Hohe Preisaufschläge bei der Online-Ticketbörse Viagogo

Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Bayern hat die Preisaufschläge auf der Ticketbörse Viagogo für Konzerte in München untersucht. Durchschnittlich kosteten Eintrittskarten für Veranstaltungen im April und Mai fast das Dreifache des Originalpreises. Die Ticketbörse selbst erhebt zudem undurchsichtige Gebühren.

Hohe Preisaufschläge bei der Online-Ticketbörse Viagogo

Hohe Preisaufschläge bei der Online-Ticketbörse Viagogo – pixabay.com ©igorovsyannykov (Creative Commons CC0)

Verbraucher, die auf dem Ticketzweitmarkt im Internet Eintrittskarten für Konzerte oder Sportveranstaltungen kaufen, zahlen dafür häufig deutlich höhere Preise als bei offiziellen Tickethändlern oder direkt beim Veranstalter. Besonders gefragte Tickets können bei dem bekannten Ticketzweithändler Viagogo in einigen Fällen sogar das Achtfache kosten.

Der Weiterverkauf von Eintrittskarten generiert auf diesem Portal hohe Einnahmen: Schon zu Beginn des Kaufprozesses werden die Tickets zu deutlich höheren Preisen als den Originalpreisen angeboten (durchschnittlich 31 Euro mehr für die jeweils günstigsten Tickets). „Dabei ist nicht ersichtlich, wer von diesem Preisaufschlag profitiert, weil die Verkäufer anonym bleiben“, sagt Tatjana Halm, Teamleiterin Marktwächter in der Verbraucherzentrale Bayern. Im weiteren Verlauf des Buchungsvorgangs berechnet Viagogo noch zusätzliche Gebühren. Diese lagen in der Untersuchung der Marktwächter für das günstigste Angebot pro Ticket durchschnittlich bei zusätzlich 35 Euro.

Überraschende und nicht nachvollziehbare Gebühren

Dass Viagogo im Laufe des Bestellprozesses Gebühren auf den zunächst angezeigten Kaufpreis aufschlägt, kommt für Verbraucher überraschend. Erst kurz vor Abschluss der Bestellung erscheinen in der Auflistung verfügbarer Tickets leicht zu übersehende Buchungsgebühren und die Mehrwertsteuer. Diese betrugen im Untersuchungszeitraum je nach Veranstaltung zwischen acht und 92 Euro pro Ticket – im Durchschnitt lagen sie bei 22 Euro. „Verbraucher sind bei Viagogo einer preislichen Willkür ausgeliefert. Höhere Ausgangspreise der Tickets und intransparente Gebühren sorgen für ein Preisniveau, das deutlich über dem offizieller Verkaufsstellen liegt“, sagt Verbraucherschützerin Halm weiter.

Methodik

Das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Bayern hat am 30. und 31. Januar 2019 eine Recherche aller Konzerte in München im April und Mai 2019 vorgenommen. Ausgenommen waren klassische Konzerte, da hier Tickets oft nur an speziellen Vorverkaufsstellen erhältlich sind. Zu allen 171 Veranstaltungen wurden die Preise für ein Ticket bei Viagogo und bei ausgewählten Anbietern im Erstmarkt erhoben (Eventim.de und Muenchenticket.de). Wenn auf dem Erstmarkt mehrere Angebote zur Verfügung standen, wurde immer die Kategorie mit dem günstigsten Preis gewählt. Betrachtet wurde immer der dort angezeigte Preis. Liefergebühren wurden nicht mit einbezogen, da der Originalpreis des Tickets interessiert (nicht der Verkaufspreis der Anbieter). Wenn bei Viagogo mehrere Anbieter zur Auswahl standen, wurde die zum Erstmarkt gleiche oder vergleichbare Kategorie gewählt, und darin immer das jeweils günstigste Angebot.

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Kategorien: Recht & Sicherheit

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