Whitmans politischen Ambitionen und was sie heute anders machen würde

Nach den Berichten um den neuen eBay-Boss Donahoe brodelt natürlich auch die Gerüchteküche um Meg Whitman. Mit ihren 51 Jahren und ihrem Elan ist sie ja eigentlich zu jung um sich schon zur Ruhe zu setzen – und das wird sie sicherlich auch nicht tun. Allerdings müsste sie sich finanziell keine Gedanken machen, denn mit ihrem Aktienpaket an eBay ist Meg Whitman reich geworden: Die Mutter von zwei Söhnen ist auf der “Forbes”-Liste der reichsten Amerikaner mit einem geschätzten Vermögen von 1,4 Milliarden Dollar vertreten.

Nun wird sie weiterhin Mitglied des Verwaltungsrates von eBay bleiben und ihre Energie in eine, von ihrer Familie neugegründete, Stiftung stecken. Zudem ist sie Direktor von Procter&Gamble und Dreamworks, ein amerikanisches Animations-Studio, das überwiegend Computeranimationsfilme produziert.

In der Politik unterstützt sie den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, genau wie auch Donahoe und Whitman selbst, ein ehemaliger „Bainie” (Beschäftigte von Bain&Company werden in den Consulting-Kreisen als „Bainies” bezeichnet). Politische Stimmen besagen, dass Margret Whitman, Arnold Schwarzenegger als Gouverneur in Kalifornien ablösen möchte. Das ist gar nicht so abwegig, denn auch in der Politik kennt sie sich aus. Sie steht der Republikanischen Partei nahe und unterstützt als Beraterin die Kampagne des republikanischen Präsidentschaftkandidaten Mitt Romney.

Obwohl Arnold Schwarzenegger und Meg Whitmann nicht unterschiedlicher sein könnten, so wird sie sich eventuell den Slogan Schwarzeneggers zu eigen machen, der da lautet: „I’ll be back”, so dass zumindest die vielen eBay-Nutzer in Kalifornien bald wieder von ihr hören werden.

Meg Whitmann verabschiedet sich bei eBay mit folgenden Worten:

“Es ist Zeit für mich eBay jetzt zu verlassen und für ein neues Führungsteam Platz zu machen, das neue Perspektiven und Visionen gibt. Zurückblickend wurde mir durch Pierre Omidyar eine großartige Chance gegeben. Jetzt, 10 Jahre später, blicke ich ehrfürchtig auf die Zeit zurück und bin stolz auf das, was wir alle zusammen erreicht haben. 1998, als ich zu eBay kam, war es nichts anderes als eine kleine Webseite, ein Experiment so zu sagen. Keiner konnte damals glauben, dass Fremde einfach so im Internet untereinander Geschäfte machen würden. Über die 10 Jahre hinweg haben Sie alle dazu beigetragen die Nutzung des Internets zu revolutionieren. Ich bin wahrhaftig erstaunt, was hier aufgebaut wurde. Und, alle Ehre gebührt Ihnen, der eBay-Gemeinschaft. Sie haben die Chance ergriffen, Geschäfte zu machen, sie haben neue Märkte für Produkte geschaffen, für die es bis dahin noch keinen Markt gab. Sie alle haben klar definiert, was es heißt ein guter „Internet-Bürger“ zu sein. Und ja, wir hatten ein paar Unebenheiten auf dem ganzen Weg hierhin, aber damit muss man rechnen, wenn man etwas aufbaut, was es so vorher noch nie gegeben hat. Aber erst recht in diesen Zeiten hat mich ihre Leidenschaft inspiriert, immer weiter zu machen.

Mit großem Stolz übergebe ich nun meinen Posten an die fähigen, neuen Führungskräfte John und Rajiv. Da ich beide nun schon seit vielen Jahren kenne, weiss ich seit langem, dass sie eBay in Zukunft in eine gute Richtung dirigieren werden. eBay ist in meinem Blut und wird es immer bleiben. Ich werde auch nicht komplett von der Bildfläche verschwinden, sondern im Aufsichtsrat alles weiter beobachten. Und natürlich werde ich weiter beim Online-Marktplatz eBay ein- und verkaufen. Ich fühle mich sehr geehrt mit Ihnen zusammen diese unglaubliche Gemeinschaft aufgebaut zu haben. Danke ich, dass ich in den letzten 10 Jahren Teil dieses Ganzen habe sein dürfen.”

