Die Neuerungen bei eBay aus Sicht der Käufer, Verkäufer und Analysten

Nachdem eBay vor kurzem bekanntgegeben hat, dass die Ankündigungen zu Neuerungen zweimal jährlich stattfinden, hat die erste Mitteilung nun am 14. April 2009 stattgefunden, die zweite wird wahrscheinlich um den 15. Juni herausgegeben. Die sogenannte „Frühjahrsankündigung“ wurde nun von Scot Wingo etwas näher betrachtet.

eBays Bewegung hin zu einer zweimal jährlichen Ankündigung empfindet Wingo als positiv, sowohl für Händler als auch deren Partner, unter ihnen auch ChannelAdvisor, dessen CEO Scot Wingo ist. In der Vergangenheit war es sehr schwierig, gerade auch für Händler, zu planen oder detailliert auf die ständig neuen Veränderungen zu reagieren. Er betrachtet die Neuerung im Mitteilungsmodus als äußerst gelungen und erklärt: „… Das Unternehmen eBay hört anscheinend nicht nur zu, sondern setzt Dinge nun ebenso um.“ Natürlich sind einige Händler noch sehr skeptisch, vor allem, weil bislang noch nicht eindeutig klar ist, welche Veränderungen als Hauptänderungen angesehen werden – und damit zum  Frühjahr und zum Herbst veröffentlicht werden, und welche als kleinere Änderungen betrachtet werden und damit einfach zwischendurch bekanntgegeben werden.

Die Reduktion der Veröffentlichungen auf zweimal pro Jahr gibt eBay auch die Chance, Dinge die verbessert werden sollen, wirklich zu überdenken und nicht in einer Nacht und Nebelaktion Veränderungen auf den Tisch zu bringen. Was wurde nicht geändert? Die Einstellgebühren! Es war ein aufreibendes erstes Quartal für die Händler, das sie mit Warten und wieder Warten verbringen mussten, denn jeder fragte sich, wird eBay die Gebühren erhöhen oder nicht? Interessanterweise hat eBay die Gebühren so belassen, wie sie im letzten Jahr eingeführt wurden. Einige der Verkäufer wird es freuen, andere sind enttäuscht, haben sie doch gehofft, dass eBay Gebühren senken oder komplett streichen wird. Die Wall Street spekuliert unterdes, ob eBay in der „Herbstankündigung“ Gebührenfreiheit bekanntgeben wird.

Jetzt jedoch zu den “Frühjahrsänderungen?.Scot Wingo beleuchtet diese für Händler, Käufer und aus der Sicht von Wall Street(lern). Aufgeteilt hat er seine Gedanken in 3 Kategorien: Kaufverbesserungen oder verbesserte Kauferfahrung, Retouren und Garantien(Sicherheit) und Händler-Maßnahmen.

1. Verbesserte Kauferfahrung: Neue Artikelseite, Foto-Zoom, Katalogseiten, Produkte mit mehreren Varianten.

Käufer – zunehmend positiv, da oben genannte Verbesserungen auf Käufer zugeschnitten sind. Wingo ist sich allerdings nicht sicher, ob die Katalogseiten von den Käufern so angenommen werden wie von eBay erhofft, da sie die „Amazonifizierung“ erneut verstärken und eBay dadurch wieder ein bisschen mehr seine Einzigartigkeit verliert.

Händler – geringfügig positiv, jedoch auch gemischt mit negativen Aspekten.Die Kataloge werden für Händler, die dieses System noch nicht nutzen, zusätzliche Arbeit bedeuten. Das Einstellen von Produkten in mehreren Varianten ist allerdings eine sehr große Veränderung, und nicht die schlechteste.

Wall St – neutral, einige suchen hier noch nach dem Silberstreifen am Horizont, was die Herausforderungen anbelangt. Wingo hört oft: „Können sie nicht einfach die Suchabfolge verbessern und dieses Ding befestigen?“ Seine typische Antwort besteht darin, dass er anmerkt, eBay mit Amazon zu vergleichen ist schwierig, zumal eBay etwa 100-200 Projekte hat, die sie noch bearbeiten müssen. Eine andere interessante Sache ist die, dass es immer noch einige Analysten gibt, die das GMV, also den Gesamthandelsumsatz auf eBay, mit den Daten zu den Artikeleinstellungen (fälschlicherweise) gleichsetzten. Das wird spannend zu beobachten, denn durch die neue Varianten-Angebotsmöglichkeit wird die Anzahl der Einstellungen, vor allem bei Kleidung, dramatisch sinken –was dann? Was werden die Experten dann schreiben, wenn die Anzahl der Artikeleinstellungen in der Kategorie Bekleidung in den nächsten 6 Monaten um 75% sinken wird?

