Online-Geschäfte einfach mit elektronischem Personalausweis abwickeln

Estland ist, was die digitale Zukunft anbelangt, den Deutschen ein Stück weit voraus. Fast jeder Este besitzt heute einen elektronischen Personalausweis, mit dem er sich im Netz eindeutig identifizieren kann. Auch Dokumente kann der Este digital unterzeichnen. „Kein Este muss heute Papier-Dokumente unterschreiben, um ein Geschäft abzuschließen oder eine staatliche Dienstleistung zu nutzen“, sagt Jüri Voore, Chef der privaten Firma, die die digitalen Identitäten der Esten betreut. Voore selbst hat seit kurzem seine Zertifikatsdatei, die auch ihn eindeutig „bestimmt“ auf seinem Handy installiert. Das Mobiltelefon dient ihm damit als digitaler Personalausweis.

Es funktioniert relativ einfach: Auf einer Webseite gibt Jüri Voore seinen Nutzernamen an. Die dazugehörige PIN hingegen tippt er in sein Mobiltelefon. Nach der chiffrierten Übertragung seiner Daten darf er im Browser die Rechnung einsehen und dann auf einen Button „unterschreiben“ klicken. Danach erfolgt noch mal die PIN-Eingabe am Handy und mit der dort hinterlegten Zertifikatsdatei wird das Dokument, in dem Fall die Rechnung, unterzeichnet.

In Deutschland muss man darauf noch lange warten, denn laut Innenministerium sollen die ersten elektronischen Ausweise erst im Jahr 2009 ausgehändigt werden. Auf einem Funk-Chip gespeichert werden außer den üblichen Personendaten wahrscheinlich ein digitales Passfoto, zwei Fingerabdrücke und eine Zertifikatsdatei, mit der sich der Besitzer im Internet eindeutig ausweisen kann. Daneben kann eine Signaturdatei auf den Ausweis geladen werden, mit der sich digitale Belege im Internet gesetzesfest unterzeichnen lassen, was dann für den Verbraucher allerdings zusätzliche Kosten verursachen wird.

Jan Möller, Projektleiter „Elektronischer Personalausweis“ im Bundesinnenministerium: „Wenn die Bürger am heimischen Computer für ein paar Euro ein Ausweislesegerät anschließen, dann sind Geschäfte im Internet durchaus möglich.“ Diese könnten dann folgendermaßen ablaufen: Aus dem elektronischen Personalausweis könnte ein Diensteanbieter personenbezogene Daten anfragen. Zusätzlich mit einer Anfrageberechtigung, einem Zugriffszertifikat, in dem genau beschrieben ist, welche persönlichen Daten angefragt werden und wer anfragt, werden die Daten an den Käufer übermittelt. Es gibt also eine wechselseitige Überprüfung. Der Bürger kann, wenn er einverstanden ist, durch seine PIN-Eingabe die Daten freigeben, oder die Freigabe verweigern. Einfach und ohne Papierkram könnten damit alle Verträge abgewickelt werden. Online-Bibliotheken könnten den Wohnsitz ihrer Nutzer nachprüfen, Online-Videotheken das Alter der Kunden.

Peter Schaar, der Bundesdatenschutzbeauftragte sieht es positiv, dass mit dem elektronischen Personalausweis die Bürger selbst bestimmen, welche Daten sie freigeben und an wen sie übermittelt werden. Mit der geplanten Codierung der Daten ist er ebenfalls einverstanden. Es bemängelt allerdings, dass es auch mögllich sein müsse, dass etwa das Alter kontrolliert wird, ohne den Namen auszulesen zu können. Kritikpunkte sieht er weiterhin im Speichern der Fingerabdrücke auf dem Ausweis, und damit ist er nicht alleine.

„Zwar hätten nur amtliche Stellen die Berechtigung diese auszulesen, doch könnten diese biometrischen Daten verhindern, dass die Bevölkerung den elektronischen Personalausweis auch für Online-Geschäfte einsetzen“, so Wolf Osthaus aus der Geschäftsführung von eBay. Osthaus weiter: „Kann man dem Bürger vermitteln, dass solche Merkmale bei einer kommerziellen Anwendung hinreichend geschützt sind? Sonst nimmt der Bürger nämlich vom kommerziellen Einsatz Abstand, weil er denkt: Hm, meinen Fingerabdruck möchte ich eBay jetzt doch lieber nicht schicken.“

Osthaus unterstreicht, dass der elektronische Personalausweis nie Voraussetzung sein werde, um bei eBay teilzuhaben, denn bis wirklich jeder Deutsche das neue Dokument hat, würden mindestens noch zwölf Jahre verstreichen. Die Frage, ob der Pass zumindest ein Weg sein wird, um sich eBay einzuloggen, ließ Osthaus unbeantwortet, da zu viele Ungewissheiten noch im Raum stünden. Diese Fragen sollen durch ein Pilotprojekt beantwortet werden, gestartet durch das Innenministerium Ende diesen Jahres. Der Online-Marktplatz eBay möchte beim Probelauf nicht mit von der Partie sein, da die Installation der notwendigen Technik bis Herbst bei eBay nicht möglich sei.