eBay und PayPal heute aus der Sicht eines Ehemaligen

kooperation.jpgIn den frühen Tagen des E-Commerce war Damon Billian bekannt als „PayPal Damon“. Er, der unerschrockene PayPal-Angestellte, der seine Tage damit verbrachte, auf Diskussions-Foren eBay-Nutzern Rede und Antwort zu stehen, Hilfen zu geben, sie durch die neue Auktionsseite zu führen, sowie das innovative P2P-Bezahlsystem (Rechner- Rechner Verbindung) zu erklären.

Von 1999 bis 2004 hat Damon für eBay und PayPal gearbeitet und Ina Steiner von AuctionBytes führte, 4 Jahre nach seinem Weggang, ein Interview mit Damon Billian und befragte ihn zu verschiedenen Belangen das Internet, eBay und PayPal betreffend.

AuctionBytes: Was haben Sie gemacht, nachdem Sie PayPal verlassen haben?
Damon: Ich habe für SimplyHired.com, Mint.com & derzeit für Tokbox.com gearbeitet und ich mache noch immer Verbraucher- und Commnunity-Arbeit.

AuctionBytes: Wie haben sich kleinere Händler seit dem Jahr 2004 geändert?
Damon: Hmmm… Ich glaube, dass sie nicht mehr so begeistert sind von eBay, wie sie es vor Jahren einmal waren. Die ständigen Änderungen, auch die, die wirklich notwendig waren, bringen die Leute dazu zu urteilen, dass eBay keine Geduld mehr hat, um abzuwarten, was auf lange Sicht hin passiert.

AuctionBytes: Ein Teil dessen, was eBay und PayPal zu dem machte, was die beiden Unternehmen in früherer Zeit waren, war die niedrige Barriere, Teil der Gemeinschaft zu werden. Es wirkte so, als könne jeder online gehen, Händler werden und das mit geringem Aufwand. Glauben Sie, dass es immer noch so einfach ist sich online zu etablieren?
Damon: Hängt von der Webseite ab… . eBay ist zwar immer noch ziemlich simpel zu bedienen und auch PayPal arbeitet an verschiedenen Möglichkeiten, die Bedienung so einfach wie nur möglich zu gestalten.

AuctionBytes: Sie haben viel mit PayPal-Nutzern, auch frustrierten Usern, in Ihrer Rolle als Kundenberater zusammengearbeitet. Denken Sie, dass Dinge heute einfacher, schwieriger oder gleich geblieben sind für PayPal-Konsumenten?
Damon: Ein Bezahldienst ist alleine schon aufgrund dessen, dass er mit Geld „handelt“, immer mit Streitfragen behaftet. Zudem führen zwischenmenschliche Probleme, zwischen Käufern und Verkäufern, gerade, wenn es um die Bezahlung geht, häufig zu Streit. Mein Job damals war auf jeden Fall schwieriger als er heute ist, denn durch Twitter, GetSatisfaction.com und andere Seiten wird heutzutage vieles berechenbarer.

AuctionBytes: Bevor eBay PayPal übernahm, gab es eine Menge an Spannungen zwischen den beiden Unternehmen, und Meg Whitman war nicht begeistert darüber, dass die PayPal-Leute 2002 auf der 1. eBay-Live erschienen sind.
Damon: Heh, das ist so lange her und außerdem ist in Eric Jackson’s book, The PayPal Wars (The PayPal Wars: Battles with eBay, the Media, the Mafia, and the Rest of the Planet Earth), alles viel besser beschrieben, als ich es je könnte.
AuctionBytes: Trotzdem, geben Sie uns doch ein paar Details über die berühmte erste eBay-Live, kurz bevor eBay dann doch PayPal übernahm. Wessen Idee war es eigentlich und was beeinflusste eBay PayPal doch zu kaufen?
Damon: Eine Menge Leute waren in die Entscheidung mit eingebunden, inklusive JoAnne Rockower, die bis 2004 Manger Seller Marketing bei PayPal war. Vor allem glaube ich, überzeugte die Masse an Leuten, die damals von PayPal kamen, eBay davon PayPal doch zu kaufen.

AuctionBytes: Hätten Sie sich jemals vorstellen können, dass eBay eines Tages Schecks und Bankanweisungen vom Marktplatz verbannen wird, und was halten sie von dieser Neuregelung?
Damon: Ich selbst habe kein Problem damit, denn Bankanweisungen oder Schecks sind ziemlich unsicher, für beide, den Käufer und den Händler. Was ich glaube ist, dass Händler keine Gebühren für ein elektronisches Bezahlsystem bezahlen möchten und dadurch die ganzen Streitereien entstehen. Aber man kann nicht darüber hinwegsehen, dass, gerade in der heutigen Zeit, ein Mindestmaß an Sicherheit gewährleistet sein muss – und das ist mit elektronischen Bezahldiensten gegeben.

