In den USA steht Sammelklage gegen Bill Me Later an

eBay sieht sich in den USA einem Prozess gegenüber, der sich jedoch nicht gegen eBay selbst, sondern gegen seinen Bezahldienst Bill Me Later (BML)richtet. Diese Bezahloption erfreut sich wachsender Beliebtheit und erscheint auf immer mehr Einkaufswebseiten.

In der Klage wird behauptet, dass bei diesem Bezahlsystem die Konsumenten im Unklaren darüber gelassen werden, dass hohe finanzielle Forderungen auf sie zukommen werden.

April Colombu, eine Bill Me Later-Nutzerin, wollte ihren Verlobten mit einen Kurztrip nach New York überraschen. Sie buchte im Internet bei einer Fluggesellschaft einen Flug, klickte „bill me later“ an und buchte den Flug in der Hoffnung sie könne den Flug stornieren, wenn der Verlobte verhindert sei. Dem war dann auch so. Colombu cancelte binnen 24 Stunden den Flug, druckte die Stornierung aus und dachte die Sache sei erledigt.

3 Monate später die dicke Überraschung: Sie erhielt eine Rechnung für die Buchung nach New York, obwohl sie den Flug jedoch nie angetreten hat. Es kam dann heraus, dass der Handel nicht mit der Fluggesellschaft, sondern mit Bill Me Later abgeschlossen wurde. Das Unternehmen verlangte nun Verzugsgebühren (39 Dollar/Monat) und Zinsen (19,9%).

Bei einem Anruf bei Bill Me Later erklärte sie, dass sie den Flug innerhalb von 24 Stunden storniert und somit die Reise nicht angetreten habe. Der Bezahldienst jedoch entgegnete, dass sie dem Unternehmen immer noch Geld schulde. Nach anderthalb Jahr wuchs der Betrag auf 649 Dollar an Gebühren und 623 Dollar an Zinsen an.

Rechtsanwalt Jeff Friedman, der eine Sammelklage gegen Bill Me Later und seine Muttergesellschaften eBay und PayPal eingereicht hat: „Wir unterstellen, dass Bill Me Later ungesetzliche Zinssätze sowie ungesetzliche Verzugsgebühren Gebühren berechnet, womit das Unternehmen das kalifornische Verbraucherschutz-Gesetz verletzt“.

Das Gericht hat die Ansprüche über ungesetzliche Zinssätze mittlerweile abgelehnt, will jedoch den Vorwürfen der exzessiven Verzugsgebühren nachgehen. Friedman ist der Ansicht, dass den Verbrauchern nicht deutlich genug klargelegt wird, dass die zu zahlenden Zinsen sehr hoch sein können.

eBay teilte in einer Erklärung mit: „Viele Verbraucher wählen Bill Me Later, da man keine Jahresgebühren bezahlen muss… .  Zudem fallen für Verkaufsaktionen keine Gebühren oder andere Belastungen an, sofern die Rechnungen pünktlich beglichen werden. Die unerwiesenen Behauptungen in der Klage entbehren jeglicher Grundlage.“ Das bedeutet, daß das kalifornische Verbrauchergesetz auf BML nicht anzuwenden ist, weil es sich bei dem Bezahldienst um eine Bank handelt, deren Rechte durch den Bundesstaat geregelt sind. Diese erlauben den Einzug von höheren Zinsen und Gebühren. Die gerichtliche Anklage jedoch bezichtigt BML die Satzung der Bank zu missbrauchen, um das kalifornische Verbraucherschutzgesetz zu umgehen. Die Klage schließt verschieden Beschwerden von Nutzern des Online-Bezahldienstes mit ein.

Was den Fall Colombu anbelangt, so erklärte die Fluggesellschaft, das durch den Bezahlvorgang mit BML Colombu das Ticket erworben und dieses dementsprechend nicht erstattungsfähig sei. Sie erhielt stattdessen eine Gutschrift für einen zukünftigen Flug, der jedoch nach einem Jahr verfallen ist. Die Fluggesellschaft erklärte zudem, dass man noch keine Beschwerden über Bill Me Later erhalten habe.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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