Scheitert die One Laptop Per Child-Initiative?

Bereits im Januar 2007 berichteten wir über den 100-Dollar-Laptop oder besser bekannt als die Initiative „One Laptop Per Child“ (OLPC). Die Idee, die dahinter steckt ist relativ simpel: Jedes der zwei Milliarden Kinder in den Entwicklungsländern soll mit einem Laptop ausgestattet werden. Damit könne den jungen Menschen Wissen und Bildung zugänglich gemacht werden.

Allerdings ist man nach den fast 4 Jahren, seit Beginn dem der Initiative, noch sehr weit vom eigentlichen Ziel entfernt, denn bisher wurden nur zirka 1,6 Millionen Laptops ausgeliefert, so Matt Keller von der O.L.P.C. Foundation gegenüber der New York Times. Die meisten Computer wurden in Uruguay (400.000), Peru (280.000), Ruanda (110.000) sowie Haiti und der Mongolei (je 15.000) verteilt.

„Das größte Hindernis, unseren Traum umzusetzen, sind die Kosten“, so Keller. Bislang haben die Regierungen der jeweiligen Länder 90% der Kosten für die billigen, aber widerstandsfähigen Computer übernommen. Da diese Nationen aber sowieso mit extremen Budgetproblemen zu kämpfen haben, gestaltet sich die Bezahlung schwierig. Von dem großen Ziel, jedes Kind mit einem Laptop auszustatten, abzuweichen und die Erwartungen zu senken, komme jedoch nicht in Frage. Den Kindern jeweils ein eigenes Gerät zu beschaffen, sei die zentrale Idee des Projekts.

Simultan an einem Gerät arbeiten

Damit würde der Schultag von wenigen Stunden praktisch auf zwölf bis vierzehn Stunden verlängert, denn Kinder könnten den Computer den ganzen Tag lang nutzen, so Keller. Andere Projekte versuchen, solche Vorteile auch in Situationen zu verwirklichen, in denen sich mehrere Schüler einen Computer teilen müssen. So entwickelten Microsoft- Forscher in Indien die Software MultiPoint, bei der auf einem Bildschirm mehrere Cursors angezeigt werden. So könnten Kinder gleichzeitig an einem Gerät arbeiten.

Kentaro Toyama, ehemaliger Leiter des Projekts erklärt: „Wir nennen es humorvoll One Mouse per Child.“ Für Toyama, der mittlerweile nun Vorträge über “technologische Utopien? hält und nicht mehr Teil des Entwickler-Teams bei Microsoft ist, stellt die Verbreitung von Technologie jedoch noch lange keine befriedigende und ausreichende Hilfsmaßnahme für die Entwicklungsländer dar. Technologie ist für ihn nicht gleichbedeutend mit Bildung und auch nicht der einzige Engpass für die Entwicklung der Länder. Zudem sei ein PC kein Ersatz für eine gut geschulte Lehrkraft. Keller bestätigt, dass es in vielen Bereichen Probleme und keine einfache Lösung dafür gebe, Technologie sei jedoch ein gutes Mittel, um auch diese Bereiche zu fördern.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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