eBay CEO John Donahoe erneut im Interview mit CNBC

eBay CEO John Donahoe erneut im Interview mit CNBCDie Zeiten des Schweigens bei eBay sind anscheinend vorüber. Nachdem man vor allem zu Beginn seines Amtsantrittes John Donahoe, CEO von eBay, vorgeworfen hat, mit Interviews sehr zurückhaltend zu sein, findet man gegenwärtig immer häufiger Interviews mit Donahoe in der Presse.

Letze Woche stand er der CNBC  Wirtschaftsjournalistin und Nachrichtensprecherin Maria Bartiromo Rede und Antwort. Schwerpunkte waren wieder einmal der Verkauf von Skype, vor allem nach dem letze Woche bekannt wurde, dass die Skype-Gründer Friis und Zennstrom wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen seitens eBay Klage eingereicht haben. Andere Themen waren natürlich auch eBay und der Online-Bezahldienst eBays PayPal. Erst kürzlich haben die beiden Analysten Brian Pitz und Brian Fitzgerald das eBay Papier herauf gestuft und festgestellt, dass eBay sich in einer Transformation befindet, was vor allem dem Skype-Verkauf zugeschrieben wird, da die Verantwortlichen eBays sich hierdurch wieder mehr seinem Marktplatzgeschäft und PayPal widmen können.

Nachfolgend die Inhalte des Interviews

MB: John, was versuchen Sie in welchem Zeitrahmen zu erreichen?
JD: Wie wir schon im vergangenen Jahr erklärt haben, möchten wir in einem Zeitraum von 3 Jahren den Marktplatz transformieren. Das heißt für uns, wir möchten den kleinen Business-Händlern, Privat- und Mikroverkäufern die Chance geben, online erfolgreich Geschäfte zu machen. Und wir machen Fortschritte … Die Leute wollen in der ungünstigen wirtschaftlichen Lage preiswert einkaufen und das können sie bei uns.

MB: Bevor wir über PayPal sprechen, ein wirkliches Juwel in ihrem Business, möchte ich gerne noch mit Ihnen über die Nachricht des Tages reden und das ist Skype. Sie befinden sich gerade mitten in den Verkaufsverhandlungen und genau zu diesem Moment sieht sich eBay einem Gerichtsstreit von Seiten der Skype-Gründer gegenüber. Welchen Einfluss wird das auf den Verkauf haben?
JD: Wir richten unseren Fokus auf den Abschluss des Deals und sind auch sehr zuversichtlich, den Verkauf abschließen zu können. Für mich ist es zudem jetzt sehr viel wichtiger, mich auf eBay und PayPal zu konzentrieren.

MB: Nichts desto trotz, Sie haben einen Rechtsstreit anhängen.
JD: Wie schon gesagt wir sind sehr zuversichtlich, dass der Verkauf abgeschlossen wird. Außerdem ist dieser Rechtsstreit nicht neu. Wir haben alles offengelegt, nichts Illegales getan und sind daher überzeugt, den Deal Ende des Jahres endgültig zu vollziehen.

MB: Die Skype-Investoren, wie sehen sie die Klage? Sind die Investoren genauso zuversichtlich wie Sie oder bestehen sie nun auf anderen Bedingungen?
JD: Sie sind im Bilde und von uns informiert worden.

MB: Haben Sie nach anderen Bedingungen gefragt?
JD: Nein, haben sie nicht.

Maria Bartiromo kam jetzt noch auf den Ankauf Skypes zu sprechen und dem anfänglichen Optimismus, den damals Meg Whitman dem Skype-Produkt entgegenbrachte. Wie schon so oft, und auch in dem letzten CNBC Interview, erklärte Donahoe, dass der erhoffte Synergie-Effekt zwischen Skype und besonders eBay ausgeblieben ist und es auch keine Synergie zu den anderen Geschäftsbereichen eBays gab. John Donahoe erklärte wiederholt, dass Skype ein wunderbares „Standalone-Business“ sei. Zudem sei er ein großer Verfechter des Internets, das sich allerdings so schnell wandelt, dass er nun seinen Fokus lieber nur auf eBay und PayPal richten möchte, da Skype sehr gut alleine als Unternehmen bestehen könne. Zwar sei man froh darüber, noch 35% an Skype zu besitzen, aber viel wichtiger seien ihm nun eBay und PayPal.

MB: John, was haben Sie hinsichtlich der ökonomischen Umgebung und deren Einfluss auf Ihr Business im letzten Jahr gelernt? Erzählen sie mir wie Sie heute, in den rauen Zeiten, die Dinge sehen.
JD: Wir sehen eine Stabilisierung. Natürlich die Verbraucher sind umsichtiger geworden mit ihren Ausgaben und schauen nach den besten Deals und sie kommen zu eBay … Wir denken auch, dass die Stabilisierung anhalten wird und sich bis zum 4. Quartal hinzieht.

MB: Glauben Sie, dass eBay im Jahr 2010 im Einklang mit dem E-Commerce anwachsen wird?
JD: Das ist unser Ziel. Wir werden versuchen dran zu bleiben.

