Einschätzungen von eBay, Amazon und Google auf der Channel Catalyst in London

Scot Wingo CEO von ChannelAdsvisor hat diese Woche live von der Catalyst UK aus London berichtet.  Wingo schreibt, dass er immer wieder gerne den E-Commerce in Großbritannien beleuchtet, weil der britische Markt nicht nur der größte in Europa ist, sondern auch, weil er erstaunliche Fakten biete: 54% der Briten kaufen mittlerweile im Internet ein, was der höchste Wert in Europa und den USA ist. Die Briten haben den höchsten Durchschnittswert an Ausgaben pro Jahr, nämlich 770 britische Pfund, etwa 870 Euro. Zudem wissen langjährige eBay-Nutzer, dass eBay es sich zur Gewohnheit gemacht hat, Veränderungen zunächst auf dem britischen und dem deutschen Online-Marktplatz zu veröffentlichen, und diese dann erst auf dem US-amerikanischen Marktplatz implementiert werden.

Auf der Catalyst zu sein heißt also viel Neues zu erfahren, was eBay dann im laufenden Jahr auf dem britischen oder deutschen Marktplatz einführen wird. Auch können sich die diesjährigen Redner durchaus wieder sehen lassen. Unter anderem sind vor Ort:

  • Für eBay: Jody Ford als “eBay UK’s Senior Director of Selling? und auch zuständiger Leiter für den gesamteuropäischen Raum. Er wird über sämtliche Aktualisierungen auf dem Online-Marktplatz sprechen.
  • Für Amazon: Matt Henderson, “Director of Merchant Services?, der Amazons Pläne für Großbritannien für das kommende Jahr darlegen wird.
  • Für Google: Martin Bertisen, der den Zuhörern Googles E-Commerce-Initiativen näherbringen wird.

Tamebay ist ebenfalls vor Ort und und berichtet, dass Wingo vor zirka 250 Retailern den Startschuss zur Catalyst gegeben und einen Überblick über das, was im E-Commerce passieren wird, gewährt hat. Wingo sprach über die eBay-Änderungen und wie Einkäufer mittlerweile ihre Produkte finden können, dass eBay anscheinend in Großbritannien den Turnaround durch das Festpreis-Format geschafft hat, das im Vergleich zum Auktionsformat ein beschleunigtes Wachstum aufweist. Außerdem habe es eBay fast bewerkstelligt, die Lücke in den Wachstumsraten zwischen eBay und Amazon zu schließen. Zum Schluss sprach Scot Wingo über die Zukunft und wie die Gesellschaften  sich darauf vorbereiten können, um den vollen Nutzen aus den Social Media zu ziehen.

Heute, so Wingo, verwenden Verbraucher die Online-Suche als primäres Mittel um sich über Produkte zu informieren. 43% der Verbraucher beginnen damit mittels einer Suchmaschine. Etwa 23% gehen direkt auf die Marktplätze wie eBay oder Amazon, wobei die mobile Nutzung derzeit signifikant ansteigt.

Scot Wingo wies auch auf einige andere Veränderungen hin: Google legt weitaus weniger Wert auf Preisvergleichs-Suchmaschinen, dafür steht Twitter im Vordergrund. Das Wachstum von eBay in Großbritannien war langsam, zieht jedoch inzwischen wieder an. Und immer mehr Verbraucher  nutzen ihr Mobiltelefon oder andere mobile Geräte um einzukaufen. Händler sollten auch immer vor Augen haben, dass Social Media- Seiten beständig anwachsen. Daher rät Wingo den Händlern folgende Social Media Praktiken zu beherzigen:

  • eine Fanseite auf Facebook einrichten;
  • Twitter, Facebook oder andere Seiten nutzen um Coupons herauszugeben;
  • Social Media in den eigenen Blog integrieren, Twitter und Facebook-Links auf der eigenen Webseite einfügen;
  • darauf gefasst sein, dass Twitter oder Facebook Bezahlmethoden sich immer stärken etablieren werden.

