Randy Smythe und warum eBay Classic nie scheitern würde

ebay_classic.jpgRandy Smythe lassen die Auktionen bei eBay und seine Idee von eBay Classic keine Ruhe. Er ist der Meinung, dass die Auktionen beim Online-Marktplatz eBay immer mehr in den Hintergrund rutschen, erdrückt durch Festpreis-Artikeln. Er die Zeit gekommen, dass eBay seinen Auktionen eine extra Webseite widmet. Zeit für eBay Classic!

Smythe weiß auch, dass das eBay-Managment, nach eBay Express, keine zwei verschiedenen Webseiten anvisiert, aber er sieht es als durchaus sinnvoll an. Als Beispiel nennt er die eBay Motors Seite, die ja separat sehr erfolgreich läuft und das gleiche kann man mit einer reinen Versteigerungsseite auch machen. Er sieht die Auktionen immer noch am Leben.

Smythe setzt sich mit den Thesen von Adam Nash auseinander, warum eBay Express nicht funktionieren konnte und warum das Gleiche nicht mit eBay Classic passieren würde. Adam Nash war von März 2003 bis zum Mai 2007 Direktor von eBay Express Nordamerika. Randy Smythe meint, dass Auktionen ein Nischengeschäft sind und auch so behandelt werden sollten. Festpreis-Formate sind der E-Commerce-Standard und bei eBay könnte man daran arbeiten, dieses Format anwachsen zu lassen, aber nicht auf Kosten der Auktionen. Die momentane Strategie drängt aber die Auktionen ins Abseits.

Die eBay-Verantwortlichen sollten sich auch überlegen, warum sie mit eBay Express scheiterten – wegen der falschen Realisierung, nicht wegen der falschen Idee, also hätten sie eigentlich eBay Express auch nicht schließen müssen. Sie hätten, wie Randy Smythe schon des Öfteren betonte, nur die Webseiten strikter trennen müssen. Hier seine Gründe dafür: Es wird immer schwieriger, ein einzigartiges Stück (wie bei Versteigerungen möglich) oder Gebrauchsgegenstände zu finden, denn das Management vermischt beides und das funktioniert nicht dauerhaft. Eine strikte Trennung der Auktionen von den anderen Angeboten würde Raum schaffen für das Wachstum jeder einzelnen Gruppe. Der „Lärm“ würde sofort aufhören, wäre eBay Classic abgetrennt. Der klassische eBay-Shopper würde sich auf seiner „neuen“ eBay-Auktionsseite wieder wohlfühlen. Der „normale“ E-Commerce-Standard Einkäufer müsste sich hingegen nicht mit Auktionen herumschlagen. Außerdem, wenn es immer heißt Auktionen sind tot, dann würde es den Versteigerungen auch nicht mehr schaden, sie von eBay.com zu separieren und sollten sie doch noch leben, so hätten sie auf der eBay Classic wieder mehr Raum sich zu entfalten.

Adam Nash und Randy Smythe führten heiße Diskussionen um dieses Thema und Nash ist der Meinung, dass es bei einer eBay Classic-Seite die gleichen Hürden zu überwinden gäbe wie bei eBay Express und es schließlich auch zu deren Ende käme. Aber Smythe versucht die Thesen von Nash zu widerlegen:

1. Handelsverkehr
Nash erklärt, dass eine der unbeantworteten Fragen hinsichtlich eBay Express, die Frage nach der Erhöhung des Handelsverkehrs war. eBay versuchte es damit, sich diesen zu erkaufen. Durch TV-Spots, Kataloge, Mails und vielem mehr. Das war unendlich teuer und letztendlich ineffektiv. Hier hält Smythe entgegen, dass eBay Classic diese Anstrengungen gar nicht nötig hätte, denn das Auktions-Geschäft ist eng mit dem Namen eBay verbunden und macht schon einen Großteil der eBay-Marktplätze aus. Und die Käufer, die Auktions-Erfahrungen machen wollen, werden sich von alleine eBay zuwenden und Nutzer müssen nicht neu „erkauft“ werden. eBay Express hingegen war eine neue Erfahrung und erforderte eine Neuausbildung.
2.) Internationalität
eBay Express wurde von Grund auf neugestaltet, so Nash. Wir wollten die verschiedenen Bedürfnisse von Briten, Deutschen oder US-Amerikanern befriedigen. Auch für andere Länder wie Indien oder China hatten wir schon Pläne.
Doch wir konnten kein effektives Modell kreieren, und so bauten wir eine Plattform für alle auf. Im nachhinein ein Fehler, denn wir hätten mit einem Basis-Modell USA beginnen sollen und von dort aus international expandieren müssen.
Glaubt man Smythe, hätte eBay Classic ein solches Problem nicht, denn im Grunde ist dieses Modell ja schon international verfügbar. Auf fast allen globalen Marktplätzen gibt es Auktionen bei eBay.
3.) Erwartungen
Zum Anfang von eBay Express lag intern so viel Enthusiasmus in der Luft und es war nicht möglich diese Erwartungen zu erfüllen. Eine neue Marke aufzubauen dauert einfach lange und ist teuer, und gleich Milliarden von Dollar zu verdienen, das geschieht nicht über Nacht. Wir hofften zwar damals, dass es bei uns schneller geht, als z.b. bei Amazon mit dem Aufbau des Drittverkäufer-Handels, doch wir wurden eines Besseren belehrt. Zudem war 2006 und die folgenden nicht gerade die besten Jahre für eBay. Für Smythe jedoch sind diese hohen Erwartungen an eBay Classic nicht gegeben, denn alle Welt sagt doch „Auktionen sind tot“. Also, jegliches Wachstum, dass von eBay Classic ausginge wäre ein gutes, spannendes Erlebnis. Zudem ist es ein fast 30 Milliarden Dollar schweres Business und wie viele Unternehmen können das von sich schon behaupten?

4.) Markenbildung
Es war eine nicht ganz leichte Entscheidung. Wenn man den eBay-Markennamen nicht benutzt muss man praktisch ganz von vorne anfangen, benutzt man ihn wird man auch als neuer Geschäftszweig immer mit den negativen Schlagzeilen des Namens verbunden werden. Auch hieß eBay für alle Leute: Auktionen – und so konnte der Markenname eBay uns bei eBay Express nicht weiterhelfen, denn von der eBay-Gemeinschaft gab es keinen großen Handelsverkehr hin zu eBay Express.
Smythe widerlegt diese These für eBay Classic, denn er sagt, dass eBay Classic nur von dem Markennamen eBay profitieren kann, denn wie Nash schon sagte „eBay heißt für die Leute da draußen Auktionen“ und das bietet eBay Classic.

Und Smythe meint zum Schluss, dass Nash überhaupt nicht darauf eingegangen ist, dass durch eine Abspaltung der Auktionen endlich wieder Ruhe einkehren würde in die eBay-Gemeinschaft, was ebenso von außerordentlichem Vorteil wäre. 90% der Querelen wären wahrscheinlich sofort beendet, Nörgler gibt es natürlich immer. Die traditionellen eBay-User hätten wieder das sie wollten und die großen Händler ebenso. Das „Neue eBay“ könnte in Ruhe den Kampf mit Amazon aufnehmen, während eBay Classic sich in seinem eigenen Stil weiterentwickeln könnte und immer noch profitabel wäre für das Unternehmen eBay.

Randy Smythe und warum eBay Classic nie scheitern würde was last modified: by

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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