MB: Wo kommt das Wachstum her?
JD: Wir sehen eine Erholung in unserem Kerngeschäft. Händler sind wieder erfolgreicher, Käufer finden gute Schnäppchen. Es ist ein sicherer Marktplatz, was dann auch wieder zu einem höheren Transaktionsvolumen führen wird.

MB: Nun zu Ihrem Juwel PayPal.
JD: Wir haben 2 Juwelen – vorher 3 – jetzt noch 2. Wir sind gesegnet mit 2 starken Unternehmen und haben 2 bedeutende Standbeine in der E-Commerce-Welt: Online-Bezahldienst und E-Commerce.

MB: Klären Sie uns auf über Bezahldienste. Wie laufen die Geschäfte hier?
JD: Fantastisch. PayPal beispielsweise, hier erreichte der Off-eBay-Service seit Jahresbeginn ein Wachstum von 30%. Ferner stellen wir fest, dass die Konsumenten immer deutlicher erkennen, dass PayPal einen sicheren und bequemen Service beim Online-Bezahlen bietet. PayPal wird in immer mehr Bereichen akzeptiert, Händler auf der ganzen Welt arbeiten mit PayPal.

MB: Es ist ein wirklich erfolgreiches und wichtiges Business für eBay. Aber vielleicht könnte PayPal durch eine Ausgliederung noch profitabler sein. Ziehen Sie manchmal eine Ausgliederung in Betracht?
JD: Für den Moment kann ich nur sagen, dass die Synergien zwischen eBay und PayPal stimmen. Sollten wir irgendwann einmal bemerken, dass dies nicht mehr der Fall ist, dann werden wir eine neue Richtung einschlagen und die beiden Unternehmen so positionieren, dass es für beide optimal sein wird.

MB: Welches Wachstum erwarten Sie von PayPal?
JD: Wir haben schon einmal gesagt: Wir möchten den Erfolg von PayPal verdoppeln, sodass es ein in den kommenden 3-5 Jahren ein 4 bis 5 Milliarden Dollar Business ist. PayPal könnte auch größer werden als eBay, da PayPal alle Bereiche des E-Commerce abdeckt. Eines Maria, da warte ich mit Spannung drauf: Im nächsten Monat werden wir die PayPal-Plattform für Drittentwickler öffnen. Und denken Sie nur an das iPhone, was hat sich da nicht alles getan. Ein bereits bestehender Anfang ist die Verbindung von PayPal mit Twitter: TwitPay.  Bezahlvorgänge sind hier so ausgerichtet, dass sie so einfach sind wie das Verschicken von Twitter-Nachrichten. Es wird Hunderte solcher Applikationen geben, die die Drittentwickler kreieren werden. Ich denke da auch an Mikro- und Makropay-Lösungen und sehr vieles mehr.

MB: Lassen Sie uns einen Blick auf Ihre Cash-Situation werfen. Man sagt, eBay habe sehr viel Geld außerhalb der USA und aus steuerlichen Gründen muss es auch dort bleiben, was ja auch aus wirtschaftlicher Sicht am cleversten ist.
JD:  Ja, das ist wahr. Aber schauen Sie, wir haben den führenden Marktplatz in Korea –Gmarket- gekauft und sind dadurch nun dort in Kombination mit dem koreanischen eBay-Marktplatz klarer Marktführer im E-Commerce. Wir suchen jetzt weiter nach solchen Möglichkeiten außerhalb der USA. Wir möchten eine weltweite Präsenz aufbauen.

MB: Außerhalb Amerikas nach Akquisitionen zu suchen, wo haben Sie da die besten Chancen weltweit eBay-Geschichte zu schreiben?
JD: Indien zum Beispiel. Hier haben wir ein besonders hohes Wachstum und eine führende Position inne. Südamerika, wo wir durch unseren 20%-igen Anteil an MercadoLibre, den dortigen Marktführer, auch Fuß fassen können. Und das Team dort leistet wirklich gute Arbeit. Wir versuchen in Asien zu expandieren und haben ja in Korea schon den Grundstein dafür gelegt.

MB:  Mit dem Einzelhandel zu konkurrieren, das ist eine interessante Position in der sich eBay da befindet. Wenn Sie sich das Einzelhandels-Geschäft und die Kundenzufriedenheit auf der eBay-Webseite anschauen, was sehen Sie dann? Sehen Sie sich in einem Kopf-an-Kopf-Rennen versus Einzelhandel?
JD: Einzelhandel ist ein völlig anderes Business, jedoch nicht für den Käufer. Ein Käufer will preisbewusst einkaufen und das in einem sicheren Umfeld. Und eBay bietet diese Umgebung. eBay ist mittlerweile ganz bestimmt sicherer als es noch vor 18 Monaten war. Die Kundenzufriedenheit nähert sich inzwischen dem des Einzelhandels. Auch wollen die Einkäufer die günstigsten Preise und jede Umfrage in der Vergangenheit hat ergeben, dass eBay die niedrigsten Preise im Online-Geschäft hat.

eBay CEO John Donahoe erneut im Interview mit CNBC was last modified: by

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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