Radeberger (Dr. Oetker) kann Flaschenpost erwerben – Bundeskartellamt gibt Fusion frei

Das Bundeskartellamt hat heute die Übernahme des Online-Getränkelieferdienstes Flaschenpost SE durch die Radeberger-Gruppe des Dr. Oetker-Konzerns freigegeben.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Beim Einzelhandel mit alkoholischen und alkoholfreien Getränken kommen die Radeberger-Gruppe und Flaschenpost auch gemeinsam nur auf unbedenkliche Marktanteile. Selbst bei gesonderter Betrachtung von Getränkelieferdiensten in bestimmten großstädtischen Räumen (Berlin, Münster, Düsseldorf, Köln) üben die zahlreichen Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel und im Getränkeeinzelhandel hinreichenden Wettbewerbsdruck aus. Kunden von Online-Getränkediensten werden auch künftig ausreichende Wechselmöglichkeiten haben. Wettbewerblich positiv zu bewerten ist zudem die Tatsache, dass Radeberger mit dem Lieferdienst einen zusätzlichen direkten Zugang zum Endkunden erlangt und damit die Abhängigkeit vom Vertrieb über die großen Lebensmitteleinzelhandelsketten verringert.“

Der Dr. Oetker-Konzern mit einem weltweiten Umsatz von 7,4 Mrd. Euro verfügt mit der Radeberger-Gruppe über eine große deutsche Brauereigruppe und mit Henkell/Freixenet über einen sehr bedeutenden Produzenten von Schaumwein. Zudem ist die Radeberger-Gruppe der größte vom Lebensmitteleinzelhandel unabhängige Betreiber von Getränkeabholmärkten; sie betreibt mehr als 500 Getränkeabholmärkte (insb. Getränke Hoffmann und Lippert-Gruppe) und den eigenen Online-Getränkelieferdienst durstexpress.de.

Flaschenpost SE ist ein 2012 in Münster gegründetes Unternehmen, das über Website und App rein online-basiert Getränke an Kunden liefert. Nach vorübergehender Einstellung der Geschäftstätigkeit im Frühjahr 2015 hat Flaschenpost seit Wiederaufnahme des Betriebes im Frühjahr 2016 von Münster aus in eine Vielzahl von Städten expandiert.

Der Zusammenschluss führt nach Auffassung des Bundeskartellamtes nicht zu einer erheblichen Behinderung wirksamen Wettbewerbs. Regional gab es zwischen den beiden Unternehmen bislang wenig Überschneidungen der wirtschaftlichen Aktivitäten. Bisher hatte die Radeberger-Gruppe nur in Berlin einen eigenen Online-Vertrieb, während Flaschenpost dort praktisch nicht tätig war. Dagegen ist die Radeberger Gruppe in den Gebieten, die Flaschenpost schwerpunktmäßig beliefert, allenfalls mit einzelnen Getränkeabholmärkten vertreten. In diesen Gebieten gibt es zahlreiche andere Getränkemärkte und auch weitere stationäre und online-basierte Getränkelieferdienste. Insbesondere gibt es spezielle Online-Plattformen für Getränkelieferungen, die die Technologie bereitstellen, damit auch herkömmliche Getränkehändler Reichweite im Internet erlangen und ihren Getränkelieferdienst online abwickeln können.

Der Getränkeeinkauf bei Getränke-Lieferdiensten, der zunehmend über Online-Bestellungen und bargeldlose Zahlungen erfolgt, wächst nicht nur Corona-bedingt stark. Er ist besonders beliebt in Großstädten bei solchen Kunden, die kein Auto nutzen können oder wollen. Dennoch werden in Deutschland nach wie vor insgesamt mehr als 80 Prozent der alkoholischen und alkoholfreien Getränke von den Kunden im allgemeinen Lebensmitteleinzelhandel einschließlich der Discounter gekauft und darüber hinaus überwiegend in Getränkeabholmärkten. Auf die Zusammenschlussbeteiligten entfällt bei diesem gesamten Bereich des Getränkeeinzelhandels lediglich ein Anteil von deutlich unter fünf Prozent. Insoweit hat die Stärkung eines Online-Getränkezustelldienstes über die Beteiligung eines großen Getränkeherstellers im Wettbewerb zu den LEH-Unternehmen auch positive Aspekte.

Bundeskartellamt
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