Fachleute beurteilen den von eBay eingeschlagenen Weg

versammlung.jpgDinge verändern sich bei eBay, das hat man mittlerweile mitbekommen. eBay erklärt, dass die Veränderungen notwendig waren, um auf dem internationalen Online-Markt mithalten zu können. Einige Fragen allerdings bleiben offen: Wie will sich eBay gegen die große Armee von spezialisierten Mitbewerbern behaupten und es ist auch nicht klar, ob die Händler sich für die Neuerungen hinsichtlich der Preisstruktur erwärmen können.
Das Gebühren-System zu verändern war wohl der mutigste Schritt, den eBay unternommen hat, so der eBay-Sprecher Usher Lieberman.
„Wir haben das Festpreis-Format neu strukturiert und sind zu geringeren Einstellgebühren übergegangen, egal wie viel Artikel man einstellt. Ab dem 16. September gibt es nur noch eine Einstellgebühr, unabhängig von der Anzahl der gelisteten Artikel. Lieberman gibt ein Beispiel dafür: „Angenommen, man verkauft Socken; wenn man früher 1 Paket davon angeboten hat, so kostete dies, sagen wir mal 35 US-Cent pro Päckchen. Wenn man 100 Päckchen einstellte, waren es 35 US-Dollar. Mit der neuen Regelung kann man die 100 Päckchen auf einmal einstellen und zahlt nur 35 US-Cent für alle. Für Händler ist das ein großer, wirtschaftlicher Vorteil. Käufer gewinnen dadurch ebenfalls, denn die Suche für einen Artikel zeigt dann sehr viel mehr Verkäufer.

Das Unternehmen erhofft sich positive Resultate von dieser Neuerung. Lieberman hierzu: „Wir haben mit Händlern ausgiebig gesprochen. Wir haben Rückmelde-Foren und versuchen qualitativ und quantitativ gute Forschungsarbeit zu leisten.“
eBay versucht auf diesem Wege wohl den Wettbewerb mit Amazon zu verschärfen, die keine Einstellgebühren verlangen. Michael Souers, Analyst von Standard&Poors, einer Gesellschaft zur Bewertung und Analyse von anderen Unternehmen und Gesellschaften erklärt: „Ich habe noch keinerlei Reaktionen auf die Veränderungen des Gebührensystems bei eBay festgestellt. Um nicht zu sagen, es wird wohl auch keine Reaktionen geben. eBay Gebühren sind jetzt ziemlich niedrig und Amazon erhebt diese nicht – aber dafür Kommissionsgebühren.“ Souers weiter: „Die Einstellgebühren zu senken war ein positiver Schritt von eBay. Das ist der richtige Weg um seine Nutzer wieder zurückzuholen.“
Im Juli 2008 ging eBay dann einen Deal mit Buy.com ein und gestattete ihnen eine große Anzahl an Waren zu listen – ohne Gebühren zu zahlen. „Da könnte über kurz oder lang ein wahrer Preiskrieg entstehen zwischen Amazon und eBay. Und mich würde es nicht wundern, wenn Amazon seine Kommissionen senken würde“, so Souers.

Trotz aller Umgestaltungen hält eBay daran fest, nicht allzu weit von dem im Jahr 1995 festgelegten Kurs abweichen zu wollen. eBay soll weiterhin die bekannteste und größte Auktionsseite bleiben. Das Unternehmen musste in der Vergangenheit harsche Kritik über sich ergehen lassen, unter anderem, dass sie sich hin zur „Großhändler-Plattform“ entwickeln, was sie von ihren traditionellen Kunden wegführt.
Lieberman kontert: „Wir versuchen all unseren Verbrauchern beizustehen – egal, ob groß oder klein!“
Für Charles King, Pund-IT Analyst, ist die neu eingeschlagene Strategie genau richtig: „Ich würde die Situation am liebsten mit einer militärischen Bezeichnung beschreiben, und feststellen – das Unternehmen sucht nach „hochwertigem Angriffsziel.“ King fährt fort:
„Für ein Unternehmen wie eBay, das sein Geld mit prozentualen Anteilen an Verkaufspreisen verdient, macht es mehr Sinn, mit großen und strukturierten Verkäufern zu arbeiten. Sehr viel mehr Sinn!“ Ganz klar gibt es auch Risiken: „Arbeiten sie nur mit großen Einzelhändlern zusammen, bei allen Vorteilen, die sie dadurch haben, stoßen sie die kleineren vor den Kopf. Und die kleinen Verkäufer waren es, die eBay die traditionelle Stärke gegeben haben. Es ist also auch ganz wichtig, dass eBay diesen Umstand nicht vergisst und die Basis, die in den letzten Jahren so wertvoll für eBay war, ebenso unterstützt“, fügt King hinzu. „Interessant ist auch, als eBay zum 1. Mal im World Wide Web aufschlug, da traten sie mit einem Modell auf, dass für viele „Hobby-Verkäufer“ ein Problem löste und zwar: Wie kann ich als „Freizeit-Händler“ von einem größerem Publikum beachtet werden? eBay hat dieses Problem in meinen Augen perfekt gelöst!“

„Einige Innovationen waren absolut notwendig, für die in die Jahre gekommene Plattform“, sagt Scott Cleland, Präsident des in Washington, D.C. beheimateten Precursor-Unternehmens. „eBay ist aufgebrochen der weltweit größte Online-Auktions-Marktplatz zu werden und hat es auch geschafft. Das heißt, die anfängliche Idee war eine tolle Sache. Dann allerdings stießen sie an eine Grenze, wo das Wachstum der Plattform mit der herkömmlichen Idee nicht mehr übereinstimmte. eBay begann, an dem nahezu vollendeten Erfolg, Schaden zu erleiden. Sie waren Gefangene ihrer selbst.“ Der Markt hat sich mittlerweile verändert und so muss auch eBay sich wandeln. „eBay versucht mit seinem Herzstück – den Auktionen – weiter den Markt zu beherrschen, jedoch versucht man ebenfalls sich in eine Richtung zu drehen, die ein höheres Wachstumspotenzial ermöglicht – die Festpreis-Verkäufe“, fährt Cleland fort. Cleland erklärt zum Schluss: „In der Online-Plattform-Landschaft jedenfalls ist genügend Platz für eBay und Amazon!“

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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