Mit Schneeballsystem über 1 Mio. Euro bei eBay umgesetzt – Betrüger nun vor Gericht

polizei.jpgRund 415.000 Euro Schaden haben 5 junge Männer zwischen 23 und 29 Jahren angerichtet, indem sie zwischen November 2006 und Januar 2007 über eBay in fast 200 Fällen Gold, Silber und Platin, in Barren oder Münzen, verkauft, aber nicht geliefert haben. Nun müssen sie sich vor der großen Jugendkammer des Landgerichts Amberg verantworten. Mehr als 50 Minuten brauchte der Staatsanwalt, bis er die Liste der Opfer vorgelesen hatte. Die Betrugsopfer kommen aus der ganzen Bundesrepublik, aber auch aus Österreich. Die meisten haben um die 700 Euro verloren, manche aber auch Summen um die 14.000 Euro.

Landgerichtspräsident Dr. Wolfgang Schmalzbauer machte direkt zu Anfang der Verhandlung klar, dass der Tatbestand des gewerbsmäßigen Betrugs durchaus in Betracht komme. Einer der 5 Angeklagten, ein 25-jähriger Kaufmann, sitzt bereits wegen einer anderen Straftat in der JVA Amberg ein. Er war bereits Anfang des Monats zu 2 Jahren Haft verurteilt worden, weil er Rolex-Uhren im Internet für über 50.000 Euro angeboten – aber nur China-Fälschungen im Wert von 20 Euro verschickt hatte. Sowie es aussieht ist er auch der Kopf der Betrügerbande. Schmalzbauer stellte fest: „Die Strategie aus meiner Sicht ist die: Ich habe kein Geld und ich versuche, potenzielle Käufer zu bekommen. Die sollen zahlen, ich bemühe mich, mit den Geldern einzukaufen und sie möglicherweise zu befriedigen.“

Im Laufe der Verhandlung wurde klar, der Verkauf lief über ein Schneeballsystem. Über einen gut bewerteten eBay-Account von einem der Mitangeklagten boten die Angeklagten Edelmetalle an. Zwischen der Zahlung und der versprochenen Auslieferung lagen 30 bis 60 Tage. In diesem Zeitraum kauften die Angeklagten Ware mit dem bereits eingegangenen Geld ein, um den Bestellungen nachkommen zu können. Dies gelang allerdings nur zum Teil. Erste Verhöre nach der Festnahme ergaben, dass fast 1.100 Versteigerungen getätigt worden waren mit einem Umsatz von 1,1 Millionen Euro. Für rund 600.000 Euro wurden Edelmetalle gekauft und etwa 400.000 Euro blieben unauffindbar.

„Ich habe im guten Glauben gehandelt“, so der Inhaber des Accounts, der mitangeklagte 25-jährige Student. Sein Account sei bei den Kunden anerkannt gewesen. Er habe ihn betrieben, um sein Studium zu finanzieren und habe durch Verkäufe ein paar 100 Euro im Monat verdient. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt, wobei die Arbeit am Landgericht noch eine Weile andauern dürfte. Die Juristen nehmen jedenfalls an, dass die bisher angesetzten 5 Verhandlungstage wegen der Feststellung der genauen Tatbeteiligungen nicht genügen werden.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Gesetz, Sicherheit

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