eBay ist festgefahren – Erklärungsversuche

versunken.jpgUnter der Fühtung von Meg Whitman hielt eBay eng an dem Auktions-Geschäft fest, was es einmal zum Millionen Dollar-Hit machte. In der Zentrale in San José hörte man immer wieder den Satz: „Gebt das Auktions-Geschäft nicht auf!“ Aber irgendwie taten sie es doch. Das Forbes Magazine schreibt dazu: Nun ist eBay festgefahren; das Handelsvolumen ist in den letzten beiden Jahren zurückgegangen, wobei Whitman dieses Verkaufsvolumen immer als ein Zeichen der „Gesundheit“ eines Business bezeichnete.

Der Aktienwert sinkt stetig, Mitarbeiter werden entlassen und noch einiges mehr. Das Wachstum eBays in der vergangenen Zeit kam in der Hauptsache von den Tochter-Unternehmen, wie Skype, PayPal oder dem Kleinanzeigen-Markt Kijiji.

Google und Amazon machen den eBay-Händlern den Hof, werben um eBay-Kunden und tragen damit nicht gerade zur Steigerung des Kerngeschäftes bei eBay – den Auktionen bei. Natürlich sieht auch John Donahoe diese Trends und versucht aus eBay eine saubere, sichere Online-Mall zu machen, anstatt eines Schnäppchen-Marktes. Eine Gruppe von eBay-Händlern wurde dazu abgestellt, die Waren-Auswahl in ein Gleichgewicht zu bringen, sodass es nicht nur 1.000 gebrauchte iPods für ein paar Stilettos von Jimmy Choo gibt. Donahoe senkte die Einstellgebühren und initiierte Werbeaktionen um mehr Artikel auf die Webseite zu holen. Im Mai kam dann der Deal mit Buy.com hinzu, um, ganz wie Amazon, das Angebot an Büchern, DVDs und Elektronikartikel zu erhöhen. Doch genauer betrachtet liegen die Probleme von John Donahoe und eBay ganz woanders.

In Kalifornien kursiert der Witz, dass eBay mittlerweile zum „IBM des Silicon Valley“ wurde, in Anlehnung an den Computer-Riesen, der sich schon vor Jahren verzettelte, und damit festgefahren hat. Interviews mit aktuellen und ehemaligen Angestellten eBays zeigen, dass es bei eBay endlose Meetings und eine Überbetonung von Ideen gab, die keine wahren Innovationen darstellten.

Sie sagen eBay ist vollgestopft mit Business-beratenden Typen, die weit weg sind von den Verbrauchern, kaum technologische Ahnung und Ideen haben und anfällig für ein „Herdendenken“ sind. Während die vor Ideen nur so sprudelnden Techniker nur Befehle entgegennehmen.

Die extrem hohe „Berater-Typ-Dichte“ zeigt sich auch in der Herkunft von Whitmann & Co.. Whitman, und Donahoe kommen von Bain&Company. Bains ehemalige Schüler sitzen auch in Spitzenpositionen bei eBay Spanien, Kanada und Belgien. eBays Personalchef, Beth Axelrod, kam von McKinsey & Co. Die Bosse von Großbritannien und Deutschland kamen von der Boston Consulting Group. Diese Liste könnte man noch weiterfortsetzen.

eBays Senior-Reihen sind also ein wahrhaftiges Management-Berater Team und Entscheidungen werden in erster Linie anhand von Datenbank-Analysen getroffen. In 2002 wurde die Unternehmensberatung McKinsey in typischer Beratermanier damit beauftragt, herausfinden, ob Google eine Bedrohung ist. Nach langen Monaten des Datenwälzen zogen die Berater von McKinsey den Schluss, dass Google nicht wirklich gefährlich werden kann… . An dieser zweifelhaften Schlussfolgerung hielt eBay zu lange fest. Die Suchabfolge bei eBay war ein Stiefkind innerhalb eBays, bis zum Jahr 2006, als man begann sich tiefgreifende Gedanken darüber zu machen. eBays Suchabfolge hinkt immer noch hinter der von Google her, und wahrscheinlich auch hinter der von Amazon.

Leider ist in vielen größeren Unternehmen die „Konzerndenke“ in den Führungsetagen oftmals so, dass die Führungskräfte sich lieber auf die (oftmals nur Daten-)Analysen externer Berater verlassen, als einmal in das eigene Unternehmen zu horchen und das dort bereits vorhandene Portential zu nutzen. Die Entscheidungen externer Berater werden, da sie oftmals auch sehr teuer bezahlt wurden, als „gottgegeben“ und immer korrekt hingenommen, und das leider nicht nur bei eBay… .

eBay unabhängiger von den „Berater-Gedanken“ zu machen, dürfte dem Bain-trainierten John Donahoe sehr schwerfallen, allerdings ist er auch bekannt für seine diplomatischen Fähigkeiten.

eBay war nie ein reines Handelsverkehrs-Ziel, eher eine Internet-Geschichte, geboren aus der Verrücktheit von Menschen, die von der amerikanischen Puppe aus dem 19. Jahrhundert bis zum Auto-Schalldämpfer alles angeboten und gesucht haben. Die Verantwortlichen lernten schnell, dass sie eines auf keinen Fall zulassen durften: Den Stillstand. Es passierte aber 1999, als die Webseite für 22 Stunden nicht aufrufbar war und einen Schaden von 4 Millionen Dollar in verlorenen Gebühren verursachte. Von da an, war Effizienz und Verfügbarkeit das technische Ethos, von dem eBay geleitet wurde.

