Frerk-Malte Feller zur Situation bei eBay.de in Krisenzeiten

Seit Januar 2009, als Stefan Groß-Selbeck zu Xing wechselte, ist Frerk-Malte Feller der neue Deutschland-Chef von eBay. Feller hätte sich für seinen neuen Posten keine schwierigere Zeit aussuchen können, da die Konsumlandschaft, bedingt durch den Konjunkturrückgang, in einer schweren Krise steckt. Bei einem Interview mit MEEDIA erklärt der eBay-Deutschland-Chef, wie man bei eBay versucht, mit den Problemen umzugehen.

Befragt nach den momentanen Trends im Internet antwortet Feller, dass Soziale Netzwerke, mobiles Internet und Cloud-Computing gegenwärtig richtungsweisend seien. Hinzu kämen eine stärkere Öffnung des World Wide Webs für Widgets und Applikationen, wie das iPhone oder Facebook es vormachten. Durch die neuen Anwendungen würden neue Userwerte gestaltet.

Meedia weiter: Welche Rolle spielen die Entwicklungen bei eBay?
Feller antwortet: „eBay hat schon immer davon gelebt, dass wir die Plattform für den Marktplatz bieten. Einzelne Bereiche werden wir mittels APIs öffnen. Fortschrittlicher sind wir in anderen Bereichen: Die haben die Entwicklung im E-Commerce maßgeblich geprägt und beobachten die neuesten Shopping-Trends mit Gelassenheit.“ Die neuen Shopping-Tendenzen seien beispielsweise Ein-Tages-Verkäufe(One-Day-Sales) oder auch, die sich immer mehr verbreitenden Einkaufs-Clubs, wie Brands4Friends oder etwa Social Shopping. Zwar fügt Feller hinzu, dass dies alles Modewörter und Versuche seien, neue Strömungen zu schaffen, aber diese seien auf dem Online-Marktplatz eh schon zu finden.

MEEDIAwollte wissen inwiefern diese schon bei eBay zu finden seien, worauf Feller meinte: „Dem Käufer geht es um mehr als lustige Modelle oder Wortspielchen. Die Frage ist doch, was beim Online-Kauf wirklich zählt…“ Und das sei Dreierlei: 1. die Auswahl der Artikel, 2.  die Preise und 3.  die Kaufabwicklung. Alle drei Dinge stünden bei eBay im Vordergrund. Nachdem John Donahoe, nach dem Rücktritt von Meg Whitman, die Zügel in die Hand genommen hat, wurden einige Neuerungen bei eBay eingeführt.

MEEDIA fragte Feller, wie weit man seit dem Amtsantritt John Donahoes vor einem Jahr vorangekommen sei?
Feller: „Ich kann nur für eBay Deutschland sprechen, aber wir haben bereits ein gutes Stück des Weges zurückgelegt. Wir haben in den letzten 10 Jahren allein über eBay.de über eine Milliarde Artikel im Wert von 42 Milliarden Euro umgesetzt. Generell sind wir dabei, uns auf unsere Kernkompetenzen zu konzentrieren. Der Fokus liegt auf höchster  Kundenzufriedenheit. Der Käufer soll bei uns einfach einen guten Einkauf machen.“

MEEDIA: Gleichwohl ist auch eBay gegenüber den Auswirkungen der Wirtschaftskrise nicht immun. Im vergangenen Quartal brachen die Umsätze um 8 und die Gewinne um 22% ein. Wie steuert eBay gegen?
Feller verweist hier darauf, dass eBay, parallel zum Beginn der ökonomischen Krise, ein neues Business-Modell eingeführt sowie die Gebühren gesenkt habe. Hierdurch sei man den Anliegen der Verkäufer entgegengekommen. Auch sei man sich bei eBay darüber klar gewesen, dass der Umsatz durch die Neueinführungen leide, aber „der Erlös-Rückgang ist gewollt“.
MEEDIA: Betrachtet man den Mitbewerber Amazon, so stellt man fest, dass auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten, mit dem E-Commerce Geld zu verdienen ist. Was macht Amazon richtig, was eBay ausgelassen hat?
Feller erwidert, dass die Geschäftsmodelle unterschiedlich und nicht vergleichbar seien. Amazon mache einen guten Job, keine Frage, wie am Beispiel von Amazon Prime sehe, das gut angenommen wurde. Er warnt jedoch vor einer Überbewertung, da es immer Zyklen seien. Ferner habe man ein Konzept, mit dem man für die Zukunft gut gerüstet sei, so Feller. Zur Verdeutlichung erklärt er, dass man bei eBay.de nach den Umgestaltungen des Geschäftsmodells das Angebot von ständig 8 Millionen Artikeln auf mehr als 30 Millionen Artikel ausgeweitet hätte. Ebenso führte er das Outlet-Konzept an, das vor kurzem eingeführt wurde, bei dem Markenhersteller sich eigene Markenshops einrichten können.

Letzter Punkt des Gesprächs war die eBay-Tochter Skype und deren Abspaltung von eBay.
MEEDIA: Warum verkaufen Sie eigentlich Ihr Filetstück, das immer besser angenommen wird und immer nachhaltigere Gewinne einfährt?
Feller äußert sich in seiner Antwort ähnlich wie Donahoe in der Vergangenheit, nämlich dass man den Telefonie-Anbieter „möge“ und sich der Dienst sehr gut entwickelt habe. Dessen ungeachtet richte sich jedoch der Fokus auf das Kerngeschäft, zumal die Synergieeffekte zwischen dem Kerngeschäft und Skype zu begrenzt seien.


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