Kann eBay die Lücke zu Amazon noch schließen?

Drei bekannte eBay PowerSeller wurden von dem Bernstein Analysten Jeffrey Lindsay zu einem „Conference Call“ eingeladen, um gemeinsam über eBay zu sprechen, und darüber, ob eBay die Lücke zu Amazon irgendwann schließen kann. Die drei Händler versuchten ein Bild von eBay zu zeichnen und stellten unter anderem fest, dass sowohl die Rezession, als auch Amazon dem Online-Marktplatz schwer zusetzen. Skip McGrath, eBay Gold PowerSeller, Steve Lindhorst, ein ehemaliger eBay University Lehrer und Ron Saxton, dessen Image Warehouse zu den eBay PowerSellern gehört, waren die „Geladenen“. Lindhorst und McGrath nutzen beide sowohl eBay und Amazon, Saxton eBay, Amazon und Overstock als Verkaufskanäle.

Im Folgenden nun die wichtigsten Eckpunkte des Gesprächs: Außer Saxton, der Tintenpatronen auffüllt und weiterverkauft und damit seine Verkäufe um 15% hochpuschen konnte, hat keiner der beiden anderen PowerSeller einen Anstieg der Verkäufe feststellen können. Zu Amazon stellten alle drei fest, dass obwohl die Gebühren bei Amazon höher sind als bei eBay, 15% gegenüber 12%, verkaufen sie alle lieber bei Amazon. Die Gründe dafür liegen in der höheren Automatisierung, dem besseren Verkaufsmodell mit weniger Bürokratie und dem Zugang zu den Amazon Fulfillment Services. Alle stellten bezüglich des Fulfillment Dienstes fest, dass eBay diese Vorteile auch bieten könnten, wenn sie sich dazu entschließen würden, Fulfillment Dienste anzubieten.

Saxton erklärte:„Ich habe Juli 2008 angefangen, mein Business auf Amazon aufzubauen und seit dieser Zeit jeden Monat ein kontinuierliches Wachstum erfahren. Das Potential auf Amazon ist sehr groß, viel größer als auf eBay, wo ich mittlerweile im zwölften Jahr verkaufe. Die große Frage, die sich stellt: Warum zieht eBay nicht mit Amazon gleich? Meine Vermutung: eBay ist nicht in der Lage das Informations-System von Amazon auf eBay anzugleichen und zu übertragen. Ein System, bei dem sehr viel automatisiert wurde und damit eine Menge der E-Commerce-Probleme gelöst wurden.  McGrath ergänzend zu den Kommunikations-Debatten bei eBay: „Die Produkte, die ich auf Amazon veräußere, liegen in der Preiskategorie zwischen 200 und 300 Dollar. Und ich finde, dass Amazon mich sehr gut behandelt. Ich hatte nie irgendwelche Probleme. Bisher hatte ich eine Rücksendung und es ging sehr friedvoll ab – jeder war hinterher zufrieden und glücklich. eBay hingegen kann in dem Punkt Retouren eine Herausforderung sein. Vor allem seit den vielen Änderungen im letzten Jahr und der mangelnden Kommunikation eBays mit seinen Händlern.

Das Business auf Amazon ist für Händler deshalb einfacher, weil es weniger zeitintensiv ist, weniger Arbeitsaufwand verlangt und nicht so viel Kommunikation notwendig ist. Das Ding auf eBay ist, dass das Feedback und die detaillierten Händlerbewertungen enorm hoch sein müssen, um in den Genuss von Rabatten zu kommen oder einen guten Platz in der Suchabfolge zu erhalten. Hierfür muss man einen gnadenlos hohen und fast nicht mehr durchführbaren Kundenservice bieten, was beispielsweise meiner Frau und mir, die wir nur zweit unsere „Firma“ betreiben, bald nicht mehr erfüllbar ist. Meine Frau kümmert sich um die Kunden, um das Geschäft am Laufen zu halten und das von früh bis abends sehr spät. Bei Amazon sieht es so aus, dass wir eine Bestellung auf meinen Computer bekommen, meine Frau schickt diese auf die Webseite des Herstellers, dieser verschickt die Ware und ich bin fertig mit meiner Arbeit. Also wirklich einfach und nicht so zeitaufwändig“.

Über ein Thema sind sich alle drei Powersellerr einig: eBay wird mit seiner neuen Strategie, Discounter und Insolvenzanbieter auf die Plattform zu holen, scheitern. Zwar wird hierdurch das Volumen erhöht, aber die Einnahmen und Gewinnspannen werden darunter leiden. Warum? Es wird mehr Artikelangebote geben, eine niedrige Sell Through-Rate und das ganze Durcheinander wird die Händler weiter von eBay entfernen. Bei allen genannten Nachteilen gibt es für die drei PowerSeller aber auch noch einige positive Aspekte, die allerdings nur wenige bemerkt haben. eBay konnte die Betrugsrate senken und positioniert PayPal sehr gut. Einfacher gesagt, eBay hat die Verbraucher-Erfahrung verbessert, sollte aber noch dringend mehr Gewicht auf Marketing legen.

Jeffrey Lindsay, der Bernstein Analyst, erklärt zum Ende des Gesprächs: „eBay hat noch viele Verbesserungen vorzunehmen und könnte in manchen Kerngebieten sehr viel besser sein:

  • Die Suchabfolge kränkelt noch und ist sehr schwach.
  • Die Webseite hat immer noch einen Flohmarkt-Look und „fühlt“ sich auch so an.
  •  eBay müsste die Artikeleinstellung weniger arbeitsintensiv und einfacher gestalten, wie Amazon es auch schon macht. Vielleicht wäre der Einsatz eines Strichcode-Lesegerätes möglich.
  • eBay sollte den Auktionsbereich nur noch für einzigartige, seltene Erzeugnisse und Sammlerstücke nutzen, und diesen Business-Bereich dann auch von den restlichen Verkäufen trennen. eBay Express ist zwar gescheitert, aber das lag wohl eher an der schlechten Durchführung und der mangelnden Bekanntheit, an der man hätte arbeiten müssen. Vielleicht sollten die Verantwortlichen darüber noch einmal nachdenken.
  • eBay sollte Fulfillemt Services anbieten.
  • Der grenzüberschreitende Handel wurde von eBay unterdrückt – das war eindeutig ein Fehler
  • Das Auslagern der Keywords zu Microsoft war ebenfalls ein Fehler und verursacht sehr viel weniger Handelsverkehr, als zu der Zeit zu der man mit Google zusammenarbeitete.
  • Und zum Schluss: John Donahoe könnte sehr viel mehr tun um Händler zu umwerben. Er sollte sich vielleicht auch weniger analytisch und „cool“ geben, denn so wird er von der Händler-Gemeinschaft empfunden.

Fazit: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eBay die Lücke schließen wird. Amazon ist nicht der Typ Unternehmen, der still steht und eBay entwickelt sich zu langsam nach vorne. Bevor eBay auf dem gleichen Niveau mit Amazon stehen könnte, hat Amazon schon wieder angezogen und sein Tempo hinsichtlich der Weiterentwicklung erneut gesteigert. Lindsay ist der Meinung, dass eBay seine Wachstums-Pläne begraben und zu dem zurückkehren sollte, was man bei eBay am besten kann – den Auktionen.


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