Innenstädte: Liberalere Öffnungszeiten für fairen Wettbewerb

Innenstädte sind Publikumsmagnete. Sie ziehen Menschen an, die sich kulturell unterhalten möchten. Vor allem aber bieten die Städte viele Einkaufsmöglichkeiten, für den täglichen, aber auch für den besonderen Bedarf.  Ein gut funktionierender Einzelhandel ist für vitale Städte unverzichtbar. Stetig steigende Mieten in Top-Lagen haben den Einzelhandel aber schon in den letzten Jahren belastet, und der Lockdown im März und April 2020 verschärft die Situation der Einzelhändler dramatisch.

Das EHI hat für das Herbstgutachten 2020 des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA, Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, die Lage der Handelsimmobilien analysiert. Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI und Mitglied des Rates der Immobilienweisen des ZIA, spricht sich für liberalere Öffnungszeiten und pragmatischere Planungs- und Genehmigungsverfahren aus, damit die Innenstädte in Deutschland weiter attraktiv bleiben.

Kooperation und schnellere Genehmigungen

„Wenn den Innenstädten Handelsmieter/innen verloren gehen, dürften sie an Attraktivität verlieren und sich die Passantenfrequenzen dem Trend der vergangenen Jahre entsprechend weiter verschlechtern“, so Michael Gerling. Für nachhaltig lebendige Innenstädte müssten Kommunen, Händler/innen und Immobilieneigentümer/innen zusammenarbeiten und Städte und Kommunen sollten hierbei eine stärkere Führung übernehmen, wobei auch die gezielte Förderung neuer Einzelhandelskonzepte durch Investitionen nicht ausgeschlossen werden sollte. In Zukunft werden sich viele Nutzungsarten in den Städten ändern, Genehmigungsverfahren für Neubau und Umbau müssen schnell und pragmatisch sein.

Mobilität und Logistik

Außerdem brauchen die Innenstädte dringend effektive Mobilitäts- und Logistikkonzepte für die Erreichbarkeit der Geschäfte, für die Belieferung von Läden und die Zustellung nach Hause. Grüne Lösungen wie Förderung des ÖPNVs, des Radverkehrs und der E-Mobilität helfen dem Klimaschutz und sorgen auch für eine bessere Aufenthaltsqualität in den Innenstädten. Der individuelle Autoverkehr darf aber nicht vollkommen ausgegrenzt werden, vor allem nicht, wenn die Alternativen noch fehlen.

Wettbewerb und Öffnungszeiten

Eine liberalere und verlässliche Regelung der Sonntagsöffnungen sollte in Betracht gezogen werden, da die aktuell strikte und unzuverlässige Regulierung einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Onlinehandel darstellt. Das Ziel sollte ein fairer Wettbewerb sein – ohne neue Barrieren oder besondere Belastungen für bestimmte Betriebstypen oder den Onlinehandel einzuführen. Zwar haben sich die Frequenzen in den Städten wieder weitgehend normalisiert, der Umsatzverlust der Lockdown-Phase kann aber nicht kompensiert werden. Auch bleiben (zahlungskräftige) ausländische Touristen auf unabsehbare Zeit aus.

Miete und Mieter/innenmix

Um Schließungen oder eine nachhaltige Schwächung des Mieter/innen-Mixes zu vermeiden, müssen Mieter/innen und Vermieter/innen tragfähige Lösungen für beide Seiten entwickeln. Mietverhältnisse müssen an die neue Situation angepasst und regelmäßig neu bewertet werden. Wichtig erscheint hier vor allem die strategische Positionierung von Einzelhandelslagen. Nur wenige falsche Ansiedlungen können einen Standort insgesamt nachhaltig schädigen und für alle Beteiligten eine erhebliche Wertvernichtung bedeuten.

Die Veränderungen in der Arbeitswelt haben Auswirkungen auf unsere Städte. Wenn die Menschen vermehrt von Zuhause oder mobil arbeiten, könnte sich der Run auf die Großstädte umkehren und Klein- und Mittelstädte im Umland profitieren. Wenn Einkaufen in der Stadt weiter attraktiv bleiben soll, müssen die Konzepte stimmen. Die Stadt braucht besondere attraktive Einzelhandelsangebote. Viele Händler/innen können das bieten.


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