Ja was denn nun? Auflehnung der eBay-User gegen die Neuerungen…

Die von eBay in der letzten Woche bekannt gegebenen Veränderungen führen vor allem in den USA zu heftigen Reaktionen der eBay-User. eBay erhofft sich durch die Neuerungen ein breiteres Spektrum der Angebote, wohingegen die Händler eher versteckte Preiserhöhungen darin sehen.

Das Konzept von eBay, das vorsieht, dass die Verkäufer demnächst zwar weniger für das Listing neuer Artikel bezahlen sollen, dafür aber höhere Provisionen zahlen, wenn eine Versteigerung erfolgreich abgeschlossen wurde, eckt bei vielen Händlern an. In den Gemeinschaftsforen des Online-Auktionshauses eBay werden nun Pläne für eine Auflehnung gegen die neue Gebührenordnung laut.

Ab dem 18. Februar 2008 wollen Händler in einen einwöchigen Streik treten, um die Einführung der neuen Gebührenstruktur am 20. Februar abzuwenden. Eine große Anzahl von eBay-Verkäufern hat in den Foren ihre Teilnahme an der Rebellion kundgetan. Sie wollen in der Woche aus Protest keine Waren anbieten.

eBay teilte mit, dass man mit den Reaktionen der User gerechnet habe, schließlich bedeuteten die letzten Ankündigungen massive Veränderungen. Man sieht bei eBay allerdings die Aufregung eher als eine Bestätigung der Betriebsamkeit der Community. Die Neuerungen müssten erst einmal verarbeitet werden und würden die Mitglieder des Online-Marktplatzes keine Reaktionen zeigen, müsste man sich eher Sorgen machen.

Bisher habe ich in der Community vielerlei an Reaktionen gelesen. Die abgegebenen Statements sind sehr vielfältig. Nachfolgend meine kleine Zusammenfassung:

Würde eBay die Einstellgebühren und die Verkaufsprovisionen abschaffen oder gegen Null senken, was in eingen Foren vorgeschlagen wurde, würden die User sich darüber beschweren, dass das Angebot auf dem Marktplatz so (zu) gr0ß werden würde, daß ein sinvolles Handeln mit ausrteichendem Absatz für die einzelnen Händler nicht mehr möglich wäre. Abgesehen davon hätten wir einen komplett mit Werbung zugepflasterten Marktplatz, da sich ein gewinnorientiertes Unternehmen eben irgendwie finanzieren muss – das wäre sicher auch nicht gewünscht.

Vor der Senkung der Einstellgebühren waren die Proteste in die Richtung gehend, dass das Risiko der Verkäufer durch zu hohe Einstellgebühren und damit einhergehend zu geringe Verkaufsquoten zu hoch sei – alles wäre besser, wenn die Einstellgebühren deutlich gesenkt würden, denn dadruch könne man das eigene Angebot auf dem Marktplatz ohne Risiko deutlich erhöhen. Gerade Verkäufer mit Artikeln im geringpreisigen Segment haben massiv darüber geklagt, dass die Einstellgebühren und ein Galeriebild die Marge fast gegen Null haben tendieren lassen.

Wenn zudem noch die momentan von eBay getestete neue Art der Darstellung von Auktionen und Festpreisangeboten im Splitscreen kommen sollte, ist auch eine sinvolle Unterscheidung in Festpreis- und Auktionsangebote möglich.

Von vielen Verkäufern wurde auch immer wieder kritisiert, dass man zu viele „schwarze Schafe“ unter den Kollegen habe, die durch schlechten Kundenservice und zu hohe Versandkosten der Branche einen schlechtes Image bescherten – was wohl nicht ganz falsch ist. Die Änderungen im Bewertungssystem, beim DSR (Detailled Seller Rating), gehen in diese Richtung. Verkäufer mit einem DSR von 4,6 oder mehr in allen vier Bereichen erhalten ab April bis zu 40% Rabatt auf die Verkaufsprovision. Im Gegensatz zu eBay USA hängt in Großbritannien der Rabatt noch von einem weiterem Faktor ab, dem Umsatz. )

Die Preisnachlässe für gewerbliche Verkäufer können auch dazu führen, dass sich viele angebliche Privatverkäufer doch dafür entscheiden, sich als gewerblicher Verkäufer registrieren zu lassen.

