eBay ist schuld, oder: Warum wir alle mal über eBay meckern dürfen

In den vergangenen Monaten wurde immer wieder massiv gegen eBay argumentiert, teilweise begründet, teilweise rein emotionsgetrieben und teilweise von frustrierten Aktionären. Auch ich bin von eBay, genauer gesagt vom Apparat eBay, schon sehr enttäuscht worden, sowohl als Betreiber von onlinemarktplatz.de, als auch als Käufer und Verkäufer bei eBay – wurde aber jüngst positiv überrascht, da sich freundliche und motivierte Menschen bei eBay meiner Probleme angenommen haben. Ich bin mir aber bewusst, dass ich nicht mit einem gemeinnützigen Verein zu tun habe, sondern mit einem global oprerierenden Konzern, der 88 Millionen User verwaltet und mit Partnern und Investments auf 39 verschiedenen Märkten unterwegs ist. Desweiteren hat eBay seit 1985 dieWelt des e-commerce für uns alle massiv verändert und voran getrieben. Die Zeiten, als private Überbestände als Garagenverkauf oder in Kleinanzeigen in Printmedien verkauft werden mussten, sind vorbei und eBay hat massiven Einfkluss darauf gehabt.

Seit geraumer Zeit allerdings ist das Geschäft im Wandel begriffen. Es gibt kaum noch Hersteller, deren Waren nicht online verkauft werden, vor allem in den USA, aber auch bei uns in Deutschland existieren viele große Onlineversender und viele Menschen versuchen, Ihren Lebensunterhalt im Onlinehandel zu verdienen. Zu Beginn dieser Welle waren die Anforderungen an diese Händler gering, es war relativ einfach möglich, seinen Lebensunterhalt durch den Onlineverkauf, meist bei eBay, zu verdienen. Im Laufe der Zeit waren aber immer mehr Hürden zu überwinden. Durch den stark wachsenden globalen Handel waren viele neue Gegebenheiten zu berücksichtigen, eine Flut gesetzlicher Regelungen von unwissenden Schreibtischtätern und als Politiker getarnten Juristen überkam die Händler, die Markenhersteller sahen durch die „plötzlich auftretende“ Preistransparenz die bis dahin hohen Erträge schwinden, die Konkurrenz der ebenfalls fleissigen, innovativen und oft billiger anbietenden Mithändlern wurde gross und größer und nicht zuletzt wurden die Ansprüche der Käufer in Bezug auf das Warenangebot, den Preis, die Zahlungskonditionen, die Versandgeschwindigkeit, die Kommunikation etc. höher, aber die Toleranz in Bezug auf auftretende Fehler und die eigene Zuverlässigkeit geringer.

Mittlerweile bieten Volkshochschulen kaum noch Kurse an und die eBay-University ist eingestellt, einzig das Arbeitsamt, nein die Arbeitsagentur, ganz am Puls der Zeit, finanziert noch Umschulungen. Mit dem elektronischen Handel sollte sich der neue digitale Mittelstand etablieren – oft war es aber lediglich das virtuelle Proletariat. Denn jeder Marktteilnehmer bekommt seine Chance – aber nicht jede Geschäftsidee zieht, aber wer mit einer neuen Idee gute Geschäfte macht, ruft sofort ein halbes Dutzend Mitbewerber auf den Plan, die den Preis drücken, die Händler verkaufen zunehmend zu Grenzkosten.