AuctionBytes: Halten Sie sich auf dem Laufenden was kleinere Webseiten anbelangt und gibt es für abtrünnige eBay-Nutzer dort eine Alternative zu eBay?
Damon: Fast alle kleineren Seiten liefern nicht das, was eBay oder Amazon bieten. Vielleicht spezielle kleine Nischen-Seiten, aber die haben kaum Kunden-Verkehr.

AuctionBytes: Was macht eBay zurzeit richtig und gut?
Damon: Auch wenn manchen nicht passt, was ich jetzt sage, eBay ist gerade damit beschäftigt (und das zu Recht) schwarze Schafe vom Online-Marktplatz zu entfernen. Ein miserabler Händler kann das Business schnell ruinieren und das Image eines Unternehmens zerstören. Ich finde auch die Idee, die hinter der detaillierten Verkäufer-Bewertung sehr gut, auch wenn ich kein Fan davon bin, auf welche Art und Weise diese neue Idee eingeführt wurde. Die Charity-Auktionen finde ich ebenso großartig. Und auch PayPal wächst und gedeiht – das gefällt mir ebenfalls. Für John Donahoe gibt und gab es eine Menge Prügel in dieser Zeit. Ich kenne ihn überhaupt nicht, aber ich denke, dass viele Änderung schon beschlossen waren, bevor Donahoe CEO von eBay wurde und er hatte den schwarzen Peter diese zu verkünden.

AuctionBytes: Wo sehen Sie die derzeitigen Probleme von eBay?
Damon: Ich persönlich finde, dass das Gebührensystem aus dem Gleichgewicht geraten und zu kompliziert ist (z.b. variiert in verschiedenen Kategorien). Warum kann man es nicht simplifizieren und den Fokus darauf legen es einfacher zu gestalten, sodass man es als Nutzer auch verstehen kann? Auch, wenn es vielleicht auf kurze Zeit gesehen mehr Einnahmen bringt, warum gestaltet man es nicht auf lange Sicht hin, wenn man wieder mehr Verkäufer anziehen möchte? Obwohl die Gebühren immer ein Zankapfel sein werden, kam der Bruch eigentlich schon im Jahr 2005. eBay und PayPal Gebühren verschlingen 12-15% der Verkaufserlöse, vielleicht sogar mehr, wo bleibt da der Gewinn für den Händler bei einer Gewinnspanne von 20-25%? Würde es nicht mehr Sinn machen, eine Flatrate über alle Kategorien verteilt, einzuführen? In jedem Fall ist das Gebührensystem noch einmal zu überdenken.

Bearbeitung und Versand: Ungeachtet dessen, dass eBay was tun musste um exzessive Versandkosten in den Griff zu bekommen, denke ich, dass es ein Fehler ist, in bestimmten Kategorien Obergrenzen einzuführen. Wenn ich beispielsweise bei Macys einkaufe, werden mir Kosten berechnet für Bearbeitung, Zeit, Material etc..

Auktionen: Hier sehe ich keinen einzigen Grund, warum so viel Aufwand betrieben wird, alles in Richtung Festpreis-Format zu verschieben. Der Käufer kann doch selbst entscheiden, welche Aktivität er auf eBay nutzen möchte. Versteigerungen sind immer noch sehr wertvoll für manche Kategorien, gerade bei Sammlerstücken.

Community: Man kann nicht sagen, dass eBay noch sehr aktiv ist, was seine Community anbelangt. Ich bin der Meinung, dass in der letzten Entlassungswelle auch viele Community-Verantwortliche ihren Posten verlassen mussten. Dabei war eBay einst das Symbol für ein Unternehmen mit dem ausgeprägtesten Community-Gedanken.

Neuerungen vornehmen: Amazon hat den Dreh raus und läuft eBay, was die Innovationen betrifft, mittlerweile den Rang ab. Substanzielle Neuerungen wurden bei eBay schon lange nicht mehr vorgenommen. Kleinere Händler, die ganz normalen Verkäufer auf eBay, sie repräsentieren die Langzeit-Aktiven auf eBay. Und nicht zu vergessen, die ganz kleinen eBay-User – viele von ihnen waren wohl die besten Botschafter für den Online-Marktplatz eBay.

eBay und PayPal heute aus der Sicht eines Ehemaligen was last modified: by

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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