Zalando und die Angst der roten Zahlen

Mit einem Umsatz von über vier Milliarden Euro gehört Zalando zweifelsohne zu den Start-ups „Made in Germany“, die den endgültigen Durchbruch geschafft haben. Das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen ist inzwischen in ganz Europa aktiv. Der Online-Riese verzeichnet auch zehn Jahre nach der Gründung noch große Sprünge beim Wachstum im zweistelligen Bereich. Allein im dritten Quartal 2018 waren es 11,7 Umsatzwachstum – oder 1,2 Milliarden Euro in drei Monaten. Auf gesunden Beinen steht Zalando deswegen aber nicht – wieder einmal verzeichnete das Unternehmen einen zweistelligen Millionenverlust.

Marktmacht auf Pump

Unterstützt wurde das Unternehmen der Firmengründer David Schneider und Robert Gentz von Beginn an von Rocket Internet, dem Investment der Samwer-Brüder. Sie verhalfen dem Projekt zu finanziellen Möglichkeiten, die Zalando schnell zum Marktführer beim umsatzstarken Schuhversand im Internet machten. Der Expansion nach Österreich im Jahr 2009 folgte die Markteinführung in der Schweiz und anderen europäischen Staaten. Finanziert wurde das gesamte Projekt stets von den Investoren. In den ersten Jahren betrug der Verlust stets mehr als 18 Millionen Euro.

Zalando und die Angst der roten Zahlen

Zalando und die Angst der roten Zahlen – pixabay.com ©Pezibear (Creative Commons CC0)

Im dritten Quartal des Jahres 2018 schrieb Zalando einen Verlust von 42 Millionen Euro, trotz einer Umsatzsteigerung von 10 Prozent. Verantwortlich dafür sind verschiedene Faktoren, unter anderem wird das lange Sommerwetter für den Verlust verantwortlich gemacht. Aber auch mangelnde Maßnahmen im ERP sind aus Sicht von Experten ursächlich für den negativen Gewinn. Darunter fallen etwa die Verknüpfungen von Geschäftsbereichen innerhalb von Zalando. Schleppende Organisationsstrukturen mindern die Produktivität und kosten Geld. Maßnahmen zur Optimierung werden im ERP erfasst und umgesetzt – beim Unternehmen bisher noch nicht im ausreichenden Maß.

Schleppender Onlinehandel

Zalando hat inzwischen vier Outlet-Stores in Deutschland eröffnet. Im Frühjahr 2012 wurde der erste Store in Berlin-Kreuzberg eröffnet. Es folgten Geschäfte in Frankfurt, Köln sowie je ein Outlet in Leipzig und Hamburg. Mit den Outlets versuchte Zalando nicht allein das Geschäft abseits des Internets anzukurbeln. Viele der Produkte von über 500 Marken, darunter bis zu 20 Eigenmarken, sind Warenrückläufer.
Lange Zeit drückten die Retouren den Gewinn des Unternehmens deutlich. Die Verarbeitung von Warenrückläufer war vor einigen Jahren noch sehr ineffizient, das Problem soll inzwischen gelöst worden sein – unter anderem durch den Verkauf der Artikel in den Outlets.

Neue Einnahmequellen gesucht

Das Fulfillment ist das größte Problem bei Zalando. Die Kunden kaufen für zu wenig Geld ein und retournieren viele Artikel auch noch. Das drückt den Gewinn, zumal hohe Lagerkosten und die Logistik die Gewinnmarge ohnehin stark beeinflussen.
Zur Steigerung des Gewinns – und zur Ruhigstellung der Investoren – denkt Zalando längst über unpopuläre Maßnahmen nach. In Italien etwa ist der Versand längst nicht mehr uneingeschränkt kostenfrei. Eine Option, die auch in Deutschland nicht unrealistisch erscheint. Dank umsatzstarken Black Friday und Weihnachtsgeschäft dürfte diese Maßnahme in diesem Jahr noch unangetastet bleiben.



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