Wo steht eBay Ende des Jahres 2010?

Vor ein paar Jahren wurde eBay von Amazon im Wettbewerb hart angegriffen. Das Auktionsbusiness rückte immermehr in den Hintergrund und an der eBay-Technologie nagte der Zahn der Zeit. Meg Whitman verließ das „sinkende Schiff“ um in der Politik Karriere zu machen.

Dann kam in 2008 John Donahoe und eBay setzt jetzt auf Verbesserung der Technologie und versucht mit aller Macht, seine Konkurrenten wie Amazon oder kleinere Retailseiten im Kampf um den Spitzenplatz anzugehen. „Ich versuche das Geschäft mit den Augen der Kunden zu sehen. Als Unternehmen müssen wir mehr Kunden-und technikorientierte Wege gehen“, so John Donahoe.

Seit 2 Jahren nun versucht Donahoe eBay neues Technik-Leben einzuhauchen und das mit folgenden Mitteln:

  • Aufpolieren der E-Commerce-Technologie
  • Erweiterung der mobilen Möglichkeiten von eBay
  • Öffnung von PayPal für Entwickler, um neue Applikationen auf den Markt bringen zu können, die die Dominanz des Online-Bezahldienstes weiter stärkt
  • Neubelebung des Online-Auktionspioniers durch Akquisitionen [wie unter anderem Milo oder RedLaser]
  • Unverfroren machte er sich an die „Köpfe“ von Rivalen heran um seinen Kundenservice zu optimieren und befragte Leute wie Tony Hsieh, Ceo von Zappos.com oder Ron Johnson, der die Apple Store Ketten überwacht, zu ihren Erfahrungen und Erkenntnissen hinsichtlich des Kundenservices.

„eBay hatte einst enormen Erfolg, doch irgendwann veränderte sich die Umgebung um uns herum. Käufer und Verkäufer hatten immer höhere Erwartungen“, erklärt John Donahoe. Donahoe gibt auch zu, dass noch eine Menge Arbeit vor ihnen liege, um wieder so erfolgreich zu werden. Doch die ersten Schritte hin zum Erfolg seien bereits getan.

So war der Cyber Monday ein Beweis dafür, dass Donahoe mit der Forcierung des mobilen Einkaufs auf das richtige Pferd setzt. Die Verkäufe in den USA über mobile Endgeräte stiegen an diesem Tag um 146% an.

Das eBay, welches Donahoe 2008 übernahm, stagnierte und die Bürokratie erschwerte den Ankauf kleiner, zukunftsträchtiger Start-Ups, die hätten weiterhelfen können, so Experten. Whitmann interessierte sich in ihren Jahren vor Donahoe nicht besonders für die Erneuerung der Technologien bei eBay, denn sie war zu sehr in ihre politische Karriere vertieft, was sie jedoch nie kommentieren wollte.

Einer der besten Schachzüge von Donahoe war dann, dass er Marc Andreesen auf die Plattform holte, eine bahnbrechende Figur in der E-Commerce-Geschichte. Andreessen, Aufsichtsratsmitglied Scott Cook, Mitbegründer von Intuit und nicht zu vergessen Pierre Omidyar, der eBay Gründer sind die Schlüsselfiguren hinsichtlich der Beratung und Erfahrung in neuen Internet-Technologien. Donahoe verpflichtete auch Mark Carges um die eBay Suchmaschine, den Katalog und die Käufererfahrung zu überholen sowie die PayPal-Plattform für externe Entwickler zu öffnen.

Die Resultate der Bemühungen des eBay CEO: PayPal rechnet mit mehr als 700 Millionen Dollar in mobilen Transaktionen in diesem Jahr, verglichen mit 30 Millionen noch 2 Jahre zuvor. Die 700 Millionen Dollar stellen jedoch nur 1% der Gesamttransaktionen von PayPal dar. PayPal steht für über ein Drittel der weltweiten eBay-Einnahmen.

eBay hat seine Anziehungskraft für “Otto-Normal-Verbraucher“ erweitert, indem man sich verstärkt auf den Bereich Mode konzentrierte. Das Unternehmen hat im Dezember den DealFinder neu belebt, ein Online-Tool das Käufern die Möglichkeit gibt, eBay-Angebote mit den Artikel-Angeboten auf anderen Plattformen wie Amazon oder BestBuy zu vergleichen. Mehr als 50.000 Produkte aus den Kategorien Filme, Viedeospiele, Verbraucherlektronik oder Musik und Bücher sind in diesem Tool abrufbar.

Dane Glasgow, Vice president of buyer experience” bei eBay: „Johns Fokus ist voll und ganz auf den Konsumenten gerichtet, und er ist fest entschlossen sich weiterhin auf den Kunden zu konzentrieren.“ Große eBay-Händler wie beispielsweise Jack Sheng erklären, dass sie durch die von Donahoe ins Leben gerufenen Veränderungen profitieren, vor allem im Bereich Katalog und der Suche.

Aber reicht das alles aus? Genügt das alles um den Kampf im mobilen Commerce aufzunehmen?
Scot Wingo, CEO von ChannelAdvisor ist der Meinung, dass die Sucherfahrung noch lange nicht da angekommen ist, wo sie eigentlich sein sollte, Amazon sei da zum Beispiel schon viel weiter. Die Suchmaschine sei eben eBays Achillesferse.

eBay hätte in gewisser Weise seine Unzulänglichkeiten dadurch ausgeglichen, indem man die PayPal-Plattform geöffnet hätte. Das führte zu neuen Applikationen wie Twitpay auf Twitter oder die Aktualisierung der iPhone App, mit der Nutzer Geld durch einfaches Abfotografieren eines Schecks transferieren könnten.

In einer Aera von Social-Media und Echtzeit-Kundenservice hat eBay einen guten Job gemacht, so der ehemalige eBay Verantwortliche Maynard Webb, jetzt CEO des cloud-computing Unternehmens LiveOps. „eBay nimmt Veränderungen an und wartet mit Innovationen quer durch den E-Commerce, den mobilen Sektor und auch den lokalen Handel [Milo] auf“, so Intuits Scott Cook. „Es ehrt John Donahoe, dass er bis zu einem Punkt Dinge akzeptiert. Es gibt kein Silbertablett, auf dem einem alles gereicht wird. Man muss die Welt von außen nach innen betrachten und nicht umgekehrt“, so Cook weiter.

Cook fügt eilig hinzu: “Ich bin stolz auf unseren Fortschritt, aber das mich eigentlich nur noch hungriger darauf besser zu werden. Ich werde nie zufrieden sein.“

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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