Stimmen beim eBay Shareholders Meeting – Jeder hat ihn, nur eBay nicht – den Einkaufswagen!

eBay hat am 29. April 2010 in San José sein jährliches „Shareholders Meeting“, den Aktionärstag, abgehalten, bei dem Ned Barnholt das Treffen leitete, da eBay Gründer Omidyar sein neues Projekt auf Hawaii betreute. Die Punkte auf der Tagesordnung umschlossen unter anderem die Wahl von David M. Moffett, Richard T. Schlosberg, III, und Thomas J. Tierney als Direktoren, den Abänderungsantrag und die Neuformulierung des eBay Incentive Plans.

John Donahoe, eBays CEO stand nach seiner Präsentation den Investoren Rede und Antwort. Die interessantesten Punkte aus der Präsentation hier in einer Kurzfassung:

Der E-Commerce steckt noch in den Kinderschuhen, vertreten mit 5% des Offline-Handels. In den kommenden 5-7 Jahren wird dieser Wert auf 15 bis 20% ansteigen. „Unser analyst day im letzten Jahr war im Grunde der Tag des Coming-Out von PayPal. PayPal war eines der am besten gehegten Geheimnisse der Investoren-Gemeinschaft. PayPal wird größer werden als eBay. Der Zielmarkt von PayPal ist der gesamte E-Commerce.“ „Fast 30.000 Entwickler haben sich weltweit eingeschrieben, um auf PayPal X mitzuarbeiten, tausende von Applikationen wurden vorgeschlagen, die vom Team jetzt überprüft werden. Hunderte von Anwendungen sind bereits veröffentlicht worden. Die Plattform  ist noch nicht lange geöffnet und trotzdem haben wir ein TPV (Gesamtbetrag an Zahlungen) von etwa 30 Millionen US-Dollar auf einige der Anwendungen.“

Zum eBay-Business erklärte John Donahoe: „Unser Fokus lag darauf, unseren Marktplatz in die heutige Internetwelt zu bringen und ihn dort für die Zukunft zu positionieren. Diese Tatsache erforderte, dass wir den Marktplatz richten, aktualisieren und einige der grundlegenden Doktrinen unseres Marktplatzes verändern. Wir mussten die Grundmauern wieder festigen. Diese waren nicht eingerissen, aber sie waren angeschlagen. Oder: Das Internet bewegt sich so schnell, dass wir das Marktplatz-Business auf den aktuellen Stand bringen und für die Zukunft richten mussten … .“

Weiter sprach Donahoe über das sich verbessernde Vertrauen sowie die Benutzererfahrung. Danach besprach er die Händler-Anreize, feststellend, dass eBay wirtschaftlich jetzt sehr viel mehr auf seine Verkäufer ausgerichtet ist. Vor 3 Jahren noch waren 70% der eBay Einnahmen Vorab-Gebühren und 30% bestanden aus Gebühren, die nach Transaktionen fällig wurden. Heute ist das umgekehrt: 70 bis 80% der Einnahmen von eBay stammen aus den Artikelverkäufen.

John Donahoe erörterte nachfolgend eBays Vermächtnis. Man müsse eine robustere Architektur aufbauen, damit das Unternehmen beweglich wird. Im Hinblick auf Kataloge heißt das, der Nutzer auf eBay kann gezielter suchen: „Nur 6% der Artikel auf eBay waren Anfang 2009 katalogisiert, am Ende des Jahres waren es in den USA 20% und eBay hat vor, diese Zahl in diesem Jahr zu verdoppeln. Diese Art von Infrastruktur-Investitionen werden die Suche und die Benutzererfahrung auf eBay verbessern.“

Zum mobilen Zugang zur Plattform und den neuen iPad-Applikationen meinte Donahoe: „Das Internet wird hierdurch aufgefrischt …, wodurch das eBay Inventar in einer überwältigenden Art und Weise den Nutzern näher gebracht wird.“