Alle diese Umstände bedurften eines Umdenkens bei den Händlern und bei eBay. Bei vielen Händlern hat dieser Prozess gut funktioniert, sie haben sich immer wieder an die geänderten Gegebenheiten angepasst, was sicherlich teilweise ein sehr schmerzlicher Prozess war und ist, aber notwendig. Er ist nicht deswegen notwendig, weil eBay sich permanent aus eigenen Antrieb neue Regeln überlegt um die Händler von ihrem eigentlichen Geschäft abzuhalten, sondern weil eBay selbst die neuen Gegebenheit erst zu spät erkannt hat und sich zu lange auf der Marktfüherschaft ausgeruht hat. Auch kann ich den Vorwurf nicht entkräften, dass eBay sich bis vor einiger Zeit nur mit sich selbst beschäftigt hat, wie es viele Konzerne gerne tun, es wird nicht auf die Kunden geschaut, der Blick verharrt im Konzern und man beschäftigt sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten. Auch im Punkt Kommunikation bei Problemen und dem generellen Umgang mit den Händlern ist eBay sicherlich kein Vorbild gewesen.

Nun hat eBay aber wohl schmerzlich erkennen müssen, dass sie kein Startup-Unternehmen mehr sind, dass „schnell mal“ willkürlich die Gegebenheiten für den Handel auf den Markplätzen ändern kann, ohne den Agierenden die Möglichkeiten zu geben, sich darauf einzustellen. Auch hat eBay wohl erkennen müssen, dass die Rahmenbedingungen sich geändert haben und sie den Rahmen, den sie über die Markplätze bieten, so anpassen müssen, dass er erstens den diversen geänderten volkswirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen genügt, zweitens den Käufern einen attraktiven Handelsplatz bietet und drittens den Verkäufern die Möglichkeit gibt, ihr Geschäft vernünftig zu betreiben. Da diese Erkenntnisse sehr spät bei eBay angekommen sind, ist der Handlungsdruck jetzt enorm hoch.

Es wird aber nun gehandelt! Da die rechtlichen und volkswirtschaftlichen Veränderungen über die Jahre „gewachsen“ sind, waren die Aufstände der Betroffenen kaum spürbar, gegen wen sollten sie auch revoltieren – gegen die EU, die deutsche Bundesregierung, Juristen, Hersteller, gegen die eigenen Käufer? Nein – wir nehmen den am Spiel Beteiligten, der, wie bereits erwähnt, die Anpassungen über die Jahre verschlafen hat – eBay! Der Versuch, die Anpassungen an die Gegebenheiten nun komprimiert vorzunehmen, was dringend nötig ist, ruft nun alle Kritiker auf den Plan, denen auch schon gestern aufgefallen ist, dass sich etwas verändert hat, getreu dem Motto „… keine Ahnung, das war schon immer so“.

Die Alternative ist auch prima, eBay nimmt keine Veränderungen vor. Dann dürfen auch alle die mal meckern, die gerne  nach Profitabilität rufen, oder die Freunde, die sich darüber mokieren, dass sie zuviel dafür bezahlen, dass Ihnen keine vernünftige Umgebung für ihre Handelstätigkeit zur Verfügung gestellt wird.

Damit dürften wir doch alle zufrieden sein, eBay bietet allen Meckerern, egal welcher Fraktion sie angehören, ausreichend Stoff – ist doch auch toll!

Nun aber zurück zu den wichigsten handelnden Personen bei eBay, den Käufern und Verkäufern. Die Gruppe der Verkäufer befindet sich in einem massiven Veränderungsprozess, denn die „wer nichts wird wird Powerseller-Mentalität“ funktioniert nicht mehr. Wie ich auch früher schon der Kritik der Verkäufer bei eBay entgegengetreten bin, bewahrheitet sich jetzt. Ich stand sowohl bereits bei der ersten massiven Welle der Kritik vor etwa 1,5 Jahren, als auch jetzt auf dem Standpunkt, dass Verkäufer, die betriebswirtschaftlich denken und handeln, weniger Probleme bei eBay haben, diejenigen Verkäufer hingegen, die nur „aus dem Bauch heraus“ handeln, scheitern werden. Es dauert naturgemäß einige Zeit, bis der Markt solche Dinge regelt und die Newkommer es mitbekommen, dieser Prozess ist aber nun durch eBay beschleunigt worden. Das was eBay gerade betreibt ist im Übrigen das, was immer gefordert bzw. kritisiert wurde: Schlechte Ware und Kommunikation, hohe Versandkosten, Betrugsrisiken uvm. zu eliminieren. Nun werden endlich die entsprechenden Massnahmen erfolgreich ergriffen und wieder kommt es zu Kritik: Plötzlich wird kritisiert, dass der Spass verloren gehe und Privatverkäufer vom Markplatz vertrieben würden.

