 fortsetzen. Der bvh schätzt aktuell ein 5,5-prozentiges Umsatzwachstum beim Gesamtversandhandel. Das entspricht 31,9 Milliarden Euro. Das E-Commerce-Volumen wird 2011 voraussichtlich um 15,5% wachsen. Der bvh rechnet die Umsatzzahlen im reinen Online-Handel auf 21,1 Milliarden Euro hoch.

Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) ist die Branchenvereinigung der Online- und Versand Händler. Derzeit sind über 300 Unternehmen im Verband organisiert, die ihre Waren per Internet, Katalog oder TV anbieten. Darunter sind Versender mit gemeinsamem Katalog- und Internet-Angebot, reine Internet-Händler, TV-Versender, Apothekenversender und eBay-Powerseller. Die Versandhandelsbranche erwirtschaftet jährlich rund 30 Milliarden Euro Umsatz allein im Privatkundengeschäft. Der Online-Handel mit Waren hat daran einen Anteil von knapp 60%.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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