Überrascht zeigte sich Wingo über den Weggang von Mark Lewis, dem Manging Director bei eBay Großbritannien. Jody Ford erklärte, dass eBay sich dafür entschieden habe eine gesamteuropäische Organisation aufzubauen von der aus die einzelnen Länder wie Großbritannien, Deutschland, Spanien, Frankreich usw. dann geleitet werden.

Jody Ford befasste sich in seinem Vortrag in erster Linie mit 2 Themen:

  • Der Scorecard, aus der hervorgeht in weit eBay seinen Händlern zur Seite steht und
  • den zukünftigen Plänen um die allgemeine Verkaufssitutation anzukurbeln.

Zur eBay-Scorecard, die aus 3 Komponenten aufgebaut ist:

  • Verkäufe: Wie können wir dazu beitragen die Abverkäufe der Händler zu steigern?
  • Profitabilität: Helfen wir Ihnen mit unserer Preiskalkulation Geschäfte auf eBay zu machen?
  • Zuverlässigkeit: Sind wir ein zuverlässiger Partner für die Händler?

Die Frage zu den Verkäufen beantwortet Ford folgendermaßen:

„eBay Großbritannien gilt als Top-Marktplatz mit 17 Millionen Einzelbesuchern pro Monat, 50 Millionen Suchanfragen täglich auf eBay.co.UK, 17% Wachstum bei den Verkaufszahlen (Q4-2009) im Jahresvergleich. Basierend auf diesen 3 Parametern habe ich das Gefühl, wir machen einiges richtig.“

Bei der Profitabilität gibt es ebenso 2 Komponenten:

  • Zum einen konkurrenzfähige Verkaufsgebühren und zum anderen
  • die Kosten um Geschäfte auf eBay zu machen.

Auf der Aufwand-Seite senkte eBay die Gebühren vor ungefähr einem Jahr und die Verantwortlichen sind der Meinung, dass sie die konkurrenzfähigste Preiskalkulation auf dem Markt haben. Auf der eBay-Kostenseite wurde unter anderem die Mehrfach-Artikeleinstellung eingeführt.

Zuverlässigkeit: Hier hätte eBay in jedem Fall mehr tun können. Man beschränkte zwar wirklich die Anzahl von Änderungs-Mitteilungen und die Händler hatten mehr oder weniger einen 60 Tage-Zeitraum um sich mit den Neurungen vertraut zu machen. Doch hier gibt es noch Aufholbedarf, auch wenn es schon besser geworden ist. Wirklich negatives Feedback gab es bei der Einführung des Gratisversand, was dann teilweise (Media-Kategorie) wieder rückgängig gemacht wurde.

eBay investiert nun auch mehr in den Bereich der Account-Manager und reduziert deren einzelnen Kategorien für die sie zuständig sind auf 1-2, damit sie ein besseres Verständnis für die entsprechenden Kategorien haben und damit als Kundenberater auch die Händler nutzbringender unterstützen können.

Jody Ford beschäftigte sich auch mit den auftretenden Käufer-Trends und zwar:

  • Bedürfnis nach risikofreiem Einkauf
  • Schnäppchen, denn Käufer lieben Schnäppchen
  • Wichtige Kauferfahrungen wie Fashion und mobiles Shoppen

Bedürfnis nach risikofreiem Einkauf

Verbraucher sorgen sich in der Hauptsache um die Abwicklung eventueller  Retouren oder auch die Lieferung. eBay glaubt, dass hier das Schlachtfeld im E-Commerce liegt. eBay hat ein starkes Erbe bezüglich Mehrwert, Auswahl und Deals angetreten, aber eBay muss auch den Käufern zu verstehen geben, dass die Mehrheit der Händler guten Service liefert. Ein beständiges Thema für eBay in 2010 wird daher auch das Top-Verkäufer-Programm bleiben. Auch das neue Käuferschutz-Programm soll Käufern das Gefühl einer größeren Sicherheit geben. eBay.co.uk tritt damit für jede mangelhafte Transaktion ein.

