Krise in der Zeitungsbranche – Online-Auftritt ist kein Allheilmittel

Ein immer größer werdendes Thema in der Zeit des Internets als Massenmedium ist die Krisenbewältigung der Zeitungsbranche. Zeitungsverlage, die im Hinblick auf finanzielle Schwierigkeiten mit der gänzlichen Verlagerung ihres Printprodukts in das Internet nachdenken, sollten sich diesen Schritt noch einmal ganz genau überlegen.

Forscher der City-Universität London haben in einem aktuellen Bericht aufgezeigt, dass die Herausgabe einer „Online-Only“-Veröffentlichung nämlich bei weitem nicht so viel versprechend ist wie bisher angenommen. Als negatives Beispiel führen die Fachleute die finnische Finanzzeitung Taloussanomat an, die seit 28. Dezember 2007 aus Kostenreduktionsgründen nur noch online erscheint. Die Umstellung brachte der täglich erscheinenden Zeitung mindestens 75% an Umsatzeinbußen. Verantwortlich hierfür sind laut Bericht vor allem die fehlenden Werbe- und Abonnementeinnahmen aus dem Printgeschäft. Ebenso blieb die erhoffte Zunahme der Besucherzahlen auf der Webseite aus.

Neil Thurman, Dozent an der City University London, bestätigt in seiner Darstellung, dass der Internet-Verkehr auf der entsprechenden Seite nach der Umstellung auf ein reines Internet-Produkt zwar vorübergehend leicht angestiegen sei, aber über einen Zeitraum von 5 Monaten gerechnet, seien die Besucher- und Zugriffszahlen um etwa 22% gesunken. Im Vergleich zu der Woche, in der Taloussanomat noch ein letztes Mal als Printausgabe erschienen ist, entspricht das einem Rückgang um 11%. Thurmann stellte weiterhin fest: „Wir haben eigentlich geglaubt, dass der Verzicht auf ein Printprodukt der Zeitung einen deutlichen Schub in puncto User-Traffic auf der eigenen Webseite einbringen wird. In der Realität konnten wir aber nichts Vergleichbares beobachten.“ Zu ähnlichen Resultaten kam der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), deren Sprecherin Anja Pasquay auf Anfrage von pressetext sagte: „Verschiedene Untersuchungen haben bereits deutlich gezeigt, dass der Print- nicht durch den Online-Bereich zu substituieren ist. Natürlich kann man auf Basis eines spezifischen Falls zwar kein pauschales Urteil für die gesamte Zeitungsbranche abgeben, die vollständige Verlagerung ins Internet erscheint mir aber nicht der richtige Weg zu sein, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Meiner Meinung nach geht es vielmehr um ein vernünftiges Verknüpfen des Print- und des Online-Bereichs.“

Ein wichtiger Grund, warum mit Zeitungen im Internet noch nicht viel Geld zu verdienen ist, liegt auch daran, dass Nutzer an Webinhalte entsprechende Erwartungen knüpfen. „Die Nutzer sind nicht bereit, Geld für Online-Inhalte von Zeitungen zu bezahlen. Hinzu kommt das Problem, dass im Internet eingesetzte Werbeanzeigen den Unternehmen noch bei weitem nicht so viel Umsätze einbringen wie ihre Print-Pendants“, so Anja Pasquay. Der Absturz des reinen Online-Auftritts von Taloussanomat zeigt wieder einmal mehr, dass die Leserschaft im Netz nicht mit der von Tageszeitungen gleichzustellen ist. Internet- und Printprodukte sind zwei Paar verschiedene Schuhe, die auch unterschiedliche Menschen anziehen.


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