Meg Whitman gab gemeinsam mit ihrem Nachfolger John Donahoe ihr „Abschiedsinterview“ mit dem mehrfach ausgezeichneten New Yorker Journalisten Erick Schonfeld

Auf Schonfelds Frage, was der beste Schachzug in den letzten 10 Jahren war, antwortete Whitmann: „Ich würde sagen, das Beste war zunächst die Idee von Pierre Omidyar das Internet zu nutzen, um im Web mit ganz normalen Leuten Geschäfte zu machen. Für mich war es dann ein großartiger Schritt, dass eBay international derart expandieren konnte. Wir sind mittlerweile in 35 Ländern vertreten, verbunden untereinander durch ein riesiges globales Netzwerk. Das zweitbeste war der Kauf von PayPal – die Brieftasche von eBay.“

Nach dem größten Fehler befragt meint Whitman, dass es schade ist in Japan keinen Fuß gefasst zu haben. Zu Skype, dem Telefonie-Anbieter von eBay, hat Meg Whitman ebenso einen klaren Standpunkt: „Wir liebten Skype und tun es immer noch, als unabhängiges Geschäftsmodell. Skype kann im Vergleich zu anderen, erst vier Jahre alten Unternehmen, sehr viel mehr als auch beispielsweise eBay, Yahoo oder Google konnte. Wir sahen, dass es potentielle Synergien zwischen Skype und eBay gibt. Das nächste Jahr wird uns zeigen, ob wir Recht hatten. Das Problem lag in meinen Augen am alten Skype Management-Team, den eigentlichen Gründern von Skype, deren Motivation einzig im großen Geldverdienen lag. Unser eigenes Team ist erst seit 3 Monaten aktiv.

Aus die Frage, was Whitman anders machen würde, wenn sie heute bei eBay anfangen würde zu arbeiten: „Raten Sie! Die Welt verändert sich und eBay hat den e-Commerce genau definiert. Aber John hat bestens erkannt, dass sich eBay in der heutigen Zeit wieder neu definieren muss.“ John Donahoe dazu: „Käufer und Verkäufer haben eine größere Auswahl und sehr viel höhere Erwartungen an eBay, als dies 1998 der Fall war, aber die Grundgedanken sind die gleichen – bestmöglicher Gewinn, reichhaltigste Auswahl und die Erfahrung des „Spass-Einkaufes“ zu machen. Und wir werden ab jetzt daran arbeiten, dass das Shoppen noch einfacher und sicherer wird. Die zweite Sache ist, dass wir dieses fantastische Geschäft mit den Auktionen, das einzigartig ist und das beste Format überhaupt hat, weiter ausbauen werden.“

Der letzte Punkt des Interviews befasste sich mit dem Standing eBays, neben Amazon und Yahoo, als eine der älteren Webseiten im Netz. Whitmann bezog auch hierzu klar Stellung: „Meiner Meinung nach sind Firmenzeichen, wie bei allen anderen Gewerben auch, ein bedeutendes Merkmal. Es wird immer eine Rolle für eBay im world wide web geben. 80 Millionen Menschen besuchen unsere Seiten und das wird das Geschäft für unsere Zukunft sein. Das heißt, der Online-Marktplatz eBay muss aufgegliedert werden: Listings auf Seiten wie shopping.com und anderen Webseiten sollten vermehrt angekurbelt werden, denn wenn die Menschen nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen gehen. Wir sind der Warendistribution nicht abgeneigt, das heißt, Produkte auch an anderen Plätzen im Netz anzubieten.“ Donahoe ergänzt:„Unsere Käufer werden uns den Weg weisen. Wir werden es beispielsweise demnächst sehr viel einfacher gestalten, Einstellungen auch bei Facebook zu machen, oder MySpace oder ähnlichen Seiten.“ Und hier gibt es einen interessanten Punkt, über den ich mich wundere, unterbricht Whitman: „Schauen Sie sich den wahnsinnigen Erfolg von Facebook doch an. Es gibt kaum jemanden auf dieser Social-Networking-Seite der irgendwelchen Warenaustausch betreibt. eBay hingegen ist festgezurrt im Handelsgewerbe, hat aber auf dieser An- und Verkaufsseite eine eigen Gemeinschaft geschaffen, ähnlich wie beim Social-Networking. Und hier stelle ich mir die Frage, ob nicht auch die Umkehrung möglich ist, dass Leute auf Kommunikationsseiten gehen, um einzukaufen.“


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