Die Frage eines Aktionärs hinsichtlich der Zahlen Festpreis-Format versus Auktionen beantwortete er mit: „ …  immer mehr Verbraucher wählen das Festpreis-Format … eBay im Jahr 2007 hieß: 70% Auktionen – 30% Festpreis-Artikel. Heute machen 55% des eBay-Geschäfts Festpreis-Artikel aus und 45% sind Versteigerungen. Meine Vermutung ist, dass im “im Jahr 2011? die Auktionen bei 30% und das Festpreis-Format bei 70% liegen werden. Das jedoch entscheiden die Käufer und Verkäufer.?

In der Retail-E-Commerce-Welt gilt nicht der Spruch ‚the winner takes it all’. Es wird immer Phasen geben, in denen das eine oder andere Format oder Unternehmen wirklich angesagt sind und dann wieder nicht, so Donahoe. „eBay war wirklich angesagt und dann nicht. Amazon war stark, dann nicht, dann doch wieder und dann wieder nicht. Das ist es was im Retail oder im E-Commerce passiert. Unser Augenmerk liegt darauf einer der Gewinner in der E-Commerce-Welt zu sein und sich nicht davon beunruhigen zu lassen, was die anderen machen.“

John von ColderICE hat wie andere auch, seine eigene Meinung zu den Statements von John Donahoe und erklärt: „Man sollte sich die Krokodilstränen sparen. Ich selbst bin kein Freund der Auktionen und habe dieses Modell bereits im Jahr 2005 ad acta gelegt. Aber die Frage, die trotzdem bestehen bleibt, ist die nach der  Bereitwilligkeit von eBay, die notwendigen Änderungen vorzunehmen, um noch mehr so zu werden wie Amazon. Sieht man das ganze Ding realistisch, sind doch viele ehemalige eBay-„Absolventen“ frühere Verkäufer, die sich jetzt von Amazon anwerben lassen. Amazon hat schon im Jahr 2001 damit begonnen, das Auktions-Format mehr oder weniger auslaufen zu lassen und ist jetzt die am schnellsten wachsende E-Commerce-Seite im Web. Obwohl der Apple Store in meinen Augen das größte Ding überhaupt ist … .

Interessant ist, dass, wenn man in der eBay Geschichte ein paar Jahre zurückgeht, dieser Tag [dass Auktionen zurückgehen werden] schon lange vorhergesagt wurde. Viel Wirbel wurde um das Festpreis-Format gemacht, da dieses die Versteigerungen zum Auslaufmodell degradieren wird. Die „Versteigerungspuritaner“ regten Minirevolten zu den Änderungen an, wurden aber von den Kundenwünschen unterdrückt. Ein Ding, das wir alle verstehen müssen, besteht darin, dass Änderungen immer mehr schneller kommen. Unsere Umgebung und die Technologie bewegen sich in beispiellosem Tempo. Wenn eBay seine Plattform nicht aktualisiert, wird sie ganz schnell kaputt sein. Wie man sehen kann, hat Amazon sich vor fast 10 Jahren den Auktionen „entledigt“ und es läuft ziemlich gut. Manchmal ist es hart Änderungen für das Wachstum vorzunehmen, aber eBay MUSS es tun.

Es ist ein MUSS und die Verantwortlichen wissen das auch. Sie testen neue Homepages und basteln an ihrer Suche. eBay ist so oft auf die Nase gefallen siehe Half.com, eBayeXpress, Skype, Stumble Upon, etc., dass jetzt endlich was passieren muss. eBay braucht eine Verjüngungskur, da es in der Technologie und bei Innovationen noch Nachholbedarf gibt. Man darf auch nicht einfach die Wahrheit ignorieren: eBay vergisst bei seiner Aufholjagd auf Amazon auch eine ganz einfache, aber nicht minder wichtige Tatsache:

Jeder hat ihn, nur eBay nicht – den Einkaufswagen!

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