Verliert eBay seine Kunden an Kleinanzeigenmärkte?

schilder.jpgScot Wingo von ebaystrategies hat sich des Öfteren schon mit dem Rückgang der Zahlen bei eBay beschäftigt und Amazon als den “Schuldigen? für das rückläufige Geschäft ausgemacht. Ob das allerdings stimmt, stellt er mit seinem aktuellen Artikel selbst in Frage.

Wingo gibt zu bedenken, dass eBay in den Rezessionsjahren 2000/2001 antizyklische Züge aufwies. Die Leute nutzten die damalige Zeit um ihren Dachboden zu entrümpeln, ihre Garagen aufzuräumen und um die dort gefundenen Dinge auf eBay in bare Münze umzuwandeln. Damals verloren die Zeitungen Geld, weil das klassische Kleinanzeigengeschäft schwächelte, denn die Leute nutzten statt der Inserate lieber den Online-Marktplatz, um ihre Gegenstände zu verkaufen. eBay zeigt damals auch mehr regionale Aktivität, sodass die Leute ebenso nach Objekten in ihrer Gegend Ausschau halten konnten. Leider haben sich die lokalen Aspekte bei eBay in den letzten Jahren verflüchtigt. In der gegenwärtigen Rezession hat eBay seinen Antizyklismus verloren, warum? Wingo hat wie gesagt Amazon dafür „verantwortlich“ gemacht, aber einige neue Daten werfen ein großes Licht auf den Kleinanzeigenmarkt, dessen Nutzung in den letzten 4 Jahren um das Doppelte angestiegen ist.

Das Pew Internet Project hat einen Bericht herausgegeben aus dem hervorgeht, dass die Verwendung von Kleinanzeigenseiten, hier vor allem Craiglist, zwischen 2005 und 2009 verdoppelt wurde. Der Studie zufolge benutzten 50% der Online-Besucher Kleinanzeigenseiten. Zeitungskleinanzeigen hatten gegen Ende der 90 Iger-Jahre ihren Höhepunkt und mussten sich dann eBay geschlagen geben. Schließlich fanden sie eine Nische bei sogenannten No-Produkt-Artikel, die auf eBay nicht oder weniger angeboten wurden, wie beispielsweise Jobs, Fahrzeuge oder Immobilien. Etwa im Jahr 2005 hatte sich der Markt dann wieder einigermaßen erholt. Wie groß aber ist mittlerweile der Einfluss auf eBay?

Tatsache ist, dass eBay die Transaktionen auf dem Marktplatz nicht nach Verkäufer-Typen, wie Privatpersonen, Kleinunternehmern oder ähnlichen, aufgliedert. Dadurch kann man als Außenstehender auch nicht sagen, wie hoch der Anteil an Privatverkäufern und deren Anteil am Gesamtwaren-Umsatz ist, und wie viele von diesen mittlerweile dem Online-Marktplatz den Rücken zugekehrt haben. Geht man nun bei Craiglist weltweit von mittlerweile etwa 40 Millionen Besuchern aus und nimmt an, dass etwa die Hälfte davon Waren einkaufen und die anderen sich für Immobilien, Jobs oder andere Angebote interessieren, dann sieht man, dass eBay sich in einem strategischen Dilemma befindet. Zumal Craiglist Privatverkäufer anzieht und das lokale Element bei den Angeboten nicht außer Acht zu lassen ist. Es wird interessant werden zu beobachten, wie sich eBay aus dieser Bedrängnis heraus manövrieren wird und ob man nicht doch aggressiver gegen Craiglist und Amazon an arbeiten müssen.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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