Alibaba hat Betrüger in den eigenen Reihen enttarnt

Alibaba: Betrüger in den eigenen Reihen

Alibabas CEO David Wie (oder David Wu, wie auch oft zu lesen ist) und der COO Elvis Lee haben in der  offiziellen Mitteilung angekündigt Alibaba.com zu verlassen. Nicht ganz freiwillig wie es aussieht: Der Nachricht vorausgegangen war die Bekanntgabe, dass in den Jahren 2009 (1.219) und 2010 (1.107) insgesamt 2.326 Alibaba-Händler(~1% der Gold Supplier-Händler) betrügerisch gehandelt haben, und das unter Mithilfe von mindestens 100 Alibaba-Mitarbeitern.

Laut der Erklärung des Dienstes ging es bei den Betrugsfällen in den meisten Fällen um Angebote aus dem Bereich der Verbraucherelektronik, die auch bei geringen Abnahmemengen zu „sehr günstigen Preisen“ angeboten worden waren. Es sollen hierbei ebenfalls „weniger zuverlässige“ Zahlungsmodelle eingesetzt worden sein.

Aufgedeckt wurden die Betrügereien durch Nutzerbeschwerden und mittlerweile arbeitet Alibaba eng mit den Behörden zur Aufdeckung der Fälle zusammen. Der durchschnittliche Verlust durch nicht ausgelieferte Ware soll bei 1.200 US-Dollar liegen.

Das größte Problem liegt für Alibaba jedoch darin, dass die „Unterstützer“ der Gauner aus den eigenen Reihen kamen. Von den 5.000 Alibaba-Angestellten haben zirka 100 Mitarbeiter, auch aus den höheren Ebenen, an den Betrugsfällen mitgearbeitet. Und das, indem sie in das Authentifizierungsverfahren unterliefen. Händler wurden selbst dann mit dem Status „Gold Supplier“ ausgezeichnet, auch wenn sie keine Bestätigung ihres in China angemeldeten Business vorgewiesen hatten. Gegen Schmiergeldzahlungen wurden die Einstufungen mancher Händler einfach höher angesetzt, obwohl diese ihre Alibaba-Shops oft nur für Betrugszwecke eröffnet hatten.

Der Rücktritt von Wei und Lee wurde von den Mitarbeitern sehr bedauert. Beide sollen keine Schuld an den Gaunereien haben, doch durch den Abgang der beiden soll die Geschichte so schnell wie möglich in Vergessenheit geraten. Gleiches gilt für die Entschädigungen, die bei den durchschnittlichen Schadenssummen von 1.200 Dollar aus Kulanz, aber auch nur partiell gezahlt werden sollen.

Für eBay-Händler ist Alibaba.com eine Plattform um mit asiatischen Billigherstellern Kontakt aufzunehmen, das bedeutet, dass viele, gerade der kleineren eBay-Händler gar keine andere Wahl haben als bei Alibaba weiter einzukaufen.

Einen Nachfolger als CEO hat Alibaba schon gefunden: Der 41-jährige Jonathan Lu, CEO der Tao Bao Holding Limited wird in die Fußstapfen von David Wei treten. Jonathan Lu kam im Jahr 2000 zur Alibaba Group.

Firmengründer Jack Ma schrieb in einem internen Mail an seine Mitarbeiter, die er Fellow Aliren nennt, dass die letzten Monate sehr hart und frustrierend waren. Die Rücktritte von Wei und Lee stellten herbe Verluste für das Unternehmen dar und für ihn persönlich sei das alles sehr schmerzhaft und traurig.

Wahrscheinlich wird der Aktienwert von Alibaba inzwischen sinken, womit jedoch auch und der Börsenwert Yahoos fallen wird, denn Yahoo besitzt 40% an der Alibaba Group.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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