Deutscher eBay-Betrüger zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

Nicht nur in den USA sind lange Haftstrafen für eBay-Betrügereien an der Tagesordnung, auch deutsche Richter ziehen mittlerweile nach. So wurde jetzt ein Eisenacher zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Am Landgericht Meiningen legte der Angeklagte ein ausführliches Geständnis über insgesamt 49 Gaunereien und 2 Diebstähle in den Jahren 2007 und 2008 ab und wurde nun rechtskräftig verurteilt. Mit den Erlösen aus seinen Betrügereien finanzierte der Eisenacher seine Drogensucht und einen ausschweifenden Lebensstil.

Auf dem Online-Marktplatz eBay hatte der 35-Jährige unzählbare teure Computer, Fotoapparate sowie Telefone und anderes mehr unter falschem Namen bestellt. Bis hierhin noch nicht besonders außergewöhnlich. Vor dem Eintreffen der Artikel allerdings hat er dann in Eisenach und Umgebung eine große Anzahl an nicht mehr genutzten Briefkästen mit den imaginären, bei eBay benutzten Namen vorbereitet. Die Lieferscheine der entsprechenden Sendungen hat er später aus den Briefkästen herausgenommen und bei den Poststellen, die an REWE-Märkte angeschlossen sind, die Paketsendungen abgeholt. Einmal wöchentlich fuhr der Eisenacher dann nach Erfurt und veräußerte die Gegenstände bei einem Libanesen.

Laut eigener Aussage war er stark abhängig von Kokain und brauchte das durch den Verkauf erzielte Geld zur Drogenbeschaffung. Interessanterweise glaubten die Richter ihm seine starke Drogensucht nicht, denn mit angeblich 15 Gramm Kokain wöchentlich sind oben geschilderte kriminellen Handlungen kaum noch möglich. Also zogen sie einen psychiatrischen Gutachter zu Rate. Dieser sollte herausfinden, ob der Beklagte ein cleverer Gauner ist oder psychische Probleme haben könnte. Ein unbeschriebenes Blatt jedenfalls war er nicht. Der Gutachter kam zu dem Schluss, dass sich über viele Jahre hinweg eine seelische Drogen-Abhängigkeit aufgebaut hatte, allerdings nicht in dem Ausmaß in dem der Angeklagte sie dargestellt hat. Die Richter in Meiningen gaben ihm noch eine Chance, indem sie den 35-Jährigen in Therapie schickten, wobei er davor jedoch noch eine bereits in Eisenach erhaltene 3-jährige Haftstrafe absitzen muss.

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



Kategorien: Recht & Sicherheit

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