Der Fakt, daß Verkäufer ihre Käufer nicht mehr negativ bewerten können, wird ganz unterschiedlich aufgenommen. Mein Eindruck ist der, daß Verkäufer mit einer kundenorientieren Handlungsweise der Änderung positiv gegenüberstehen. Als sehr negativ wird diese Änderung von einigen Powersellern mit der Begründung bewertet, dass hier ein Risiko des Zahlungsausfalls bestehe und man andere Kollegen davor warnen wolle. Diese Argumente halte ich für unsinnig, da eBay die Verkaufsprovision bei einer entsprechenden Meldung erstattet und der Käufer, sollte das mehrmal passieren, von eBay ausgeschlossen wird. Die negative Bewertung als Warnung für die Konkurrenz – wohl eher unwahrscheinlich. Zudem: Welcher Verkäufer liest denn die Bewertungen der Käufer und setzt diese dann auf die inzwischen erweiterte Sperrliste – und selbst wenn, in letzter Sekunde kann noch jemand überbieten. Und wenn ein Verkäufer dann doch noch sein Meinung loswerden möchte, wird es ja auch noch möglich sein, positive Bewertungen mit Kommentaren zu versehen.

Die bisherige Praxis, erhaltene negative Bewertungen negativ zu erwidern und dann über die unsäglichen Mengen an sog. „einvernehmlichen“ Rücknahmen zu entfernen wird dann auch endlich ein Ende haben. Selbst wenn es, so die Angst einiger Verkäufer, nun vermehrt negative Bewertungen geben würde, so würde es diese für alle Verkäufer geben, damit bliebe alles wie bisher, nur auf einem etwas niedrigern Niveau. Die Bewertungen in der bisherigen Form sind nicht aussagekräftig und das wird sich ändern.

Ich verstehe das Taktieren und die sich in Mehrfachschleifen windende Gedankenspiele einiger Verkäufer um die Art des Umganges mit dem neuen Bewertungssytem nicht. Die Formel könnte doch einfach lauten: Gute Ware schnell geliefert!

Die Besinnung auf  Qualität statt Quantität, was sich ja auch in den Suchergbnissen widerspiegeln soll, kann Verkäufer auch dazu motivieren, eine „sauberen“ Account aufzubauen und zu pflegen, satt, wie leider bisher gängige Praxis, sich darauf zu konzentrieren, mit diversen Accounts durch das eBay-System zu kommen.

In der Summe kann die saubere Neudefinition der Spielregeln zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Marktplatzes führen und damit kann es auch für Verkäufer wieder attraktiver werden, das unbestritten enorme Potential von eBay für die eigenen Zwecke zu nutzen.
eBay hat hier versucht, seine eigentliche Grundaufgabe feiner zu definieren: Schaffung eines vernünftigen Rahmens und Definition der entsprechenden Spielregen für den Marktplatz eBay

Ich halte die Änderungen für einen gewaltigen Schritt in die absolut richtige Richtung!

John Donahoe, der designierte eBay-Vorstand, wird es nicht leicht haben mit seiner neuen Aufgabe, das zumindest glauben die INTERNET-World Business-Leser. So denkt jeder 2. der Internet-Profis, dass Donahoe eine harte Nuss damit zu knacken hat, eBays Gewinne wieder ansteigen zu lassen. Ein weiteres Viertel sagt: Es wird schwer, Händler wiederzugewinnen, die der Plattform den Rücken gekehrt haben.“

Die aktuelle Gebührenänderung wird von den meisten Internet-Profis dabei fast außer Acht gelassen. Nur 18% der Befragten glauben, dass sich dadurch mehr Händler werben lassen.


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