Paradoxes Verhalten der Internet-Nutzer und ein Erklärungsversuch

US-Forscher haben versucht, dem zwiespältigen Umgang der Internet-User mit der Verteilung ihrer persönlichen Daten im Netz, auf den Grund zu gehen. Der Umgang mit persönlichen Informationen ist bei den meisten Menschen widersprüchlich. Auf der einen Seite fordern sie Schutz und die Einhaltung der Privatsphäre, auf der anderen Seite veröffentlichen sie auch freiwillig viele Informationen, Fotos oder Videos im Internet.

Der Wissenschaftler George Loewenstein von der Carnegie Mellon University, hat während des Workshops „Security and Human Behavior“ erste Ergebnisse seiner Studie dazu vorgestellt. Er erklärte, dass die Grundsätze, die Privatsphäre betreffend, auf „wackeligen Beinen“ stehen, denn, je nachdem von wem die Leute befragt werden, oder auch in welchem Zusammenhang, sind die meisten Menschen bereit, viele Informationen unüberlegt weiterzugeben. „Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit – denn neben dem Grundrecht auf Privatsphäre gibt es auch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Und dieses kann eben auch darin bestehen, persönliche Dinge von sich im Internet zu präsentieren, deshalb kann man das Verhalten auch nicht als zwingend paradox ansehen“, so Hans Zeger, Obmann der Arge Daten, gegenüber pressetext.
Was Zeger allerdings mit Sorgenfalten beobachtet ist, dass manche Datenschützer den Menschen einreden wollen, sie sollten nichts mehr von sich Preis geben.

Zeger sieht als große Gefahr die Betreiber von Plattformen und Foren im Netz, denn ihnen ginge es keinesfalls um freie Meinungsäußerung, sondern einzig und allein um das Weiterverbreiten der Daten für Werbeaktivitäten. Wissenschaftler in Amerika haben zudem in ihrer Studie mit Studenten festgestellt, dass die formlose und legere Atmosphäre im Netz die höhere Neigung, persönliche Daten preiszugeben, fördert.

Eine psychologische Erklärung für den zwiespältigen Umgang mit dem eigenen persönlichen Bereich hat Marit Hansen, stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein: „Viele Personen sind auch im wirklichen Leben bereit, zum Beispiel einem Mitfahrer im Zugabteil teilweise sehr persönliche Details zu erzählen. Wüsste jemand, dass er dieselben Leute anschließend wieder trifft, etwa als Arbeitgeber oder Kollege, würde auf das Offenbaren von Informationen verzichtet.“ Im Netz fühlen sich die Leute noch anonymer, denn sie können ihr Gegenüber noch nicht einmal sehen, so die Expertin weiter. Werden die Leute aber ausgefragt, oder aufgefordert Fragebögen auszufüllen, liegt die Hemmschwelle eindeutig höher.

Was die Menschen allerdings lernen müssen, ist, dass auch das Internet ein öffentlicher Ort ist. Hans Zeger fügt noch an:
„Um weder Datenschutz, noch Meinungsfreiheit zu gefährden, ist ein Informationssicherungsgesetz wichtig. Wenn jemand eine Plattform betreibt, auf der Menschen ihre Meinung äußern, dann müssen der Bestand der Seite, ein breites Meinungsspektrum sowie bestimmte Sicherheitsmaßnahmen gewährleistet sein.“

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