Deals

Käufer haben einen starken Wunsch nach großartigen Schnäppchen und setzen hier auch sehr viel Energie ein. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, führte eBay in Großbritannien die Daily Deals oder in Deutschland die WOW! Angebote ein. Das Programm ist offen für PowersSeller.

Beispiele aus Großbritannien für Daily Deals:

  • 6.500 verkaufte Drucker
  • 900 Laptops
  • 1.299 Paar Stiefel.

Fashion und mobiles Shoppen – der neue Trend bei eBay

eBay UK  möchte in der Mode-Kategorie Vorreiter sein und legt daher seinen Schwerpunkt besonders auf Mode. Teil der Neuerung ist der Relaunch des Outlets, wo die Käufer Markenmode preiswerter einkaufen können. Mehr Infos hierzu findet man hier.

‚More like this‘ ist Anfang der Woche bei eBay Großbritannien in einer Beta-Version in Kraft getreten. ‚More like this‘ zeigt Artikel von Händlern, die einen ähnlichen Look, ähnliche Farben oder Schnitte anbieten, wie die vom Käufer gesuchten Erzeugnisse.

Zu den Initiativen eBays, was den Einsatz mobiler Geräte anbelangt, gab es keine großen Neuigkeiten von Seiten Fords.

Fragen und  die Antworten auf der Channel Catalyst

Jody Ford hat gemeinsam mit seinen eBay-Kollegen auf der Catalyst in London Fragen von Händlern beantwortet. Nachfolgend  Auszüge aus der  Frage-Antwort-Session:

Frage: Die Messlatte zur Teilnahme am Top-rated-Seller-Programm (eTRS) liegt sehr hoch, wie hilft eBay den Händlern diese zu überwinden – einmal eine 1* oder 2*- Bewertung kann uns schon zerstören.

Antwort: Käufer haben genauso hohe Anforderungen, also müssen wir diese ebenso haben. Aber es gibt keine Pläne die Latte weiter zu erhöhen.

F: Sie haben gerade eben angekündigt, der Mode bei eBay einen größeren Stellenwert zu geben. Bekleidung hat eine sehr viel höhere Rücksenderate verglichen mit anderen Kategorien. Jede Retoure könnte eine niedrigere detaillierte Verkäuferbewertung zur Folge haben. Könnte man nicht verschiedene Standards für die unterschiedlichen Kategorien schaffen?

A: Sie könnten damit Recht haben, dass einige Kategorien unterschiedliche Rücksende-Raten haben. Wir sehen das wie folgt: eBay und die Verkäufer müssen die Käufererwartungen erfüllen. Käufer würden durch unterschiedliche Standards in den einzelnen Kategorien nur verwirrt werden. Jeder in der entsprechenden Kategorie ist in demselben Boot, so entsteht dann auch so etwas wie Chancengleichheit bei den Wettbewerbsbedingungen.

F: eBay schlägt sich immer noch mit einer Technologie aus dem Jahr 1999 herum: Warum gibt es bislang keinen Einkaufswagen, warum UPIs, warum kann man Mehrfach-Bestellungen nicht unmittelbar bezahlen, tun Sie etwas dafür, um diese Dinge zu verbessern? Warum hantieren Sie mit der Mode herum, wenn diese grundlegenden Dinge noch im Argen liegen?

A: Wir versuchen diese Sachen zu richten. … UPIs – das wird besser werden. Einkaufswagen – ich weiß, dass es hier ein Problem gibt, wir arbeiten daran.

F: Gratisversand – in welcher Verbindung steht dieser zu Best Match?

A: Wir wollen jetzt nicht im Detail über den Best Match-Algorithmus sprechen. Aber der Gratisversand in Großbritannien ist ein sehr wichtiger Faktor und wir ermutigen sie dazu, diesen anzubieten. Bei eBay UK können wir immer noch einen Aufschwung beim Gratisversand verzeichnen. Es wird auf der Catalyst zudem noch über Best Match diskutiert werden.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



Kategorien: Mobile Commerce, Onlinehandel allgemein

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