Was die Analysten über Aussagen vom eBay Investor Day denken

Natürlich hat auch die Presse in den USA den „eBay-Investor Day“ unter die Lupe genommen und verschiedene Interviews mit John Donahoe geführt. Das Wall Street Journal zitiert beispielsweise den eBay-Chef John Donahoe mit folgenden Worten: „Wir sind keine Händler. Wir konzentrieren uns auf das Gebiet, auf dem wir gewinnen können.“ Mit anderen Worten, eBay rückt nun von dem Plan ab, mit z.B. Amazon in Konkurrenzkampf treten zu wollen. Das Unternehmen zieht sich verstärkt vom Neuwaren-Geschäft zurück und will sich zukünftig vermehrt auf Versteigerungen mit gebrauchten Artikeln, Waren aus Lagerüberständen und Saisonartikel konzentrieren. eBay wurde als Online-Auktionshaus groß und mit seinen internationalen Marktplätzen erwirtschaftet das Unternehmen noch immer mehr als 50% seines Umsatzes.

Ein anderes Standbein soll zukünftig die Zahlungsabwicklung im Internet mit Hilfe von PayPal werden. Durch die neue Strategie soll das verlorene Vertrauen der Investoren zurückerobert werden. Analysten zweifeln an dem Erfolg des auf dem Investor Day vorgestellten Konzeptes. Donahoe selbst schätzt den Wert des weltweiten Marktes für Gebrauchtwaren auf 500 Milliarden US-Dollar im Jahr.

Imran Khan, Analyst bei der Investmentbank J.P. Morgan, geht davon aus, dass eBay auch nach der Neuausrichtung langsamer wachsen wird als die übrige E-Commerce-Branche. Imran Khan sieht die Gründe dafür darin, dass Amazon und Wal-Mart zu präsent sind im Niederpreis-Bereich. Zudem gebe es immer mehr klassische Einzelhändler, die im Netz ihre Zweigstellen eröffneten. Ein anderes Problem ist die Zurückhaltung der Verbraucher was die Einkäufe anbelangt. Durch das veränderte Einkaufsverhalten hat eBay auch zu leiden. Während der ersten Jahre wurde das Internet stark genutzt, um Schnäppchen zu machen, gefunden haben die Konsumenten diese bei eBay. Mittlerweile sieht es aber so aus, dass Amazon für die vielen täglichen Einkäufe im Netz besser ist, und die Verbraucher auf diese Plattform übergeschwenkt sind.

Jeffrey Lindsay von Sanford Bernstein meint: „PayPal ist in vielen Märkten führend und hat den Vorteil, Vorreiter auf seinem Gebiet zu sein.“ Das konnte man zuletzt auch den veröffentlichten Konzernzahlen erkennen. Paypal konnte seinen Umsatz in den vergangenen Jahren kräftig steigern, zuletzt um 26 % auf 2.4 Milliarden Dollar. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Donahoe als zweites Standbein im großen eBay-Geflecht PayPal nutzen möchte. Da sich das Angebot PayPals nicht nur auf die eBay-Seiten beschränkt, sondern auch für Zahlungen bei anderen E-Commerce-Portalen eingesetzt werden kann, klingt das Vorhaben logisch. Zudem versucht eBay, den Service auch auf Mobiltelefonen zu verankern. Der Blackberry-Hersteller Research in Motion bietet in seinem neuen Application Store Zahlungsabwicklungen über PayPal an.

Brad Stone von der New York Times interviewte ebenfalls John Donahoe und ein Zitat hier von John Donahoe: „Jeder sagt, es ist eBay gegen Amazon. … Aber wir versuchen nicht, unsere Regale mit jedem neuen iPod zu füllen. Wenn unsere Händler neue finden und diese wiederverkaufen können, dann ist es toll.“ Vielleicht ist heute so, wie damals bei McKinsey, als die Berater eBay erklärten, dass Google keine Bedrohung sei für eBay sei. Denn auch heute denken die Verantwortlichen bei eBay, dass Amazon keine konkurrierende Plattform sei. Die andere Möglichkeit, eBay hat sich den Marktplatz Amazon in der letzten Zeit nicht genau angeschaut und daher auch nicht mitbekommen, dass es hier sehr wohl auch Second-Hand-Ware gibt.

Derek Brown, Analyst bei Cantor Fitzgerald sieht die Präsentation am Investor Day folgendermaßen: „Die Veränderungen, die eBay im letzten Jahr eingeführt hat, haben nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. Deshalb versucht man jetzt Dinge zu beschleunigen, um den Markt wieder zurückzuholen. Ob das Früchte tragen wird, muss man einfach sehen.“

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