Paysafecard: Ende der Paypal-Dominanz dank Kooperation im Spiele-Sektor?

Im Markt der elektronischen Zahlungen waren es lange Paypal und Skrill, welche die Szene dominierten. Gerade PayPal steht für viele Kunden stellvertretend für beinahe alle elektronischen Zahlmethoden. Aber schon seit einer Weile beobachtet der Onlinemarktplatz die aufsteigende Beliebtheit von Paysafecards. Jetzt hat die Paysafe Group angekündigt, das eigene Business mit Fokus auf den umsatzstarken E-Sport-Sektor zu erweitern. Kann der Plan aufgehen und die Paysafecard die Dominanz der Konkurrenz brechen?

Paysafecard ist ein innovativer Konkurrent zu Paypal

Der E-Commerce wächst in Deutschland kräftig. Lag er laut Statista im Jahr 1999 noch bei 1,1 Milliarden Euro, gehen aktuelle Prognosen für das Jahr 2019 von einem Umsatz von 58,5 Milliarden Euro aus – ein Plus von fünf Milliarden im Vergleich zum Vorjahr. Einen großen Anteil an diesem Wachstum haben die Anbieter verschiedener Zahlungs-Services, welche den Bezahlvorgang im Internet erleichtern. Vor den Zeiten von Paypal und Co. schreckten die Kunden nämlich oft davor zurück, Online-Stores ihre Bankdaten oder andere persönliche Informationen anzuvertrauen. Der Bezahlvorgang war zudem kompliziert. Angebote wie PayPal, Skrill und Paysafecard werden zunehmend auch bei den Vertretern der Babyboomer beliebter. Dies ist keine Überraschung, da 96 Prozent der 55-74-Jährigen einen Laptop oder PC und stolze 81 Prozent inzwischen ein Smartphone besitzen.

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Paysafe Group kooperiert mit der ESL

So viel zu den Grundlagen. Aufgrund dieser Zahlen ist es kaum verwunderlich, dass die Paysafe Group gerne mehr vom Online-Kuchen abhaben möchte. Die Paysafecard funktioniert dabei nach dem Prepaid-Prinzip und wird aktuell in 46 Ländern angeboten. Die Kunden erhalten 16-stellige PIN-Codes und können mit diesen ein Guthaben aufladen.

PayPal setzt im Vergleich den Schwerpunkt weniger stark auf Prepaid. Um die Vormachtstellung des Konkurrenten zu brechen, soll die Paysafecard nun verstärkt eigene Akzente setzen – besonders da Paypal inzwischen mit Google Pay kooperiert, wie die Zeit berichtete. Einer dieser Akzente soll die Kooperation mit E-Sport-Veranstaltern sein. Im Februar 2019 verkündete die Paysafe Group, dass man mit der ESL (der E-Sport-League) kooperieren wird, die im Bereich des elektronischen Sports eine große Anzahl an Turnieren und Events veranstaltet. Hierzu gehören Funktionen wie die „Paysafecard esports Hall of Fame“, welche Auszeichnungen für bekannte E-Sportler bereitstellt, sowie die „Beat the Legends“-Serie, welche es Fans erlaubt, sich mit den ganz Großen der Branche zu messen. Für die Paysafe Group lohnt sich die Kooperation: 2018 hat der E-Sport mehr als 280 Millionen Zuschauer weltweit angezogen und die Zahlen steigen jedes Jahr rasant. Zudem sind die jungen und technikaffinen Zuschauer schnell bereit, Zahlungsmittel wie Paysafecard zu adaptieren. Hierdurch verspricht das Unternehmen sich einen Vorteil im direkten Konkurrenzkampf. Zudem setzt man auf ein breites Angebot von Geschenkkarten, zum Beispiel für Online-Händler wie Amazon, Otto oder Eventim, die es auf der Paysafecard-Webseite zu erwerben gibt.

