Exzessive Internetnutzung kann zu Depressionen führen

Chinesische und australische Forscher haben durch die Studie „Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine“ herausgefunden, dass internetsüchtige Teenager ein erhöhtes Risiko für Depressionen haben. Die Forscher untersuchten 1.000 Teenager im Durchschnittsalter von 15 Jahren und beobachteten sie über ein Jahr. Bei jenen mit problematisch-exzessiver Internetnutzung war die Depressionsgefahr zweieinhalb mal so hoch wie beim Durchschnitt. Ein Zusammenhang zwischen Internetsucht und Depressionen war zuvor schon mehrfach vermutet worden.

Armin Köppe von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen weiß aus Erfahrung, dass Kinder und Jugendliche oft in exzessives Spielen fliehen, wenn sie mit der realen Lebenswelt nicht mehr zurechtkommen. Das Zurückkommen von dort sei dann ernüchternd. Dass depressive Verstimmungen mit Sucht allgemein zusammenhängen können, betont Bernd Dillinger vom Info-Portal IPOS: „Was davon zuerst kommt, ist nicht geklärt. Allerdings kann das Internet auch eine positive Ressource sein, wenn die Depression jeglichen Antrieb nimmt.“

Für den Begriff „Internetsucht“ mahnt Dillinger zu vorsichtigem Gebrauch, sobald es Jugendliche betrifft, denn ausschweifendes Verhalten und das Ausloten eigener Grenzen sind in der Jugend häufig. Sie beträfen jedoch nicht nur PC und Internet, sondern oft auch das Fortgehen oder den Alkoholkonsum. Mit dem Erwachsenwerden verschwinde das oft wieder. „Bevor man einem jungen Menschen vorschnell den Suchtstempel aufdrückt, ist es besser, von problematischen Verhaltensweisen mit erhöhtem Suchtrisiko zu sprechen“, so der Experte.

Unterbewerten sollte man Onlinesucht deshalb aber nicht. Sie zeigt sich neben hoher Online-Zeit vor allem im Verlust des Zeitgefühls, im Übersehen lebensnotwendiger Bedürfnisse und in Entzugssymptomen ohne das World Wide Web. Das wirkt sich auch negativ auf soziale Beziehungen oder schulische Leistungen aus.

Gerade in China und Südkorea gab es in diesem Zusammenhang mehrere Todesfälle bei Teenagern. Daher ist auch die Erforschung des Phänomens in diesen Ländern schon weiter vorangekommen als in Europa, weiß Armin Köppe.

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