Strompreise auf Rekordhoch: Nur der Osten atmet auf

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft fest im Griff. Viele Menschen bangen um ihre Jobs oder wurden von ihrem Arbeitgeber in Kurzarbeit geschickt. Die Preise für viele Lebensmittel sind gestiegen. Gesunken sind hingegen die Strompreise.
Die Handelspreise an der Strombörse in Leipzig sind während der ersten Welle der Corona-Pandemie gefallen. Nur die Verbraucher haben davon bisher noch nichts gemerkt. Viele Stromanbieter haben sogar die Preise angehoben. Lediglich für die Menschen aus den neuen Bundesländern gibt es einen Grund zur Freude.

Finanzielles Risiko für Großkunden

Im vergangenen Jahr wurde so viel Öko-Strom in Deutschland produziert wie nie zuvor. In Deutschland wird an vielen Tagen mehr Strom produziert als verbraucht. Auf die Preise an der Börse hat das jedoch nicht die zu erwartende Wirkung. Produzenten müssen an manchen Tagen einen negativen Preis für ihren Strom zahlen. Die Corona-Krise hat das Dilemma mancher Stromerzeuger noch verstärkt.

pixabay.com ©ColiN00B(Creative Commons CC0)

Fabriken standen still oder drosselten ihre Leistung. Viele Großraumbüros waren leer, stattdessen haben die Menschen im Home-Office gearbeitet. Für Großabnehmer von Strom könnte das Jahr 2020 böse enden. Industriekunden erwerben zu günstigen Preisen Strom für das gesamte Jahr. Kann dieser nicht verbraucht werden, etwa durch die Corona-Krise, muss er zum Ende des Jahres verkauft werden. Angesichts niedriger Preise ist dann beim Verkauf noch Geld draufzulegen.

Beim Verbraucher kommt es nicht an

Die sinkenden Preise an der Strombörse haben für Privatverbraucher in Deutschland vorerst keinen Vorteil. Sie müssen weiterhin hohe Preise für verbrauchten Strom zahlen. Im europaweiten Vergleich belegt die Bundesrepublik bei den Strompreisen einen vorderen Platz. Ursächlich dafür ist in erster Linie die umstrittene EEG-Umlage, mit der die Energiewende hierzulande finanziert wird.
Grund zur Freude haben zumindest ein Teil der Bundesbürger. Während der Corona-Krise ist der Strompreis in den neuen Bundesländern erstmals überhaupt unter dem Niveau der West-Bundesländer gesunken. Er lag im Schnitt 1,1 Prozent unter dem Preis, der in den alten Bundesländern verlangt wurde. Vor drei Jahren noch lagen die Strompreise im Osten rund vier Prozent über dem Niveau in Westdeutschland.
Ursächlich für die Angleichung der Strompreise ist nicht die Corona-Krise. Die Bundesregierung hat vor Jahren eine Angleichung der Netzentgelte beschlossen. Damit sollte die Energiewende gleichermaßen auf alle Schultern verteilt werden. Profiteure sind die ost- und norddeutschen Länder.

Strom sparen hilft

Auf absehbare Zeit können private Verbraucher ihre Energiekosten nur mit einem sparsamen Verbrauch niedrig halten. Das funktioniert beispielsweise mit sparsamen Leuchtstoffröhren und Leuchtmitteln. Der Wechsel alter Glühbirnen auf moderne Leuchtmittel senkt die Verbrauchskosten erheblich. Das Sparpotenzial liegt bei bis zu 80 Prozent. Hinzu kommt die deutlich längere Lebensdauer moderner Leuchtstoffröhren.
Experten sehen vorerst keine Entlastung beim Strompreis, weder bei Privathaushalten noch für große Industriekunden. Wohl möglich wird der Preis ab 2021 leicht sinken oder zumindest weniger stark steigen. Die Förderung alter Anlagen mit der EEG-Umlage läuft Ende 2020 aus. Spätestens 2025 werden kaum noch Anlagen gefördert. Die Bundesregierung möchte ab 2021 einen Teil der EEG-Umlage aus anderen Töpfen finanzieren. Ob der hohe Strompreis für Verbraucher dadurch sinkt, ist fraglich. Am Ende entscheiden die Stromanbieter darüber, in welchem Rahmen sinkende Steuern und Umlagen an die Verbraucher weitergegeben werden.


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