Weitere Kooperationen

Paysafe kooperiert noch mit weiteren Unternehmen im Spiele-Bereich. Auch im Microsoft Game Store kann inzwischen mit Paysafecard gezahlt werden; übergreifend auf der Xbox-Spieleplattform und dem Windows PC. Damit steht der Firma eine der größten Plattformen des Marktes offen, auf welcher Kunden weltweit bekannte Spieleserien erwerben können. Ein weiteres Beispiel ist der populäre Casino-Anbieter Betway, der ebenfalls die Zahlung mit Paysafecard erlaubt. Online-Casinos haben in der Vergangenheit einen rapiden Umsatz-Zuwachs erfahren und erreichen Kunden mit Angeboten wie Willkommensboni, speziellen Spielautomaten und einer großen Auswahl an Kartenspielen. Und außerdem kooperiert Paysafe bereits seit dem Jahr 2014 mit Steam, dem weltweit größten Internet-Store für Videospiele, wie Giga schreibt. Dadurch existiert im Bereich der Unterhaltungs-Elektronik eine beinahe flächendeckende Unterstützung für den Einsatz der Paysafecard. Und das ist für das Geschäftsmodell entscheidend, da genau diese verbreitete Unterstützung die Kunden zur wiederholten Nutzung bewegt.

Paysafecard: Ende der Paypal-Dominanz dank Kooperation im Spiele-Sektor?
Paysafecard: Ende der Paypal-Dominanz dank Kooperation im Spiele-Sektor? – pixabay.com ©mohamed_hassan (Creative Commons CC0)

Reicht die Initiative im Kampf gegen Paypal und Skrill?

Paysafecard reduziert auch für Online-Händler die Kosten im Vergleich zu Bargeldzahlungen, welche den Online-Handel jedes Jahr teuer zu stehen kommen. Doch reicht diese Initiative aus, um die Konkurrenten Paypal und Skrill im Kampf um die Marktdominanz zu übertrumpfen? 267 Millionen aktive Accounts konnte Paypal im 4. Quartal 2018 vermelden und liegt damit noch vor Skrill auf Platz eins der Online-Bezahlmethoden. Das Bezahlen mit Paysafecard hingegen ist gerade in Deutschland noch hauptsächlich einer bestimmten Gruppe von jungen und technologiebegeisterten Kunden bekannt. Und auch die Konkurrenz entwickelt sich weiter: So können Nutzer von Skrill inzwischen über die Plattform Kryptowährungen kaufen und bekommen dafür auch eine eigene Wallet von Skrill angeboten.

Die größte Herausforderung für Paysafe ist jedoch, dass der große Konkurrent Paypal auf fast allen der oben genannten Plattformen ebenfalls als Zahlungsmethode verfügbar ist. Da der Zahlungsverkehr mit Kreditkarte in Deutschland noch immer im Vergleich zu anderen Ländern hinterher hinkt, ist Paypal zur Standard-Alternative für Banküberweisungen im Netz geworden. Und auch in anderen europäischen Ländern und in den USA kann kaum ein Service bei Umsätzen und Anzahl der User mithalten – obwohl Paypal mit der Anhebung der Gebühren im Jahr 2018 auch Kritik auf sich zog. Dennoch sind die vorgestellten Initiativen ein wichtiger Schritt, um die Zahlung mit Paysafecard noch massentauglicher zu machen und weitere Kunden von Paypal und Skrill abzuwerben. Am ehesten sieht es so aus, als würden in Zukunft alle drei Services nebeneinander existieren. Für manche Nutzer-Szenarien macht die Eröffnung eines Paypal-Kontos oder die Zahlung mit Skrill Sinn, für andere wiederum ist es das Prepaid-Prinzip, auf welches bei der Paysafecard so stark gesetzt wird.

Fazit

Die Paysafe Group setzt auf Kooperationen im E-Sport-Sektor und auf dem Videospielmarkt, um im Konkurrenzkampf mit Paypal und Skrill den Marktanteil der Paysafecard zu erhöhen. Trotz der Dominanz von Paypal könnte die Strategie sich auszahlen: Denn der Markt der Gamer ist jung, technikaffin und für innovative Zahlmethoden offen.