eBay – blutig, aber stabilisiert

eBay - blutig, aber stabilisiertDer Autor eines Artikels in der Forbes.com (Bloody But Stabilizing bei Forbes.com) vergleicht die Reorganisation von eBay mit der Chirurgie: Einige Extremitäten wurden abgetrennt, um den Blutfluss wieder in den Körper gelangen zu lassen. Der Chef-Chirurg John Donahoe amputierte StumbleUpon im letzten Vierteljahr und legte dann Pläne vor, Skype frei zu schneiden. Und all das um eBay und vor allem das Kerngeschäft – die Marktplätze – wieder auf die Beine zu bringen.

Die Prognose von Analysten? Die Triage* funktioniert, aber alles andere ist noch ziemlich blutig. Analysten erwarten, dass eBay am 22.07.2009 bei der Bekanntgabe der Q2-Ergebnisse den Gewinn pro Aktie mit 36 Cent angibt und leicht gesunkene Einnahmen von 2 Milliarden US-Dollar im Vergleich zu 2,2 Milliarden im Jahr zuvor. Die Erwartungen der Finanzexperten stimmen damit mit denen des Managements überein. J.P. Morgan Analyst Imran Khan sagt, dass, eBay zweifellos durch die negativen makroökonomischen Bedingungen und einen Gesamtabschwung im Versteigerungssektor betroffen ist, aber auch  Probleme innerhalb des Unternehmens vorliegen. Khan merkt ebenso an, dass eBay langsamer als seine Mitbewerber anwächst, und auch schwerfälliger als der gesamte Sektor des E-Commerce. „Die größte Herausforderung für eBay gegenwärtig ist, wie der Marktplatz stimuliert werden kann“, so Khan weiter. „Die Zahlen sprechen für sich selbst.“

Ein sehr wichtiger Parameter für die Vitalität des Konzerns ist der Bruttowarenumsatz, also die Menge an Gütern und Services, die über eBays Marktplatz umgesetzt werden. Im letzten Quartal war der Bruttowarenwert um 20% im Jahresvergleich gesunken, die größte Abnahme in der Geschichte eBays. Imran Khan rechnet für das 2. Quartal mit einer Abnahme von 17%, was zumindest ein wenig besser ist als im Vierteljahr zuvor. Der Handelsverkehr ist eine weitere bedeutende Einflussgröße, bei der es momentan so aussieht, dass diese Perspektive sich verbessert. Die Gesamtzahl der Besucher im Q1 sanken um 28%, in April und Mai um 19%, Einzelbesucher-Zahlen reduzierten sich in Q1 um 12%, wohingegen im April und Mai hier der Wert bei 9% lag.

Während eBay momentan damit beschäftigt ist, seine Verluste zu begrenzen, gewinnt sein schärfster Konkurrent im Festpreis-E-Commerce – Amazon – immer mehr an Boden. Trotzdem stellt der Analyst Khan fest: „eBays Gesamtkonstitution verbessert sich Dank der chirurgischen Präzision Donahoes und dem Rest des neuen Management-Teams.“ Allerdings glaubt er auch, dass eBays Marktplätze die Talsohle noch nicht zwangsläufig erreicht haben: „Ich denke eBay hatte ein paar Durchführungsprobleme, doch das neue Team hat gut Arbeit geleistet, diese anzugehen und zu verbessern. Allerdings können diese Probleme nicht an einem Tag gelöst werden.“

*[Die Triage ist ein aus der Militärmedizin herrührender Begriff für die schwierige Aufgabe, bei einem  Massenanfall von Verletzten/Kranken darüber zu entscheiden, wie die begrenzten Mittel (personell und materiell) auf sie aufzuteilen sind.]

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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