2. Sicherheit

Hier nimmt eBay 2 wichtige Änderungen vor. Das erste ist: Sie sind dabei, es für Käufer einfacher zu machen Retouren zu beantragen. Hierfür wird es einen allgemeinen Anlaufpunkt geben, auf dem man Rückgaben anmelden kann. Mit dem neuen eBay-Rücknahmeprozess, der in Deutschland ab Mitte Juni in Kraft treten wird, integriert eBay einen Entwicklungsgang in den deutschen Online-Marktplatz, mit dem die Rückgabe der Ware einfach und übersichtlich direkt über das eBay-System abgewickelt und dokumentiert werden kann. Vorgesehen ist in Deutschland folgender Ablauf: Der Käufer leitet den Prozess entweder über die Artikelseite oder „Mein eBay“ ein. Er bekommt nun die Retourenadresse und einen Rücksendeschein des Händlers angezeigt, der alle wichtigen Informationen enthält und ausgedruckt werden kann. Der Rücksendeschein vereinfacht dem Händler die Identifizierung und Zuordnung der Rücksendung beim Eintreffen der Ware. Im letzten Schritt initiiert der Verkäufer die Rücksendung des Kaufpreises – entweder über PayPal oder per Überweisung.

Das Zweite sind die Konfliktlösungen, wobei es hier noch einige Unklarheiten auf Seiten der Händler gibt.

Käufer – sehr positiv – Als Käufer, der ein Problem mit Artikeln hatte, die nicht wie beschrieben ausgeliefert wurden oder schlichtweg gar nicht geliefert wurde, musste man bisher eine Menge an Nachweisen erbringen, um die Ware zurückgeben zu können. Daher haben hier die Käufer in jedem Fall gewonnen. Allerdings sollte man auch hier erst einmal abwarten, wie hoch der bürokratische Prozess sein wird.

Händler – negativ – Sowohl eBay als auch PayPal sind von ihrer Geschichte her dafür bekannt, auf der Seite der Käufer zu stehen. In der Streitschlichtgeschichte hieße das, eBay wird vielleicht noch schneller als bisher den „Schuldnerbetrag“ vom Händler PayPal-Konto abziehen. Gerade kleinere Händler werden die neue Retourenpolitik nicht begrüßen.

Wall Street  – positiv – Die Wall Street wird die neue Retourenregelung als einen positiv Aspekt aufnehmen, da sie eBay immer mit Amazon vergleichen, und in ihren Augen wenigstens hier eine der (aus ihrer Sicht vielen) Lücken geschlossen wird.

3. Leistungsfähigkeit der Händler

eBay hat eine Reihe von Ankündigungen vorgenommen, aus denen hervorging, dass die Leistungsfähigkeit der Händler unterstützt werden soll. Die meisten handelten von Verkäufer-Tools, die allerdings von großen Händlern oft gar nicht genutzt werden, sodass sie eigentlich nur kleinen Händlern zugute kommen. Die neue Funktion „Häufige Kundenfragen“ – FAQ-Feature- könnte ein Gewinn sein, aber auch hier muss man erst mal abwarten. eBay stellt dabei seinen Händlern ab Mitte Juni eine professionell gestaltete Vorlage für oft gestellte Fragen zur Verfügung, in der die wichtigsten Informationen aus dem Angebot zusammen mit Fragen und Antworten kombiniert sind. Der Verkäufer kann diese selbst konfigurieren.

Käufer  – keine Auswirkung

Händler – positiv – Es ist gut, dass eBay sich langsam auch mal Gedanken über die Händler macht, auch wenn es ihnen schon reichen würde, dass die Gebühren gesenkt würden.

Wall Street – neutral- 

Zusammenfassung: Wingo ist der Ansicht, dass es alles in allem ein ausgewogenes Verhältnis an Veränderungen ist. Manche Neuerungen begünstigen die Käufer, was die Händler nervös macht, bei anderen werden die Händler bevorteilt. Andere Veränderungen tragen nach sich, dass die Händler noch eine Menge Arbeit vor sich haben bis zum 15. Juni 2009 – Beispiel Produkte mit Varianten.


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