Deutscher Professor steckt hinter modifiziertem Bewertungssystem

Der 38-jährige Axel Ockenfels gilt als einer der maßgeblichen deutschen Vertreter einer modernen, experimentalisch ausgerichteten Volkswirtschaftslehre. Seine Forschungen liegen in den Schwerpunkten Verhaltenstheorie und Marktarchitektur. Er entwickelt auf der Basis spieltheoretischer und bestätigter Methoden wesentliche Modelle ökonomischen Entscheidungsverhaltens. Marktarchitekten oder Marktdesigner beschäftigen sich mit der Aufmachung, Erhaltung und Optimierung von realen wirtschaftlichen Einrichtungen. Dabei findet vor allem die Spieltheorie Anwendung, die sich mit den Auswirkungen von institutionellen Regeln auf eigenes Verhalten und Marktergebnisse beschäftigt.

Der bereits mehrfach ausgezeichnete Volkswirtschaftler (u.a. 2005, 2006, 2007 Philipp-Morris-Forschungspreis) ist seit 2005 ist Mitglied der Nordrhein-westfälischen Akademie der Wissenschaften und seit 2006 Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften – und er berät auch das Internet-Auktionshaus eBay. Das neue Bewertungssystem, das eBay im Frühsommer einführt und das die Schwerpunkte zu Gunsten der Käufer verschiebt, hat er mit entworfen.

Seit mehreren Jahren forscht Ockenfels mit seiner Arbeitsgruppe schon für das Unternehmen eBay. Seine Untersuchungen befassen sich in erster Linie mit dem Bewertungssystem des Online-Marktplatzes eBay. Ockenfels hat schon vor langer Zeit herausgefunden, dass ohne den Apparat der Bewertungen der Handel auf anonymen Internet-Marktplätzen schnell zusammenbricht, da die Namenlosigkeit dazu führt, dass niemand weiß, wem er letztendlich vertrauen kann.

Dass eBay nun seine Regeln abändert ist unter anderem der Arbeit von Ockenfels zu verdanken, der durch seine Forschungen zum 2. Mal an den Modifizierungen beteiligt ist. Wie schon berichtet, können Händler ab Mai 2008 keine negativen Wertungen über Käufer mehr abgeben. Sie haben ab dann nur noch die Möglichkeit, ihre Kunden positiv oder überhaupt nicht zu bewerten, was die Anzahl der Rachebewertungen vermindern soll.

Nun da die Ankündigungen von eBay offiziell bestätigt wurden, darf sich Ockenfels dazu äußern: „Käufer und Verkäufer stellen mit ihren Bewertungen ein öffentliches Gut zur Verfügung. Einerseits profitieren alle Nutzer davon, weil sie die Vertrauenswürdigkeit der Geschäftspartner besser einschätzen können. Andererseits hat der einzelne Nutzer, der ein Urteil abgibt, oft keinen Vorteil.“ Ockenfels weiter: „Die Bereitschaft, beim Bewertungssystem mitzumachen, beruht zum Teil auf Gegenseitigkeit. Wer aber einen Verkäufer negativ bewertet, musste bislang mit Nachteilen rechnen (Rachebewertungen) Jetzt steigen für die Käufer die Anreize, die Wahrheit zu sagen.“ Ockenfels ist der Ansicht, dass „Käufer und Verkäufer ein neues, kooperatives Gleichgewicht finden müssen.“