Neueinsteiger bei eBay haben es nicht leicht

Wie eine Studie an der uni-bonn.de im Fachbereich Wirtschaft/Einrichtungen des Ökonomen Matthias Wibral aufweist, haben es Neueinsteiger auf der Online-Plattform eBay schwer. Käufer haben zu den Newcomern wenig Vertrauen und tätigen ihre Einkäufe lieber bei „alten Hasen“. Sie verlassen sich lieber auf Anbieter, die bereits einen „guten Ruf“ auf der Webseite genießen. Vielfach herrscht deshalb Misstrauen, weil Nutzer davon ausgehen, auf unseriöse Verkäufer zu stoßen, die lediglich ihre Identität gewechselt haben.

Wie schon bekannt, versuchen Händler, die schlechte Bewertungen erhalten haben sich hinter neuen virtuellen Identitäten zu verstecken, was Betrügern Tür und Tor öffnet, so Wibral. Kunden seien zudem abhängig von den Verkäufern und könnten gekaufte Ware vorab nicht prüfen. Bewertungsportale wie zum Beispiel auf eBay versuchen zwar solche Risiken zu minimieren, doch der Identitätswechsel erlaubt relativ einfach den Wiedereinstieg in die Community. Für Neulinge auf eBay gilt also erst einmal vor allem, das Vertrauen der Käufer zu gewinnen.

Wibral rät im pressetext-Interview: „Oberste Regel ist natürlich, das in einen gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, das heißt, gute Bewertungen zu erhalten. Wenn man mehrere Gegenstände verkaufen möchte, könnte es sich lohnen, zuerst die Gegenstände mit geringerem Wert zu verkaufen, um den Preisabschlag, den man auch als ehrlicher Newcomer hinnehmen muss, zu minimieren.“

Der Wissenschaftler erklärt aber auch, dass eBay einiges unternehme, um neuen Verkäufern den Start zu erleichtern. So trete am 25. Februar eine Maßnahme in Kraft, nach der Verkäufer mit weniger als 50 Bewertungen die Bezahlmethode PayPal anbieten müssen. PayPal bietet Käufern eine größere Sicherheit, was das Misstrauen neuen Käufern gegenüber verringern könnte. Die Regelung ist zwar umstritten, doch aus der Sicht Wibrals dessen ungeachtet eine gute Idee.

Das Vertrauensproblem, so Wibral, ist darüber hinaus nicht auf eBay beschränkt. Es könne überall dort auftreten, wo Nutzer ihre virtuelle Identität wechseln können. Für Konsumenten wiederum zahlt es sich laut den Untersuchungsresultaten aus, tatsächlich jenen Käufern zu vertrauen, die auch als gut beurteilt wurden. Einzige Ausnahme: Es kommt offenbar immer wieder vor, dass Händler eine neue Identität annehmen. Kunden können dann nicht unterscheiden, ob es sich um einen Newcomer oder um einen Gauner handelt, der lediglich einen neuen Namen angenommen hat.

Nach Wibrals Analyse war für Käufer die Gefahr eines Verlustgeschäfts mit Newcomern (46%) tatsächlich mehr als doppelt so hoch wie mit zuvor bereits bewerteten Partnern (22%). Viele Transaktionen(15%) finden außerdem gar nicht erst statt. „Im Labor wird sichtbar, was bei eBay nicht sichtbar ist – dass Leute der Plattform fernbleiben, weil sie Angst haben, betrogen zu werden“, sagt Wibral. In der Realität bedeutet das für eBay finanzielle Einbußen, glaubt der Wissenschaftler. „Die überwiegende Mehrheit der Verkäufer ist ehrlich. Feedbacksysteme à la eBay dienen dazu, die wenigen schwarzen Schafe ‘im Zaum zu halten’ und zu verhindern, dass sich diese vermehren“, so Wibral abschließend im Interview mit pressetext.


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