Aktuelle Untergangstheorien…

Eine der aktuellen Untergangstheorien beschwört den Fakt, dass eBay viele Käufer verlieren wird, da eBay sie als private Verkäufer vom Marktplatz verdränge – eine aus meiner Sicht an den Haaren herbeigezogene Argumentation. Dann sind also Amazon und Co. dem Untergang nahe und werden einen massiven Käuferrückgang erfahren, da Sie keine privaten Verkäufer zulassen? Ich sehe hier keinerlei Einfluss.

Eine weitere Theorie besagt, dass sich die Anzahl der Verkäufer stark verringern wird, da das Programm „Verkäufer mit Top-Bewertung“ die nicht teilnehmenden Verkäufer derart benachteilige, dass sie den Marktplatz verlassen werden, bzw. die Verkäufe derart stark zurückgehen werden, dass sie nicht weiter bestehen können.
Die Argumentation gleicht der eines im Regen stehenden Menschen, der sich darüber beschwert, dass er nass wird, er aber weiterhin im Regen stehen bleibt, anstatt sich einen Schrim zu besorgen, oder sich ins Trockene zu begeben.
Neben Meckern und Schimpfen könnte man also auch in Erwägung ziehen, die entsprechenden Anstrengungen zu unternehmen, um ebenfalls diese Auszeichung und die damit verbundenen Vorteile zu erhalten. Zur weiteren Information, wie Verkäufer auch mit dem Programm umgehen können, sei hier der Artikel von Hillary de Piano empfohlen.

Manche Mitmeschen propagieren seit Jahren, dass weitere Marktplätze eBay den Rang ablaufen werden. Nun, ich beobachte dieses Geschäft seit den Anfängen von eBay und seit etwa 9 Jahren schreibe ich dazu auf onlinemarktplatz.de und während dieses Zeitraumes habe ich sehr viele Angebote kommen und gehen gesehen. Ich spreche nicht von Auktionshäusern die „mal schnell“ mit irgendeiner PHP-Software aufgesetzt werden und deren Schicksal schon ab dem Start besiegelt ist,  nein es gab/gibt auch Anbieter, die mit viel Kapital gestartet sind und auch sehr viel richtig gemacht haben, die aber trotzdem entweder komplett in der Versekung verschwunden sind, oder heute als Nischenanbieter in der Bedeutungslosigkeit (im Gegensatz zu eBay) verschwinden. In früheren Jahren hatte ich versucht, auf onlinemarktplatz.de ein unfangreiches Verzeichnis von Auktionshäusern zu führen – nach einiger Zeit hatte ich aufgegeben, da es extrem zeitäufwändig war, täglich die verschwundenen und hinzugekommen Anbieter zu pflegen.
Das Problem dieser Anbieter von Auktionsplattformen sind die fehlenden Käufer, Verkäufer sind schnell in ausreichender Anzahl gefunden. In Nischen mag es durchaus profitable Anbieter geben, die auch für Verkäufer dieser Nischenprodukte interessant sind, nicht aber bei allumfassenden Anbietern.
Ich amüsiere jedesmal über neue Pressemitteilungen mit Titeln, die die neue Konkurrenz zu eBay ankündigen, bald kommt sicherlich das nächste  Exemplar… .

Also, lassen Sie uns froh und munter sein, denn wir haben nun festgestellt, dass wir endlich jemanden gefunden haben, bei dem wir unseren aufgelaufenen Frust, egal woher er rührt, abladen zu können – ist doch toll, oder?

Frank Weyermann, onlinemarktplatz.de

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