Alan Lewis zum Artikel: eBay ist festgefahren

interview.jpgAlan Lewis, von Juli 2006 bis August 2008 eBay-Mitarbeiter und ehemals kreativer Kopf beim Projekt eBay-Desktop, weiß wovon er spricht, wenn er in seinem Blog die Entwicklungen bei eBay kommentiert. Lewis war auch mit in dem Team der 30 Senior-Manager, die sich im Herbst 2006 für 2 Monate in Klausur begaben, um über eBay nachzudenken. Lewis hebt hervor, dass der Artikel „eBay ist festgefahren“ endlich einmal in den Tiefen des „kulturellen Problemkreises“ von eBay herumstöbert, wo in seinen Augen, die Wurzeln allen Übels liegen.

Der Ex-eBay-Angestellte stimmt voll und ganz mit dem Problem der „Berater-Mentalität“ bei eBay überein, die, wie er wohl aus Erfahrung weiß, Grund für viele Probleme sind. Er beschreibt anschaulich, wie die Zeit des Nachdenkens und Kreierens abgelaufen ist: Als unser Team den Verantwortlichen unsere Ideen unterbreitet haben, erklärte John Donahoe: „Das war bislang der beste Tag bei eBay!“ Nach der Präsentation begann die Marketing-Gruppe, die sich für das sogenannte eBay 3.0 stark gemacht hatte, die komplette Werbekampagne rund um unsere Ideen aufzubauen.

Doch einige Leute aus dem Produkt-Management glaubten nie so recht an die Ideen. Sie waren es auch, die wahrscheinlich den anderen Verantwortlichen glaubhaft machten, dass das für eBay 3.0 bereitgestellte Budget für Produkt-Änderungen sich nie rechnen und auszahlen würde. Das eBay 3.0-Team händigte den Verantwortlichen dann einen Plan aus, auf dem alle neuen Ideen zusammengefasst waren. Einige sagten, dass der Plan „great“ sei, doch sie entschieden sich dafür auf den alten Pfaden weiterzugehen. Lewis wörtlich: „Sie entschieden sich für den schlangenförmigen, ziellosen Weg, den sie auch zuvor schon beschritten haben.“

Wie schon früher, wurde die Produktpolitik die als Ziel hat, die Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher mit den Produkten und Dienstleistungen des Unternehmens zu prägen, von den Beratern übernommen. Und das, nachdem erst wieder Datenbanken gewälzt wurden. Aber Daten sind stumm und zeigen nur bedingt, was gerade abläuft. Man braucht tiefere Einblicke, Intuition und Mut, und das bekommt man von keiner Datenbank.

Der „eBay ist festgefahren„-Artikel zitiert unter anderem auch einen ehemaligen „eBay-Strategen“ der meint, dass eBay zwar von cleveren Leuten gemanagt wird, jedoch ohne Praxisnähe und ständig theoretisch diskutierend. Dies bestätigt auch Alan Lewis. Selbst die früher in der Zentrale zu findenden Arbeitsplätze, die mit auf eBay ersteigerten Gegenständen geschmückt waren, gibt es nicht mehr. Ein letztes Relikt aus dieser Zeit, das eBay-Logo aus Legosteinen, wurde erst kürzlich auf eBay versteigert.

Wo ist der Geist von eBay hin? Über die letzten Jahre hinweg haben sich die Entwickler von außerhalb des Unternehmens die Klinke in die Hand gegeben, und eBay hat immer wieder auf diese vertraut. Zudem gab es immer wieder die sogenannten H-1B-Angestellten, also diejenigen, die Inhaber des speziellen amerikanischen Visum-Typs waren, und die nur befristet in den USA arbeiten durften. Das sind zwar gute Typen, Ingenieure, Wissenschaftler, Programmierer, aber aufgrund des befristeten Arbeitsverhältnisses bei eBay, maximal 3 Jahre, gab es nie eine emotionale Bindung dieser Leute an das Unternehmen. Ebenso wenig macht es Sinn den „Zeitarbeitern“ die eBay-Kultur nahezubringen, denn dafür fehlt die Zeit. Für viel zu viele ist eBay einfach nur ein Job!

Eine Idee, die Lewis mehrfach geäußert hat, war die Nutzer-ID eines jeden eBay-Angestellten in eine Art Web-Verzeichnis innerhalb des Konzerns aufzunehmen. Das hätte den Vorteil gehabt, dass sich keiner mehr, der die eBay-Webseite nicht nutze, hätte verstecken können. „Oh, Bob, ich habe gesehen Du hast seit einem halben Jahr keine Verkäufe mehr getätigt, … bist Du sicher , dass die Veränderungen, die du z.b. für die Suchergebnisse vorschlägst, eine gute Idee sind?“ Für eBay zu arbeiten, ohne die Seite aktiv zu nutzen, ist vergleichbar mit einem Chefkoch, der nicht das isst, was seine Leute zubereiten.

Lewis erklärt weiter, dass er mit einigen der derzeitigen eBay-Strategien, wie Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen, die schon lange überfällig waren, oder auch dem Vergrößern des Angebots von Festpreis-Artikeln, die über eBay erhältlich sind, übereinstimmt. Aber die Webseiten-Nutzer-Erfahrung ist seiner Ansicht nach einfach schrecklich. Es gibt niemanden in der Führungsriege, der sich Tag für Tag mit der eBay-Seite befasst und auch das entsprechende Know-How und die Möglichkeit hätte, zu sagen „das ist Mist“, was hier abläuft. Es gibt auch keinen der den „Mist“ dann weiterverfolgen kann, um die Problem zu beheben.

Eine Strategie zu verfolgen ist eine gute Idee, aber wenn das Unternehmen niemanden hat, der die Fähigkeit hat diese richtig einzusetzen, ist alles andere nichts mehr als leere Worte. Als Lewis dann ankündigte eBay zu verlassen, hat John Donahoe ein Gespräch unter 4 Augen Lewis angesetzt. Während des Meetings hat John Donahoe Alan Lewis gespannt zugehört, zu dem was Lewis zu eBay im Allgemeinen und seinem eBay-Desktop sagte. Lewis legt auch Wert darauf festzustellen, das er Donahoe mag und respektiert, und dass er seinen Job in einer wahrlich schweren Lage angetreten hat, mit all den Leichen aus den vergangenen Jahren im Keller.

Am Ende des Gesprächs bat John Donahoe Lewis ein „guter eBay-Citizen“ zu sein, was er sich zu Herzen genommen hat.
Lewis ist ein guter eBay-Bürger und Bürger müssen aufbegehren, wenn Dinge falsch laufen. Und sein Fazit: Die Zeit für eine wirkliche Veränderung bei eBay ist exakt jetzt.

Zum Artikel „eBay ist festgefahren“ auf onlinemarktplatz.de.

Alan Lewis zum Artikel: eBay ist festgefahren was last modified: by

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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