China stoppt Elektroschock-Therapie bei Internet-Abhängigen

gehirn.jpgZwar wird immer häufiger über das Problem Internet-Sucht berichtet und darüber geforscht, doch da es sich bei der Online-Sucht derzeit noch um ein relativ junges Phänomen handelt, befindet sich auch die Entwicklung der entsprechenden Therapieansätze noch eher in den Kinderschuhen. China hatte versucht mit Elektroschocktherapien gegen die Sucht vorzugehen, was jedoch nun vom chinesischen Gesundheitsministerium mit sofortiger Wirkung verboten wurde. Wie die Tageszeitung China Daily berichtet, begründet das Ministerium den aktuellen Schritt in erster Linie mit dem fehlenden Beweis, dass die angewandte Behandlungsweise überhaupt den gewünschten Erfolg erbringt. Allerdings haben wahrscheinlich ebenfalls die vermehrt im Netz auftauchenden Darstellungen von ehemaligen Patienten dafür gesorgt, das sofortige Verbot auszusprechen. Die betroffenen Patienten berichten darin von unbegreiflich einschränkenden Lebensbedingungen. So mussten die Internet-Abhängigen etwa die Therapiesitzungen kniend vor ihren Eltern verbringen und durften über nichts anderes sprechen außer ihrem Bemühen, gegen das eigene Suchtverhalten anzukämpfen.

Im Gespräch mit pressetext übt Bernd Dillinger, Mitarbeiter des Info-Portals IPOS (www.onlinesucht.at), Kritik an der chinesischen Behandlung: „Dass in China versucht wird, Online-Süchtige mithilfe von Elektroschocks zu heilen, ist mir persönlich völlig unbegreiflich. Ein derartiges Vorgehen ist wohl nur in totalitären Staaten möglich, bei uns wäre so etwas gänzlich undenkbar.“ Für den Experten ist es sinnvoll, etwaige Behandlungen, wenn möglich individuell auf den jeweiligen Einzelfall abzustimmen. Außerdem, so der Fachmann weiter, seien bei der Therapie verschiedene Aspekte zu beachten: „So ist es beispielsweise enorm wichtig, die Internet-Sucht stets als wertfreies Thema zu behandeln und dem Patienten verschiedene attraktive Freizeitmöglichkeiten aufzuzeigen, die ihm den Weg aus der Virtualität ermöglichen.“

Ein wichtiger Indikator für die steigende Zahl der Betroffenen ist die Zunahme der Hilfsanfragen. Repräsentative Zahlen jedoch gibt es laut Dillinger noch nicht: „Was die Zahl der Online-Süchtigen betrifft, sind wir mit unseren Schätzungen sehr vorsichtig. Dies liegt zum Teil auch daran, dass es mehrere unterschiedliche Studienergebnisse dazu gibt, die aufgrund unterschiedlicher Methodik sehr divergierende Zahlen liefern.“ Grundsätzlich geht er allerdings davon aus, dass zur Zeit 1,5 bis 3% der Gesamtheit der Internet-User als vom Internet abhängig zu bezeichnen sind.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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