Abhören des Internet-Traffic in Österreich ein Thema

Ende des Jahres 2007 war die Entschlüsselung der Telefonate, die über Skype geführt werden, ein Thema in Deutschland. Jörg Ziercke, Chef des deutschen BKA, mussta allerdings zugeben, dass die Skype-Verschlüsselung die Behörden doch vor ein Problem stelle.

Nun berichtet der ORF, dass das österreichische Innenministerium Zugriff den gesamten Datenverkehr erhalten möchte, der über österreichische Internet Service Provider (ISP) übermittelt wird. Angeblich laufen auch schon Meinungsaustausche mit den Anbietern.

Zudem weiß der ORF zu berichten, dass die Kontrolle von codierten Telefonaten über den Telefonie-Anbieter Skype zwar nicht ganz einfach sei, für die Polizei in Österreich angeblich jedoch kein Problem mehr darstellen soll. Was aus dem Report nicht hervorgeht ist, ob es den Behörden inzwischen tatsächlich gelungen ist, die Skype-Chiffrierung zu knacken, denn bis vor etwa einem halben Jahr war es den Behörden noch nicht gelungen die Codierung von Skype zu knacken.

Wie auch in Deutschland, ist immer noch ein Trojaner im Gespräch, der das Abhören von Telefongesprächen im Internet ermöglichen soll. Gegenüber heise online erklärt Oberst Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums, dass es sich in der vom ORF zitierten Konferenz im Juni diesen Jahres um ein Treffen unter Technikern gehandelt habe, die auf Einladung eines Internet-Providers zustande gekommen sei. Es seien weder Politiker noch Juristen zugegen gewesen.

Angesprochen zu technischen Einzelheiten, erklärte Gollia, dass er sich dazu nicht äußern möchte. Gollia weiter: „Die Sicherheitsbehörden hören Datenverkehr im Rahmen des gesetzlich Erlaubten und in Abstimmung mit den Providern ab.“ Als Unterstellung zurückgewiesen hat Gollia die Behauptung, dass das ins Auge gefasste System die Kontrolle und das Abhören des gesamten Datenverkehrs gestatte und nicht nur den, von einer juristischen Order abgesegnete Teil. „Auch die Service-Provider sind in der Lage, den entsprechenden Datenverkehr ihrer Kunden abzuhören, allerdings mutmaßt die Polizei bei den Anbietern nicht, dass sie dieses auch tun. So soll man auch den Sicherheitsbehörden nicht unterstellen, dass sie beliebige Daten abfangen.“

Das Abhören des Internet-Verkehrs ist in Österreich momentan gesetzlich noch nicht exakt geregelt. Zwar sind die Anbieter zur Kooperation verpflichtet, jedoch ist das derzeitige Gesetz aus dem Jahr 2003 und befasst einzig mit dem Telefoniezweig. Es müsste also eine Erneuerung des derzeit gültigen Gesetzes geben, um auch den Internet-Verkehr mit zu erfassen. Das Ministerium soll jetzt Internet-Service-Provider dazu bewegen wollen, an bewachte Verbraucher nur noch feste IP-Adressen zu vergeben, womit das Abfangen des Datenverkehrs eines Anschlusses vereinfacht würde.

Technische Einzelheiten sollen im Laufe des Sommers in Teams ausgearbeitet werden. Netzwerk-Brücken im Internet sollen in einem ersten Schritt dazu verhelfen, Reproduktionen des kompletten Datenverkehrs an einen vor Ort eingerichteten Computer des Ministeriums weiterzuleiten, aus diesem würden dann die Informationen analysiert werden. Für den Provider wäre dabei nicht feststellbar, welche Daten das Ministerium auswertet.

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