„Nur den Marktplatz am Laufen halten – das war die Dringlichkeitsstufe Nummer 1, und das war clever“, sagt Leonard Speiser, der von 2000 bis 2005 Produkt-Manager bei eBay war. Die damaligen Mitarbeiter sollten auch häufig öffentlich kundtun, wie viele Artikel sie auf eBay ge- und verkauft habe. Es war etwas Besonderes zu der eBay-Community zu gehören. Dies gehörte aber, als eBay stetig anwuchs, der Vergangenheit an.

eBay wird von wirklich cleveren Leuten geführt, die allerdings eBay nicht praktisch nutzen und ihre Zeit mit Diskussionen darüber verbringen, wie andere Leute den Online-Marktplatz nutzen“, sagte ein Ehemaliger, der vor ein paar Monaten eBay verlassen hat. Dinge gehen leider zu langsam voran auf eBay und praxisnahe Anregungen und Ideen werden oft im Keim erstickt.

Im Jahr 2004 musste eBay zum ersten Mal eine Niederlage hinnehmen, als die Umsätze nicht so waren, wie vorhergesehen. Also vergrub man sich erneut in die verschiedenen Datenbanken und stellte fest, dass der Anteil der Käufer, die nicht 7 Tage auf das Auktionsende warten wollten, um tatsächlich ihren Wunschartikel in den Händen zu halten, angestiegen ist. Um auch den Bedürfnissen dieser Kunden gerecht zu werden, entstand dann eBay-Express. Hierfür zog eBay 600 Mitarbeiter für 2 Jahre vom Kerngeschäft ab, die diese Webseite, auf der Festpreis-Waren verkauft wurden, entwickelten. Der Erfolg war mäßig und nur kurze Zeit später wurden die Investitionen für eBay Express gestoppt und die Berater zogen weiter zum nächsten Projekt.

Im Herbst 2006 hat sich eine Gruppe von 30 Senior-Managern aus allen Abteilungen des Unternehmens für 2 Monate in Klausur begeben, um über eBay nachzudenken. Sie ließen zum ersten Mal alle Datenbanken außer Acht, benutzten keine Folien. Diesmal dienten Storyboards als Planungshilfen. Das Resultat der 2-monatigen Klausur: Weg von allem – und wieder hin zum Spaß bei Auktionen! Pläne, um die eBay-Homepage einfacher und strahlender zu gestalten, wurden entworfen. Features, die die Versteigerungen attraktiver und interessanter machen sollten, wurden hinzugefügt. Eine Werbekampagne mit dem Namen „Windorphins“, in Anlehnung an Endorphine, sollten die Aufregung beschreiben, die man bei einer Auktion verspürt.

Doch ohne genaue Erklärung für die eBay-User, haben die eBay–Verantwortlichen plötzlich den Kurs wieder geändert und nur ein Fünftel der veranschlagten Investitionen in die Kampagnen gesteckt (so Insider). Zwischenzeitlich wurde dann noch John Donahoes Nachfolge verkündet, und der neue eBay-Boss proklamierte eBay wieder als einen Handelsweg für Festpreis-Formate. Donahoe beanspruchte dann etwa 2.000 eBay-Mitarbeiter für das Vorhaben, eBay sicherer zu machen; andere bemühten sich um eine verbesserte Suchabfolge auf der Webseite.

Dann kamen die Preiskürzungen für PowerSeller mit ausnehmend gutem Feedback, was eBay für sich als Erfolg verbuchte, denn mit 30% an PowerSellern mit besten Bewertungen liegt der Anteil um 50% höher als eBay zuvor erwartete. Händler klagen allerdings, dass sie keine Zeit und Möglichkeit haben, diese Neuerungen zu testen, da der Zeitpunkt des In–Kraft-Tretens mit dem Beginn des Vorweihnachtsgeschäftes zusammenfällt.

eBay sollte praktischer denken, kleinere und schnellere Schritte machen und innovativer sein. Zudem sollten Techniker, Ingenieure die Marschroute vorgeben und keine Berater. In den Top-Positionen der Führungsriege gibt es keinen Technik-Visionär, außer Marc Andreesen, der aber auch erst seit kurzem dabei ist.

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