Immer mehr Frankfurter Startups setzen auf digitale Geschäftsmodelle – und kämpfen mit den Folgen der Corona-Krise

Online-Plattformen, Software as a Service oder Online-Handel –Frankfurter Startups werden immer digitaler: 73 Prozent der Jungunternehmer aus der Mainmetropole setzen auf ein digitales Geschäftsmodell – das sind plus 15 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und sechs Prozentpunkte mehr als im bundesweiten Schnitt. Zudem ist der Anteil der Gründer, die sich selbst der Informations- und Kommunikationstechnologie zuordnen, von 24 auf 42 Prozent gestiegen – das sind zehn Prozentpunkte mehr als bundesweit. Diese Fokussierung könnte ihnen dabei helfen, die Auswirkungen der Krise zu bewältigen. Denn die Pandemie hat den Entrepreneuren das Leben erschwert, insbesondere die Finanzierung ist anspruchsvoller geworden.

Zu diesen Ergebnissen kommt der 8. Deutsche Startup Monitor, den der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und PwC in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellt haben. An der Studie haben sich knapp 2.000 deutsche Startups beteiligt, darunter 112 Startups aus dem Frankfurter Raum.

Digitale Geschäftsmodelle sind widerstandsfähiger

Bei der Frage nach dem Einfluss von Digitalisierung auf die Entwicklung von Geschäftsmodellen in der Startup-Szene ist der bereits 2019 hohe Wert um weitere elf Prozentpunkte auf 92 Prozent gestiegen.  Insbesondere Künstliche Intelligenz gewinnt als Zukunftstechnologie an Bedeutung: Jeder zweite Frankfurter Jungunternehmer (2019: 42 Prozent) ist der Meinung, dass KI weitreichende Implikationen für sein Geschäftsmodell hat.  Zwar sind Startups tendenziell schon immer digitaler als etablierte Unternehmen, aber gerade in der Krise komme es mehr denn je auf innovative, technologiegestützte Geschäftsmodelle an.

„Die Startups haben erkannt, dass die weitere Fokussierung auf die Digitalisierung ihre Geschäftsmodelle resilienter macht. Immer mehr ihrer Kunden sind in der Krise ‚gezwungen‘ worden, sich selbst weiter zu digitalisieren, so dass die Nachfrage nach entsprechenden Produkten und Dienstleistungen steigt.“ Michael Burkhart, Partner, Standortleiter Frankfurt, PwC Germany

Startups konzentrieren sich auf die Produktentwicklung

Laut Umfrage berichten zwei Drittel der Frankfurter Startups, dass die Pandemie ihr Geschäft negativ beeinträchtigt hat. Bundesweit mussten sogar drei Viertel der Startups negative Auswirkungen verkraften. Besonders der Ausfall von Veranstaltungen, die Verzögerung von Aufträgen, der kurzfristige Umsatzrückgang und die reduzierte Liquidität machen den Startups zu schaffen. Als Reaktion auf die Krise fokussieren sich die Frankfurter Gründerinnen und Gründer auf ihre Produktentwicklung (60 Prozent) oder verschieben geplante Investitionen (47 Prozent). Nur 14 Prozent geben an, dass sie in der Krise Personal abgebaut haben. Dennoch: Im Jahresvergleich ist die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl deutlich gesunken. Beschäftigten die Frankfurter Startups im Vorjahr im Schnitt noch 17 Mitarbeitende, sind es heute nur noch 13.

„Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass insbesondere junge Unternehmen in einer Jahrhundertkrise, wie wir sie aktuell erleben, Federn lassen müssen. Jetzt kommt es darauf an, die Liquidität sicherzustellen – zum Beispiel durch Zuschüsse der öffentlichen Hand oder auch durch Corporate Venture Capital.“ Michael Burkhart, Partner, Standortleiter Frankfurt, PwC Germany

Nur zwölf Prozent nutzen Wagniskapital

Denn die größte Hürde, vor der die Jungunternehmer stehen, ist – neben Vertrieb und Kundengewinnung – die Kapitalbeschaffung. 48 Prozent (2019: 40 Prozent) empfinden es als schwierig, im aktuellen Umfeld an Geld zu kommen. Dabei haben die Frankfurter Startup-Entscheider klare Vorstellungen, woher das kommen sollte: Sie wünschen sich eine Finanzspritze aus staatlichen Fördermitteln und besseren Zugang zu Risikokapital. Die Realität sieht jedoch anders aus: Nur 12 Prozent der Frankfurter – bundesweit sind es 19 Prozent – haben Zugang zu Wagniskapital, während 42 Prozent dieses Finanzierungsmittel gerne nutzen würden.

„Ausgerechnet am größten Finanzplatz Deutschlands haben junge Unternehmer es besonders schwer, an Kapital zu kommen. Die Corona-Krise hat dieses Problem weiter verschärft, da sich Venture-Capital-Häuser erst einmal auf ihr bestehendes Portfolio konzentriert haben. Außerdem ist der Austausch mit potenziellen Geldgebern viel komplizierter geworden, da kaum noch Veranstaltungen stattfinden, bei denen man sich persönlich begegnet.“ Daniel Spengemann, Leiter der PwC-Startup-Initiative NextLevel in der Rhein-Main-Region

Und Michael Burkhart ergänzt: „Dabei ist es sehr wichtig, diese jungen Unternehmen zu stärken. Denn ich bin überzeugt davon, dass sie für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine sehr wichtige Rolle haben – als Digitalisierungsbeschleuniger, vor allem aber auch als die neuen großen und etablierten Corporates von morgen.“

Frust über die Lage auf dem Frankfurter Immobilienmarkt

Ein zweites Ärgernis für die Frankfurter Entrepreneure ist die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt: 39 Prozent sind mit der Verfügbarkeit von bezahlbaren Büroimmobilien in der Mainmetropole unzufrieden. Den Frust über die hohen Mietpreise und den knappen Wohnraum teilen sie übrigens mit den Berufstätigen im Rhein-Main-Gebiet, wie eine aktuelle PwC-Umfrage belegt. Dies mag mit ein Grund sein, dass das Frankfurter Startup-Öko-System in diesem Jahr deutlich schlechter wegkommt: Nur noch 51 Prozent sind mit den Startup-Bedingungen im Raum Frankfurt zufrieden – neun Prozentpunkte weniger als 2019. Bundesweit liegt die Zufriedenheit mit 61 Prozent deutlich höher. „Das ist ein Warnhinweis, auf den die öffentliche Hand reagieren sollte, um die Region für technologieaffine Jungunternehmen wieder attraktiver zu machen“, empfiehlt Daniel Spengemann. „Es gibt da schließlich vieles, woran man hervorragend anknüpfen kann.“ Zum Beispiel die Nähe zu Universitäten, das Netzwerk zu anderen Gründern sowie der Zugang zu Mentoren und Beratern – bei allen diesen Faktoren schneidet Frankfurt in der Umfrage gut ab. Auch die wirtschaftspolitischen Initiativen und die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal bewerten je 53 Prozent der Frankfurter Gründer als gut.

Mainmetropole punktet mit guten Kooperationsmöglichkeiten

Punkten kann Frankfurt nicht zuletzt beim Thema Kooperationen: Hessische Startups arbeiten überdurchschnittlich häufig mit etablierten Unternehmen zusammen (78 Prozent vs. 72 Prozent bundesweit). Dass diese Kollaboration erfolgskritisch ist, wissen die Frankfurt Jungunternehmer – und wollen sie entsprechend weiter ausbauen: Sie wünschen sich von der Politik, dass noch mehr Programme ins Leben gerufen werden, die gezielt den Austausch mit etablierten Firmen fördern. Neben der Vereinfachung von Verwaltungsdienstleistungen und dem Ausbau der staatlichen Finanzierungsangebote für Venture Capital ist das eine der häufigsten Forderungen der Frankfurter Startup-Entscheider.


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