eBay hilft dem Ökosystem

Der Geschäftsführer von eBay Deutschland Dr. Stephan Zoll erklärte diese Woche in Berlin, dass in bundesdeutschen Haushalten nicht mehr benötigte Produkte mit einem durchschnittlichen Wert von 1000 Euro aufbewahrt werden, was hochgerechnet über 40 Milliarden Euro entspricht. Nicht nur der eBay-Manager sieht darin ein großes Potential. Bevor diese Waren nach Jahren weggeworfen werden, könnte ihre Vermarktung über Online-Plattformen zur Wieder- und Weiterverwendung einen essentiellen Beitrag zur Umweltentlastung leisten, so Siegfried Behrendt vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT).

Elektronische Gebrauchtwarenmärkte böten Chancen für einen nachhaltigen Konsum, wenn sich die Einstellungen zum Güterbesitz verändern: Weg vom Anhäufen von Produkten, hin zu einer Versteigerungs-Kultur, die durch zeitweiligen Besitz charakterisiert  ist. Das Online-Vermarkten bereits gebrauchter Produkte führe dazu, dass Artikel länger genutzt und zusätzliche Umweltbelastungen durch Neukäufe vermieden werden können.

Um genauere Informationen zu erhalten hat das IZT im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunkts Sozial-Ökologische Forschung (SÖF) gemeinsam mit der eBay International AG, Wissenschaftlern der Universität Frankfurt/M und des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit den Gebrauchtwarenhandel auf der Auktionsplattform unter Umweltgesichtspunkten untersucht. Dazu werteten die Forscher die Antworten von insgesamt 6.700 privaten eBay-Usern aus. Zu 3 ausgewählten Produktgruppen, nämlich Kinderkleidung, Notebooks und Sofas analysierten sie dann die Ökobilanz.

Das Resultat des zweijährigen Forschungsprojektes ist ein eindeutiges „Ja, aber“. Insgesamt führt der Gebrauchtwarenhandel im World Wide Web zu weniger Neukäufen und wirkt sich damit positiv auf die Umweltbilanz aus. Ohne eBay wäre von 40% der Studienteilnehmer die gebraucht erworbene Kinderkleidung neu gekauft worden. Bei Notebooks hätten 25,5% das Gerät ohne eBay neu erstanden und bei über einem Viertel der Sofa-Käufer wurde durch eBay der Kauf eines Neuproduktes unterlassen.

Siegfried Behrendt weist jedoch darauf hin, dass „die Entlastungseffekte nicht voraussetzungslos sind“. Sie träten nur ein, wenn sich der Konsum dadurch nicht zusätzlich beschleunige. Positive Einflüsse auf die Umwelt seien am ehesten bei langlebigen und hochwertigen Produkten, deren Nutzungszeit sich durch den Wiederverkauf verlängere, zu registrieren. Zudem gelte die These „Re-Use ist besser als ein Neuprodukt“ nicht immer. Unter Umständen dominieren die Effizienzgewinne von Neugeräten die Ressourcen-schonenden Wirkungen durch die längere Nutzung der alten. Die Erhebung zeigte jedoch, dass Umweltaspekte als Kauf- oder Verkaufsmotiv bei den eBay-Nutzern bisher nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Bequem Geld zu sparen oder mit den aussortierten Dingen noch zusätzlich Geld zu verdienen sowie der Spaßfaktor beim Kaufen auf der Auktionsplattform eBay werden von den Befragten höher bewertet. So führten nur 27% der eBay-Käufer und Verkäufer die Umweltschonung als Kriterium an. Dennoch brachte die Umfrage unter den Nutzern „eine sehr hohe Bereitschaft“ zutage, die ungenutzten Kleinodien über das Internet zu aktivieren, wo es sich dabei eher um spezifische Lebensphasen handelt.

Chancen zur weiteren Erschließung des Gebrauchtmarktes sehen die Projektteilnehmer daher vor allem in der Entwicklung von Angeboten für bestimmte Lebenssituationen wie Umzug, Geburt, Gründung eines Hausstandes oder der Aufnahme eines Studiums.

Bei intensiveren Interviews mit den Studien-Teilnehmern kam auch noch heraus, dass

  • Eltern vor allem hochpreisige Kindersachen online gebraucht handeln;
  • Pensionäre gern Informationen über Sammlerobjekte einholen;
  • Geringverdiener sich über Versteigerungen Gegenstände leisten können, auf die sie sonst verzichten müssten.

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