Scot Wingo, CEO von Channeladvisor, im Interview zum Analysten-Tag

Scot Wingo, CEO von ChannelAdvisor, und gleichzeitig ein langjähriger Beobachter von eBay, hat Tamebay ein Interview zum eBay Analysten-Tag gegeben. Scot Wingo hat dem Analysten-Tag in San José selbst beigewohnt.

Tamebay: Es war eine Menge, was die Verantwortlichen von eBay präsentiert haben. Gab es in Ihren Augen etwas wirklich Neues?

Wingo: Tja, es gab einiges an Wagemutigem rund um PayPal. Auf Seiten des eBay-Marktplatzes habe ich mir folgendes notiert:

  • eBay verbürgt sich für Transaktionen, es gab keine Details, aber es ist eine interessante Idee und könnte der Sicherheit auf der Seite dienlich sein.
  • Sekundärmarkt, hier wartete eBay mit einer neuen Terminologie auf, was ich glaube, einzigartig ist für eBay (oder mit anderen Worten ich habe noch nie vorher davon gehört). Zu diesem secondary market erklärte eBay, gehört in erster Linie der Verkauf von Liquidationsware, was eBay dann als „secondary market“ bezeichnet.

Tamebay: Als langjähriger eBay-Beobachter, was war der signifikanteste Eindruck, den Sie von diesem Tag hatten?

Wingo: eBay holt ganz klar PayPal aus dem Dunkel ans Licht und nennt PayPal sogar ihr 2. Kerngeschäft, was in meinen Augen ein ganz klarer Widerspruch in sich ist. Was den eBay Marktplatz anbelangt – das war alles enttäuschend. Man hatte den Eindruck, dass man in der Management-Etage jetzt bereits vor den Jahren 2009 und 2010 kapituliert hat, und sich erst wieder auf 2011 konzentriert. Im Klartext heißt das: eBay könnte über die nächsten 3 Jahre ein ziemlich tiefes Tal durchlaufen. Das Wachstum in diesem Zeitraum wird materiell langsamer sein als der restliche E-Commerce, so die Mitteilung, die für mich herüberkam. Obwohl ich hoffe, dass sie bei eBay erfolgreich sein werden, glaube ich nicht, dass die Veränderungen, die sie hervorgehoben haben annähernd schnell und drastisch genug sind, um die Dinge herumzudrehen. Wenn ich Amazon wäre und das Ganze heute verfolgt hätte, ich hätte gejubelt, dass ich noch 3 Jahre ohne einen ernsthaften Konkurrenten vor mir habe, und dieser erst wieder nach diesem Zeitraum wirklich ernsthaft über Wettbewerb nachdenken wird. Der einzige Lichtblick an diesem Tag war Mark Cages, der neue CTO, mit seinem Vortrag über die eBay-Technologie.

Tamebay: Sie haben die Top-Talente in Aktion gesehen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass diese Leute ein Team bilden, denen es möglich ist, erfolgreich ein Unternehmen zu leiten, auf das so viele Menschen in den USA und Europa bauen?

Wingo: Ich gehöre nicht zu dem „feuert Donahoe“ Lager. Ich denke, dass die Leute, die dort zugegen waren durchaus alles kluge und fähige Köpfe sind. … Was ich aber glaube ist, dass eBay intern eine Art kulturelle Änderung braucht.

Tamebay: Die Präsentation war sehr US-lastig. Gibt es trotzdem Dinge, die ihnen aufgefallen sind, die auch für eBay-Nutzer über dem Teich gelten?

Wingo: Ich bemerkte schon ein paar internationale Datenpunkte, die von Interesse sein könnten:

  • Sie sprachen z.B. über kostenloses Einstellen für C2C Händler, also dem Handel zwischen Privatpersonen.
  • Sie berichteten, dass die Werbung ansteigen soll, und gerade ihr hier in Großbritannien habt ja eine wirklich bunte Werbelandschaft.

Tamebay: Wie sahen die anwesenden Wall Street Analysten den Tag?

Wingo: Wall Street Analysten kann man in 3 Kategorien einteilen:

  • Solche, die ein Unternehmen immer positiv sehen. Sie werden auch immer wieder Eckpunkte finden, die die positive Bewertung unterstützen. Diesmal werden sie höchstwahrscheinlich PayPal hervorheben und den Wert der unterschiedlichen Unternehmenspartien betrachten, um dann zu zeigen, dass eBay unterbewertet ist, selbst wenn die Marktplätze ein Wrack sind.
  • Dann gibt es die ewig Negativen. Auch sie finden genügend Punkte um ihre Theorien zu untermauern.
  • Die Analysten, die genau in der Mitte von 1 und 2 liegen. Sie werden die Aktie vermutlich empfehlen, da es wahrscheinlicher ist, dass sie eher nach oben als nach unten geht. Sie werden die Leitlinie des Managements nutzen, um ihre Bewertung zu stützen. Das Kunststück, das eBay vollführen muss, ist die vorgebenen Wachstumsraten zu erfüllen (und ich glaube das Management-Team ist  zurzeit sehr aggressiv), und schaffen sie es nicht zu „liefern“, dann kann das Management ganz sicher einpacken.
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